Rede von Dr. Hermann Focke am 21.01.2010 bei “Animals´ Angels” in Berlin

Rede von Hermann Focke, ehem. Amtsveterinär, bei der Ausstellungseröffnung – Rede Ausstellungseröffnung in Berlin am 21.1.2010:

Sehr verehrte Frau Christa Blanke, liebe Frau Catriona Blanke, sehr geehrter Herr Dekan, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Mit großer Freude bin ich heute nach Berlin zur Eröffnung Ihrer Ausstellung gekommen. Besonders hat mir das Thema Ihrer Ausstellung gefallen: „Wir sind bei den Tieren – Wo sind die Tierärzte?“ Wo sind die Tierärzte? Diese Frage stelle ich mir schon fast 20 Jahre.

Mein Resumé aus mehr als 40-jähriger tierärztlicher Tätigkeit und als langjähriger Veterinäramtsleiter im Oldenburger Münsterland, der Region mit der größten Nutztierdichte Europas, ist folgendes:

Wenn sich unsere Mitgeschöpfe, die so genannten „Nutztiere“, die vorwiegend in agrarindustrieller Massentierhaltung dahin vegetieren und anschließend oft skandalösen Transportbedingungen ausgesetzt sind, wenn diese „Nutztiere“ sich auf uns Tierärzte verlassen, dann sind sie weitgehend verlassen.

Zur Begründung möchte ich Ihnen zwei kurze Beispiele vortragen:

Anfang der neunziger Jahre habe ich in meiner Freizeit mehrere Schlachtrinder-Transporte bis zu den Verladehäfen am Mittelmeer und Schwarzen Meer verfolgt und dabei schlimme Dinge erlebt. Unmittelbar nach meiner Rückkehr habe ich mehrere Berichte abgefasst und unverzüglich an das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium geschickt.

Auf meinen ersten Bericht habe ich Monate lang vom Ministerium keinerlei Antwort – respektive Reaktion – bekommen. Der Bericht, wie sich später herausstellte, war mit dem Vermerk z.d.A. (zu den Akten) versehen worden und in den Schubladen des hohen Hauses verschwunden.

Durch eine Indiskretion im Ministerium gelangte mein Bericht jedoch im August 1992 an die Presse und damit an die Öffentlichkeit.

Die Folge: Enormer bundesweiter Wirbel bei den Medien und große Bestürzung und Betroffenheit in der Bevölkerung.

Als weitere Folge: eine Sondersitzung der Tierschutzreferenten des Bundes und der Länder in Bonn, zu der ich zur Berichterstattung angefordert wurde.

Bei meinem Vortrag sperrten die Tierschutzreferenten – fast ausschließlich Tierärzte – Mund und Nase auf; ein bestimmtes Betroffensein war nicht zu verhehlen. Ich habe dann der Versammlung einen von mir bereits ausgearbeiteten Aktionsplan vorgetragen, der folgendes beinhaltete:

Man solle ein oder zwei Kontrollteams bilden, und diese mit der Vollmacht versehen, künftig regelmäßig ohne Vorankündigung Verladeplätze, Versorgungsstellen und Verladehäfen zu überprüfen.

Bei der sich anschließenden Diskussion hatte ich mit breiter Zustimmung gerechnet.

Aber das genaue Gegenteil traf ein. Es wurden von den Tierschutzreferenten zahlreiche fadenscheinige Einwände vorgebracht und Bedenken geäußert hinsichtlich organisatorischer, finanzieller sowie diplomatischer Fragen und ähnliches mehr. Nach der Sitzung habe ich dann – frustriert wie ich war – meinem Mitarbeiter Dr. Böhler gesagt: „Hier handelte es sich heute nicht um amtliche Tierschützer, sondern um verbeamtete Bedenkenträger und Tierschutzverhinderer.“

Es wurde in der Folge viel Papier bewegt, auch um die Bevölkerung ruhig zu stellen. Geändert hat sich bis heute jedoch sehr wenig. Kurze Anmerkung: Das was die Animals’ Angels seit Jahren praktizieren wäre eigentlich Aufgabe der amtlichen Tierärzte.

Ein zweites kurzes Beispiel: 1996 wurde im ZDF ein Beitrag des Dokumentarfilmers Manfred Karremann über die Verladepraktiken in den Häfen Triest und Beirut gezeigt. Dieser Film hat damals viel Staub aufgewirbelt in der Bevölkerung wie auch in den bundesdeutschen Printmedien.

Daraufhin sah sich der Vorstand des BbT (Bund der beamteten Tierärzte) genötigt, seine Mitglieder aufzufordern, keine Langzeitschlachttiertransporte mehr abzufertigen.

Meine Damen und Herren: Ich kenne keine zehn Amtstierärzte, die dieser Aufforderung gefolgt sind. Ich kenne nicht einmal sieben. Es änderte sich nichts. Die Karawane zog weiter.

Abschließend möchte ich noch von einer Begegnung mit den Animals’ Angels berichten, die für mich persönlich prägend und von großer Bedeutung war.

Ende der neunziger Jahre verfolgte ein Animals‘ Angels Team mehrere Langzeittransporte. Auf einem Autobahnrastplatz in Bayern konfrontierte ein Fernsehreporter das Team mit der Frage, ob ihre Aktivitäten denn überhaupt einen Sinn machen würden, da sich in den vergangenen Jahren die Verhältnisse kaum gebessert hätten. Darauf antwortete eine der Damen (ich zitiere):

„Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ist es Abraham Lincoln gelungen, in Amerika die Sklaverei abzuschaffen. Eines Tages werden auch die Tiere aus ihrer Sklaverei befreit werden.“

Meine Damen und Herren, setzen wir all unsere Kraft ein, damit dieser Tag nicht mehr allzu fern ist.

Dr. Hermann Focke

Buchtipp: „Tierschutz in Deutschland: Etikettenschwindel?! – Der gequälten Kreatur gewidmet“

von Hermann Focke, Verlag Pro Business

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Tierschutz abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.