Pressemitteilung der AbL vom 30.11.2011: Bauern fordern Stopp für Straathof & Co AbL will Maßnahmen gegen Agrarfabriken und für Bauernhöfe

Bauern fordern Stopp für Straathof & Co
AbL will Maßnahmen gegen Agrarfabriken und für Bauernhöfe

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert Politiker und Behörden auf, ihren Ankündigungen endlich Taten folgen zu lassen und die  Expansion agrarindustrieller Konzerne in der Schweine- und Geflügelhaltung zu stoppen. Konkreter Anlass hierfür sind aktuelle Pläne des Schweinekonzerns „Straathof Holding GmbH“ zur Ausweitung seiner ostdeutschen Sauenanlagen: in Alt Tellin (bei Demmin) mit 10.500 Sauen und jährlich 250.000 Ferkeln, in Klein-Demsin (bei Genthin) mit zusätzlichen 4.600 Sauen, in Binde (bei Salzwedel) mit weiteren 25.000 Sauen- und Ferkelplätzen und in Königsmark (bei Osterburg) mit 18.450 Mastplätzen. Schon jetzt betreibt der holländische Konzerneigner Adriaan Straathof nach eigenen Angaben einen Schweinekonzern mit 44.000 Sauen und einer jährlichen Erzeugung von einer Million Ferkeln  – in seinen niederländischen Schweine-Anlagen und seit 2001 an ostdeutschen Standorten wie Gladau (bei Stendal), Medow (bei Anklam), Fahrbinde (bei Schwerin), Demsin (bei Genthin), Thierbach (Vogtland), Binde (Altmark) und Wellaune (Nordsachsen) 

Auch andere Konzerne und Großinvestoren wollen laut AbL die anhaltend ruinöse Überproduktionskrise im Schweinesektor ausnutzen, um nach der Verdrängung vieler mittelständischer Schweinehalter eine noch dominantere Rolle auf dem Schweinemarkt zu spielen. Neben Straathof seien darunter weitere holländische Agrarindustrielle wie van Gennip, van Asten, van Nooren, Poels, Verschelde/BLF, Görtz, van Genugten, van Dijck, van der Velde oder Arts/Bolder. Dabei seien auch einige LPG-Nachfolgebetriebe, außerdem westdeutsche Investoren wie Schmidt/SAZA, Kläne Menke, Woestmann, Ahlers, Grundkötter, Kronseder oder Thiermann. In Ostdeutschland würden Investoren vor allem auch die ehemaligen DDR-Strukturen „Industrielle Mast“ nutzen, um mit politischer Unterstützung immer größere Agrarfabriken zu bauen.

„Wenn diese Expansion agrarindustrieller Strukturen jetzt nicht rasch gestoppt wird“, so AbL-Agrarexperte Eckehard Niemann, „dann gibt es in einigen Jahren anstelle mittelständischer Schweinehalter nur noch wenige Konzerne wie in der Geflügelbranche!“ Etwa 30 Prozent der Schweinehalter seien nach Einschätzung von Agrarberatern bereits jetzt versteckte Lohnmäster von Tierärzten oder Futtermittellieferanten. Der Futtermittelkonzern F+W (Fleming & Wendel) halte Anteile an etlichen agrarindustriellen Schweine-Unternehmen, ebenso Land- und Viehhandelsunternehmen wie die südoldenburgischen Firmengruppen „GS“ (ESZ – Einer Schweinezucht), RVV Twistringen oder WULFA  sowie die holsteinische ZNVG. Auch würden immer wieder Hinweise zitiert, wonach der global tätige Zucht-Multikonzern Hendrix hinter Straathof stehe – was angesichts dessen millionenschweren Investitionen durchaus nicht abwegig scheint. 

Die vielen Skandale um Straathof sind nach Einschätzung der AbL nur das deutlichste Warnzeichen vor der anhaltenden Flut agrarindustrieller Anlagen und Praktiken. Straathof sei in Holland berüchtigt, nachdem die Überbelegung seiner Sauenanlage im holländischen Ort Buren um mehrere tausend Schweine erst durch eine behördlich erzwungene LKW-Verladung der Tiere beendet wurde. Laut „Agrarisch Dagblad“ sind der Gemeinde Buren durch Auseinandersetzungen mit Straathof bereits etwa eine Million Euro an Kosten entstanden. Laut Medienberichten habe Straathof in Binde die behördliche Aufforderung zur Stilllegung von ungenehmigten Schwarzbauten ignoriert und klage gegen das verhängte Bußgeld von 434.000 Euro. Am Standort Medow habe man die Überbelegung seiner Anlage um mehrere tausend Tiere behördlicherweits erst durch Androhung eines Zwangsgeldes durchsetzen können, Schweinekadaver seien illegal im Freien gelagert worden. Die Arbeiten für seine Tierfabrik in Alt Tellin soll Straathof ohne Genehmigung begonnen haben.

Weit mehr als hundert Bürgerinitiativen wehren sich mittlerweile gegen solche Agrarfabriken – gegen Gestank und Keime, gegen die Belastung von Umwelt und Tourismus, gegen Qualhaltung und Antibiotika-Einsatz. Die AbL unterstützt die Forderungen des bundesweiten Initiativen-Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, bestehende gesetzliche Möglichkeiten zur Verhinderung von Tierfabriken endlich konsequent zu nutzen und diese Regelungen bei der anstehenden Novellierung des Bundesbaugesetzes deutlich auszuweiten. Zum Schutz mittelständischer, bäuerlicher Strukturen müssten die Tierzahl-Obergrenzen des Bundes-Immissionsschutz-Gesetzes (1.500 Schweinemast- und 560 Sauenplätze) künftig auch bei der Genehmigung neuer Ställe gelten. Dringend notwendig seien flankierende Förderprogramme zum Umbau von Ställen auf die neue Sauen-Gruppenhaltung, für eine artgerechtere Tierhaltung und für entsprechende Vermarktungs-Strukturen. Die anstehenden gesetzlichen Tierhaltungs-Vorgaben für ein Verbot der Verstümmelung von Schnäbeln und Ringelschwänzen und für mehr Platz, Stroh und einen begrenzten Auslauf der Tiere sowie für eine betriebliche Futtergrundlage könnten im Rahmen der EU-Agrarreform europaweit verankert werden – die damit automatisch verbundene Mengenreduzierung bietet laut AbL die Chance für deutlich höhere Erzeugerpreise. 

Wie Straathof vorgeht und wie egal ihm gesetzliche Auflagen bzw. Bestimmungen zu sein scheinen kann man auf der Internetseite der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben im Tollensetal“ nachlesen (Link unten bitte anklicken):

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