Pressemitteilung der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft) vom 23.11.2011: Rotation dänischer und emsländischer Hähnchen im Rothkötter-Konzern?

Rotation dänischer und emsländischer Hähnchen im Rothkötter-Konzern?


Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat den Geflügelkonzern Rothkötter aufgefordert, klare und umfassende Angaben zur Herkunft der von ihm geschlachteten Masthühner zu machen.

Die AbL hatte jüngst auf Informationen von Geflügelbranchen-Insidern hingewiesen, wonach Rothkötter für seinen neuen Mega-Schlachthof in Wietze (bei Celle) etwa 70.000 Masthühner aus Dänemark importiere.

Sollten diese Informationen zutreffen, wären dies dann nach AbL-Schätzungen etwa zwei Drittel der aktuellen Schlachtzahlen in Wietze. Rothkötter hatte daraufhin der Celleschen Zeitung mitgeteilt, dass nur etwa ein Prozent der geschlachteten Tiere aus Dänemark stammen würde. Dies wiederum veranlasst nun die AbL zur Nachfrage, ob Rothkötter die 70.000 Masthühner aus Dänemark etwa in seinem Schlachthof in Haren (Emsland) schlachte und stattdessen Masthühner aus Umfeld des Harener Schlachthofs in einer Art Karusselverkehr nach Wietze transportiere.

Rothkötter solle klar sagen, ob er ein solches Hähnchen-Verschieben praktiziere, um die Lage des Wietzer Schlachthof zu schönen und möglichen Subventionsrückzahlungen vorzubeugen. Rothkötter müsse in diesem Fall auch Wirtschaftsminister Bode informieren, der bisher auch von 1% dänischen Hähnchen in Wietze ausgehe.

Die AbL verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass das dänische Unternehmen Rose Poultry (das zum skandinavischen Konzern HK Scan gehört) im Sommer einen seiner bisher drei Geflügelschlachthöfe in Padborg geschlossen hat. Die Gründe dafür dürften nicht nur in der fehlenden Attraktivität der Hähnchenmast, der rückläufigen Zahl dortiger Mäster und der dadurch ausgelösten Minderauslastung des dänischen Schlachthofs liegen – sondern auch in den relativ hohen Schlachtkosten in Dänemark. Es gelte in der Öffentlichkeit schon länger als Skandal, dass dänische Tiere zunehmend in Deutschland zur Schlachtung kämen, weil hier – im Gegensatz zu Dänemark – Dumpinglöhne gezahlt würden. „Es wäre fatal“, so AbL-Sprecher Eckehard Niemann, „wenn durch den indirekt mit EU-Geldern geförderten Rothkötter-Schlachthof solche Verhältnisse unterstützt würden.“

Angesichts der offensichtlichen Probleme des Rothkötter-Konzerns, im Umkreis von 100 km annähernd genug Mäster auch nur für die erste Ausbaustufe des Wietzer Schlachthofs anzuwerben, hätten obige Zahlen eine zusätzliche Plausibilität.

Nach Einschätzung der AbL kommen viele Tiere für Rothkötters Schlachthof in Wietze ohnehin aus Regionen außerhalb eines Umkreises von 100 – 150 Kilometern, der nach Ansicht von Experten noch rentabel hinsichtlich der Transportkosten sei.

Rothkötter habe mangels Interesse der allermeisten Landwirte schließlich seine Anwerbe-Anstrengungen auf Schleswig-Holstein und auch auf Dänemark ausdehnen müssen. Es sei zu fragen, wie lange der Schlachthof in Wietze diese Konkurrenz-Nachteile verkraften könne. Es stelle sich auch die Frage, ob Rothkötter jemals die ursprünglich geplante Endausbaustufe, wofür ca. 400 Mäster erforderlich wären, erreichen könne – und ob Rothkötter dann die Subventionen in Höhe von ca. 7 Millionen Euro zurückzahlen müsse.

AbL-Agrarindustrie-Experte Eckehard Niemann verwies darauf, dass die allermeisten Landwirte den Einstieg in eine konzernabhängige, gesellschaftlich inakzeptable Qualhaltung in Agrarfabriken mit ihren bedenklichen Geruchs- und Keim-Emissionen ablehnten. Zudem habe der der Verdrängungswettbewerb der Geflügelkonzerne zu einer dramatischen Überproduktion und damit zu weitgehend ruinösen Verhältnissen geführt. „Wegen der Überproduktion und der gestiegenen Kosten für Futtermittel, Stallbau und Genehmigungs-Gutachten verdient nach unseren Berechnungen kaum ein Neueinsteiger in diese Branche auch nur einen Cent“, so Niemann, „viele Mäster werden in den nächsten Jahren sogar viel Geld dazulegen müssen.“ Die AbL forderte den sogenannten „Verband bäuerlicher Hähnchenerzeuger“ auf, endlich offen die Misere der Vertragsmäster zu benennen und seine Verflechtungen mit dem Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft zu beenden.

Die AbL forderte die Landesregierung auf, recht bald über ihren Tierschutzplan und Bundesrats-Initiativen die agrarindustrielle Qualmast zu beenden. Die Haltung von 20 qualgezüchteten Masthühnern auf nur einem Quadratmeter führe bei den Tieren, die die ganze Mastperiode auf ihrem eigenen Kot stehen müssten, zu schmerzhaften Fußballenentzündungen. Solche Haltungsbedingungen führten zu hohen Antibiotika-Aufwendungen und zur Ausbildung bedrohlicher resistenter Keime. Wichtig seien jetzt Landes- und Bundesprogramme zur Förderung einer konzernunabhängigen und artgerechten Haltung auf bäuerlichen Betrieben mit eigener Futtergrundlage, mit handwerklicher Verarbeitung und mit regionaler Vermarktung. 




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