Pressemitteilung AbL: Bauernverband vertritt Interessen von Schweinehaltungskonzernen

Pressemitteilung
Bauernverband vertritt Interessen von Schweinehaltungskonzernen

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat deutliche Kritik daran geübt, dass namhafte Vertreter des Deutschen Bauernverbands offen für große agrarindustrielle Schweinehaltungs-Konzerne eintreten. In einem Interview mit der Ostsee-Zeitung hatten der Präsident des Landesbauernverbands Mecklenburg-Vorpommern Rainer Tietböhl und sein Geschäftsführer Martin Piel nicht nur den massiven Antibiotika-Einsatz in Großmastanlagen verteidigt und den Trend zu immer größeren Betrieben als unaufhaltsam bezeichnet, sondern auch das Haltungssystem des umstrittenen Straathof-Konzerns als Vorbild gelobt: Straathof habe – „wenn auch über Hunderte von Kilometern“ – ein geschlossenes System von Ferkelerzeugung und Schweinemast aufgebaut. Die AbL forderte den Bauernverband erneut auf, sich für mittelständisch-bäuerliche Strukturen einzusetzen und deren Verdrängung durch agrarindustrielle Konzerne nicht weiter schönzureden.  

Die AbL verwies darauf, dass Straathof, der in Holland und in Ostdeutschland schon elf Agrarfabriken mit mehr als 40.000 Sauen betreibe und an mehreren Standorten weitere Anlagen plane, unter massiver Kritik stehe wegen Missachtung bau-, umwelt- und tierschutzrelevanter Vorschriften. In Holland hätten die Behörden Straathof erst nach massiven Auseinandersetzungen zur Beendigung der Überbelegung seiner Ställe zwingen können. Bei Straathofs Sauenanlagen-Bau im vorpommer-schen Alt-Tellin habe der der Sprecher des Landkreises geklagt, Straathof halte sich „so gut wie nicht an Vorschriften“ und „verstoße immer wieder gegen Auflagen“ – trotz aller Straf- und Zwangsgelder.

An allen Standorten der Straathof´schen Tierfabriken gibt es laut AbL andauernde und massive Proteste. In Binde (bei Salzwedel) habe die örtliche Bürgerinitiative aufgedeckt, dass Straathof seine Sauenanlage mit 30.000 Tieren bereits vor Jahren durch ungenehmigte Stallgebäude und eine Biogasanlage erweitert habe. Auf Drängen der durch den Gestank der Anlage belasteten Bürger habe schließlich das Landesverwaltungsamt reagiert und die Nutzung der Schwarzbauten untersagt. Nachdem Straathof eineinhalb Jahre verstreichen ließ und nicht einmal einen nachträglichen Bauantrag zur Legalisierung der Zusatzbauten einreichte, habe das Amt nunmehr die Nutzungsuntersagung verfügt und plane die sukzessive Stillegung der gesamten Anlage. Dies würde bedeuten, dass die Sauen nicht mehr belegt und nach und nach verkauft bzw. umgestallt werden. Auch dagegen klage Straathof, offenbar in der Hoffnung auf eine weitere aufschiebende Wirkung.    

Die AbL kritisiert, dass Straathof und viele ähnliche Agrarindustrielle lange Jahre durch zuständige Politiker angelockt und unterstützt worden seien. In Mecklenburg-Vorpommern könne Straathof bei seiner Agrarfabrik in Alt-Tellin sogar die Dienste der Landgesellschaft und der LMS-Landwirtschaftsberatung nutzen. Erst unter dem Druck einer wachsenden Bürgerbewegung beginne man nun endlich, dem weiteren Vordringen der Agrarindustrie zögerlich erste Grenzen zu setzen. Dies sei seit langem überfällig, weil die agrarindustrielle Tierhaltung nicht nur Lebensqualität, Gesundheit und Immobilienwerte der Anwohner, sondern ganze Regionen und den Tourismus massiv beeinträchtige. Mittelständisch-bäuerliche Existenzen würden dadurch verdrängt, so dass in absehbarer Zeit ähnliche Konzernstrukturen wie in der Geflügelhaltung drohten. Schließlich berichteten Berater und Bürgerinitiaven bereits jetzt davon, dass ein Großteil der Schweine in versteckter Lohnmast gehalten werde und dass hinter etlichen Agrarindustriellen bereits Futtermittel- oder Genetikkonzernen stehen.

Das Motto der mittlerweile 200 Bürgerinitiativen und Verbände im bundesweiten Netzwerk „Bauernhöfe statt Agarfabriken“ gilt es laut AbL jetzt durchzusetzen: durch ein Verbot von Agrarfabriken in der anstehenden Novelle des Bundesbaugesetzbuchs, durch die Umsetzung von EU-Tierschutz-Vorschriften, durch konsequente Aktivitäten nach dem Vorbild des Niedersächsischen Tierschutzplans und durch ein Umbauprogramm auf eine artgerechtere, antibiotika-unabhängige und flächengebundene Tierhaltung. Dafür würden am 19.1. in Berlin erneut Zehntausende demonstrieren. Der Bauernverband dagegen bewege sich immer weiter ins gesellschaftliche Abseits.                                                                                                                                                        4.315 Zeichen   –   07.01.2013

 

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