Pressemitteilung der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft) vom 28.05.2011: Landvolk-Spitze weiter auf dem Weg ins gesellschaftliche Abseits

Pressemitteilung


Landvolk-Spitze weiter auf dem Weg ins gesellschaftliche Abseits

„Nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begibt sich die Spitze des niedersächsischen Landvolks (Bauernverbands) mit ihrem agrarindustriellen Kurs beim so genannten „Bauerntag“ in Cloppenburg weiter ins gesellschaftliche Abseits. Auf die Forderung der Gesellschaft nach einer sozial verträglichen Produktion und einer artgerechten Tierhaltung in bäuerlichen Strukturen reagiere das Landvolk lediglich mit Worthülsen und perspektivlosen Beschönigungsversuchen.

Die CDU-Landesregierung habe die massive Ablehnung von agrarindustrieller Qualhaltung, Qualzucht und Umweltbelastung in der Bevölkerung längst registriert und zumindest ankündungsmäßig in ihrem Tierschutzplan umgesetzt. Demgegenüber versuche Landvolk-Chef Hilse vergeblich, durch die Vorladung von Ministerpräsident McAllister und Minister Lindemann zum „Bauerntag“ die Beschönigung und Förderung agrarindustrieller Verhältnisse aufrecht zu erhalten.

Die AbL forderte Landvolk-Präsident Hilse auf, seine agrarindustriellen Verfilzungen zu kappen, sich endlich für Bauernhöfe statt für Agrarfabriken einzusetzen und die von den Schlachtkonzernen angeheizte Überschussproduktion als Ursache des andauernden Erzeugerpreisdrucks anzugehen. Die Tierzahlen des Bundesimmissionsschutzgesetzes mit 1.500 Mastschweinen, 560 Sauen, 15.000 Hühnern und 600 Rindern müssten als klare Obergrenzen für Stallneubauten gelten. Nur so könne man die Existenz der mittelständischen bäuerlichen Betriebe sichern, nur die könnten eine artgerechte Tierhaltung mit genügend Platz, Auslauf, Stroh und eigener Futtergrundlage gewährleisten.

Die enge ideologische und postenmäßige Verfilzung führender Bauernverbandsfunktionäre mit der Agrar-,  Ernährungs- und Futtermittelindustrie“, so AbL-Sprecher Eckehard Niemann, „geht zu Lasten einer entschiedenen Vertretung der Bauern und der Durchsetzung fairer Erzeugerpreise.“ Die perspektivlose Produktion von Überschüssen für den so genannten Weltmarkt scheitere ebenso an der Billigkonkurrenz Brasiliens oder der USA wie an der absehbaren Selbstversorgung der Empfängerländer Russland oder China – sie setze aber seit Jahren die Erzeugerpreise unter Druck und begünstige Großmastanlagen.

Die Agrarindustrie-Lastigkeit der Bauernverbandsspitze und deren Verteidigung von Tierfabriken drohe die Bauern nun auch noch in die Akzeptanzkrise der industriellen Tierhaltung hineinzuziehen. Wenn gewerbliche Investoren das Baurecht für die Erstellung ihrer großen Stallanlagen im Außenbereich missbrauchten, gefährde dies akut das Baurechts-Privileg landwirtschaftlicher Stallbauten und verhindere wegen der Ausschöpfung der Immissions-Belastungsgrenzen zudem den Bau benachbarter Ställe. All dies gefährde den Frieden in den Dörfern und die Akzeptanz der gesamten Landwirtschaft. Zu viele Bauern seien bereits Lohn- oder Vertragsmäster in ruinösen Abhängigkeitsverhältnissen von großen Geflügel- und Schweine-Konzernen.

“Eine artgerechte Tierhaltung liegt nicht nur im Interesse von Tierschutz-, Umwelt- und Eine-Welt-Verbänden“, so Niemann, „sie ist nur in mittelständischen bäuerlichen Strukturen möglich, verringert die Überschüsse und schafft so Spielräume für eine aktive Preispolitik zugunsten der Erzeugerpreise.“ Deshalb lägen ein Verbot von Agrarfabriken, die europaweite Durchsetzung artgerechter Haltungsverfahren und ein Umbauprogramm der Ställe auch im dringenden Interesse der Landwirte. Der Partner der Bauern seien mitnichten Schlachtkonzerne und Agrarindustrielle, sondern z.B. die im bundesweiten „Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“  zusammengeschlossenen Bürgerinitiativen und Verbände aus Umweltschutz, Tierschutz, bäuerlicher Landwirtschaft und dem kirchlichen Bereich.

Vor der Cloppenburger Münsterlandhalle mache denn auch die von vielen gesellschaftlichen Verbänden organisierte Bauern-Sternfahrt auf ihrem Weg zum Kanzleramt Station. Sie stehe für eine Landwirtschaft, die gesellschaftlich akzeptiert statt isoliert sei, und für eine EU-Agrarreform, die mittelständische bäuerliche Betriebe anstelle von Agrarkonzernen fördere.

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