Deister Aktuell 10.08.2011
„Agrarindustrie verleibt sich Landwirtschaft ein“
Themenabend der Linkspartei mit der Landtagsabgeordneten Marianne König / Bürger sollten Druck ausüben
BARSINGHAUSEN (ta). Zu dem vieldiskutierten Thema Massentierhaltung hatte der Ortsverband der Partei Die Linke am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung in das Schulzentrum am Spalterhals eingeladen. Als Gesprächspartnerin stand Marianne König, Mitglied des niedersächsischen Landtags, den neun erschienenen Teilnehmern Rede und Antwort. Die eigene Partei habe sich in einem längeren Prozess zu einer klaren Positionierung durchgerungen, sagte König.
Wichtig sei auf der einen Seite, dass man die Landwirte aufgrund der ökonomischen Zwänge nicht an den Pranger stelle. Gleichzeitig dränge die Linkspartei aber eindeutig auf artgerechte Haltungs- sowie Zuchtbedingungen und lehne den Anbau von genverändertem Saatgut ab. Den schwarzen Peter ortete König vielmehr bei der Agrarindustrie, auf deren Konto leider auch der nun eröffnete Großschlachthof bei Wietze ginge. Für ein solches Projekt sei offensichtlich trotz des massiven und friedlichen Widerstands Geld da gewesen, weil die niedersächsische Landesregierung mit Blick auf den Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft auf die Errichtung von weiteren Großställen setze.
Die regierenden Politiker hätten nicht hinzu gelernt, so König, denn zu erwarten seien ein massiver Preisverfall beim Fleisch und somit Mindereinnahmen der Landwirte. Letzteren bliebe im Machtspiel der Agrarindustrie lediglich das unternehmerische Risiko, während sie sich gleichzeitig in eine wirtschaftliche Abhängigkeit begeben würden.
„Hinzu kommen die Tierquälereien, die aus den jüngsten Dokumentationen bekannt sein dürften. Wir verlieren zunehmend die Achtung vor der Kreatur“, kritisierte die Landespolitikerin. Die Menschen vor Ort müssten klar sagen, dass sie derartige Großställe nicht wollen, über den Tellerrand der eigenen Region schauen und als Verbraucher das eigene Einkaufsverhalten überprüfen, denn das Argument der Produzenten laute nun einmal, dass ein Bedarf nach billiger Ware vorhanden sei. Um die Errichtung von großen Mastanlagen zu verhindern, müssten in den betroffenen Gemeinden und Städten erheblicher Druck auf die Ratsparteien ausgeübt sowie die geltenden Brandschutzparagraphen rechtlich überarbeitet werden. Die Grünen im Landtag lobte König diesbezüglich ausdrücklich für ihre ausgesprochen guten Anträge. „Wir werden den politischen Mitbewerber aber an diese erinnern, sobald er in der Regierung Verantwortung trägt.“ Foto: ta
vom 10.09.2011 | Ausgabe-Nr. 36B


