Deister Aktuell vom 13.07.2011:
Verschwendung von Steuergeldern
Bürgerinitiative prangert Zweckentfremdung an
Wie Pressemeldungen zu entnehmen war, wird entlang der Kreisstraße Ostermunzel – Groß Munzel aus Mitteln der Flurbereinigung, die zu etwa 80 Prozent aus EU-Mitteln finanziert werden, ein Wirtschaftsweg gebaut, dazu wurde mitgeteilt, dass kurzfristig Gelder frei wären und deshalb sofort mit der Arbeit begonnen wurde, erklärt die Bürgerinitiative.
Skandalös empfindet es die BIM laut ihrem Vorsitzendem Michael Hettwer, dass auch – allerdings nicht publik gemacht – über mehrere hundert Meter exakt parallel der seit vielen Jahren bestehenden und sehr gut ausgebauten Mülldeponiestraße ein weiterer Wirtschaftsweg gebaut wird. „Es ist schon unverständlich, dass hier das so plötzlich vorhandene Geld der Steuerzahler einfach ausgegeben wird, ohne zu prüfen, ob es auch sinnvoll angewendet wird“, empört sich Hettwer, der nicht glauben mag, dass es reiner Zufall ist, dass exakt an der Stelle wo die geplante Hähnchenmastanlage in Groß Munzel geplant ist, nun dieser neue Wirtschaftsweg entlangführt. Zumal der planende Landwirt stellvertretender Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Munzel im Rahmen der vereinfachten Flurbereinigung sei.
„Der planende Landwirt hat noch vor gut drei Monaten im Erörterungstermin zur Zuwegung ausgesagt, dass diese über die Mülldeponiestraße erfolgen solle und er dazu auch mit der Abfallbeseitungsgesellschaft ‚aha‘ der Region Hannover dazu eine entsprechende Vereinbarung getroffen hat“, erklärt Hettwer und fügt an „Hier ist die Region Hannover gefordert zu prüfen, inwieweit die Antragsunterlagen zum geplanten Maststall noch richtig sind.“ Und die Rechnungsprüfer seien gefordert, zu erklären, ob dieser „plötzliche“ Bau wirklich notwendig und mit dem Haushaltsrecht in Einklang zu bringen sei.
„Wieviel wirtschaftliches Risikio soll der Steuerzahler eigentlich noch der Landwirtschaft abnehmen? Laut Bauernpräsident Sonnleitner erhält im Durchschnitt ein Landwirt zwei Drittel seines Einkommens aus öffentlichen Kassen. Dies erinnert ja an die Verhältnisse in der ehemaligen DDR. Und hier entsteht der Eindruck, dass quasi in Selbstbedienungsmentalität staatliche Gelder für eigene Interessen zweckentfremdet werden“, erklärt Michael Hettwer weiter.
vom 13.07.2011 | Ausgabe-Nr. 28A
Massentierhaltung bleibt ein rotes Tuch
Grüne kritisieren die aktuelle Politik von CDU und FDP / Wählergemeinschaft appelliert an die Sozieldemokraten
BARSINGHAUSEN (ta). Die Unabhängige WählerGemeinschaft Barsinghausen (UWG) hat sich schriftlich mit einem dringenden Appell an den SPD-Landtagsabgeordneten Heinrich Aller, gewandt. Dieser solle sich bei der Genehmigungsbehörde dafür einsetzen, dass die geplanten Massenmastanlagen in Groß Munzel und Dedensen nicht gebaut werden.
Die Zukunft gehöre der überschaubaren ökologischen und biologischen Tierhaltung, so die UWG-Vorsitzenden, Markus Neugebauer und Eva Runge. Es sei wissenschaftlich nachweisbar, dass derartige Anlagen im großen Umfang umweltschädigende Giftstoffe sowie Keime und Viren freisetzten, welche wiederum ein erhebliches gesundheitliches Risiko darstellten. Die UWG lehne ferner die „systematische Tierquälerei“ ab und befürchte, dass Giftstoffe über das Ausbringen auf den Feldern in das Trinkwasser gelangen könnten. Ein weiterer Kritikpunkt sei eine Gefährdung des Landschaftsbildes, durch die die touristische Qualität Barsinghausens in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Heinrich Aller antwortete, dass es den Kritikern der industrialisierten Landwirtschaft zu verdanken sei, dass sowohl die Politik als auch die Konsumenten positiv reagierten. Informationsveranstaltungen, wie im Werk „Forst Esloh“ und im Haus der Vereine hätten erneut die ablehnende Haltung vieler Bürger gegenüber der Errichtung von Mastanlagen verdeutlicht. Umso wichtiger sei, dass bei den anstehenden Genehmigungsverfahren alle Möglichkeiten ausgeschöpft würden, um Schaden von Mensch, Tier und Umwelt abzuwenden, so Aller. Unterdessen kritisierte Helmut Freitag vom Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen die schwarz-gelbe Mehrheit in Barsinghausen für den Umgang mit der brisanten Thematik. Die ablehnende Haltung von CDU und FDP gegenüber einer Resolution der Grünen für mehr kommunale Handlungsmöglichkeiten bei der Ansiedlung von Stallbauten zeige, dass auch in der Deisterstadt keine Unterstützung für die Neuausrichtung der Agrarpolitik des niedersächsischen Landwirtschaftsministers vorhanden sei. Insbesondere von Seiten der FDP würden einseitig Positionen für eine industrielle Massentierhaltung vertreten, so Freitag. Auch auf Landesebene wehrten sich die „Stallbauhardliner“ von CDU und FDP mit Händen und Füßen gegen eine von Ministerpräsident David McAllister angekündigten Einschränkung von großgewerblichen Tierhaltungen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen, Christian Meyer, kündigte an, die Abschaffung des Bauprivilegs für „Tierfabriken“ zum Thema machen zu wollen. Gleiches gelte für eine Petition der Gemeinde Wennigsen, die sich gegen die Privilegierung von gewerblichen Massentierhaltungsanlagen im Außenbereich wende, allerdings von den Fraktionen von CDU und FDP abgelehnt worden sei.
vom 13.07.2011 | Ausgabe-Nr. 28A
Nachfolgend der gesamte Wortlaut des Leserbriefs:
Hätte sich Frau Habermann-Rasch, die ich persönlich als sehr freundliche Person kennenlernen durfte, nur ein wenig inhaltlich mit der Kritik am Erörertungstermin und mit den rechtlichen Vorgaben nach BImSchG und BImSchV auseinandergesetzt, wäre sie u.U. zu einer anderen Bewertung gekommen.
Hätte Frau Habermann-Rasch die gesamten 3 Tage persönlich verfolgt, hätte sie mitbekommen, wie einseitig, unfair und schlecht vorbereitet die Region Hannover das Verfahren durchgezogen hat.
Frau Habermann-Rasch verkennt auch die Tatsache, dass nicht Bürger „ihre Sorgen und Bedenken“ äußern sollen, sondern dass die Einwender mit der Verwaltung ihre Einwendungen erörtern und den Inhalt dieser Einwendungen erläutern. Davon konnte am 09.03. bis 11.03.2011 nun wirklich nicht oder nur kaum die Rede sein.
Das Wortprotokoll ist auf www.buerger-massen.de nachzulesen. Wer dies tut wird feststellen, dass den engagierten Einwendern, die sich sehr gut – als Laien übrigens und nicht mit einem finanziell gut ausgestatteten Apparat dahinter – vorbereitet hatten, sehr häufig ins Wort gefahren wurde, Tagesordnungspunkte einseitig verschoben wurden und Antworten auf klare Fragen sehr häufig nur ausweichend beantwortet worden sind. Übrigens auch vom „Fachmann“ des Antragstellers, der sich dafür öffentlich entschuldigt hat.
Statt Verunglimpfungen wäre es Frau Habermann-Rasch angeraten, sich inhaltlich mit dem Wortprotokoll und Thema Massentierhaltung generell auseinanderzusetzen.
Die Gründe für die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung für die agroindustrielle Tierproduktion zu suchen und sich mit den Gefahren aus dieser abscheulichen Qualzucht für Menschen, Umwelt und Tiere entsteht zu beschäftigen.
Als hauptamtliche Mitarbeiterin – zuständig für Öffentlichkeitsarbeit ! – des Landvolks Hannover hätte Frau Habermann-Rasch wahrlich genügend Zeit und Mittel dies zu tun.
Sie hingegen macht die berechtigte Kritik, an der Durchführung des Verfahrens, die auch sehr deutlich von den anwesenden Medienvertretern geteilt worden ist, einfach nur schlecht. Wem die Argumente fehlen, mag so reagieren.
Aber, der so häufig von Ihrer Seite eingeforderte Dialog, verehrte Frau Habermann-Rasch, sieht anders aus!

