
Deister Aktuell vom 13.11.2010:
Bürgerinitiative nimmt an der Mahnwache teil
GOLTERN/HANNOVER. Die Bürgerinitiative Munzel (BIM) macht mobil gegen den geplanten Bau der Hähnchenmastanlage. Zusammen mit anderen Bürgerinitiativen und Vereinen beteiligten sich auch BIM-Mitglieder am Mittwoch Vormittag an einer Mahnwache vor dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium in Hannover. Mit Transparenten und Schildern machten sie auf die schlechten Bedingungen von Tieren in Mastbetrieben aufmerksam. Die Bürgerinitiativen lehnen Mastanlagen, wie die geplante Hähnchenmastanlage in Groß Munzel, ab. Foto: mh
vom 13.11.2010
Wunstorfer Stadtanzeiger / Deister Aktuell vom 13.11.2010:
Letztlich entscheidet der Verbraucher
Landwirt sieht Massentierhaltung als Kompromiss / Politik muss Rahmenbedingungen schaffen
KOLENFELD/GROSS MUNZEL (mk). Der Verbraucher hat die Wahl: Hühnchenfleisch aus Bio-Haltung oder der konventionellen Landwirtschaft. Bislang entschied sich die Mehrheit der Bevölkerung für letzteres und hat damit die Massentierhaltung für Landwirte lukrativ gemacht. Doch nun kommen Zweifel auf, ob diese Art der Tierhaltung für Mensch und Tier so gut ist. Besonders interessant wird es, wenn eine derartige Anlage in der unmittelbaren Nachbarschaft des eigenen Zuhauses gebaut werden soll. So wie Arnd von Hugo dies nun in Groß Munzel plant. Die Bürgerinitiative Groß Munzel hatte zu einer Diskussion in das Gasthaus Kuckuck eingeladen und rund 140 Gäste kamen, darunter nicht nur Gegner der geplanten Anlage.
Es ging um Tierschutz, Feinstaub und Umweltschutz, aber auch um den Werterhalt der eigenen Immobilie. Immer wieder wurden Zwischenrufe wie „kein zweites Emsland“ laut. Die Politik in Wunstorf und Barsinghausen sieht keinen Handlungsspielraum mehr, betont aber, dass für die Zukunft neue Lösungen gefunden werden müssen. So könnten Richtlinien verschärft und Vorranggebiete ausgewiesen werden. Eine verbesserte Kennzeichnung der Produkte würde es dem Verbraucher zudem erleichtern, sich zu entscheiden. Landwirt von Hugo freute sich, dass er zu der Veranstaltung eingeladen wurde, ihm wäre eine frühzeitigere Kontaktaufnahme lieber gewesen, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Seiner Meinung nach gibt es nur zwei Alternativen zur Massentierhaltung: Der Verbraucher gibt freiwillig mehr Geld für Bioprodukte aus, oder sie wird in Deutschland ganz verboten. Dann müsste das Fleisch importiert werden. Er sieht die Hähnchenmast, wie er sie betreiben will, als guten Kompromiss zwischen Tierhaltung, Qualität und den Wünschen der Verbraucher. Den Standort habe er gewählt, weil hier der maximale Abstand zur Wohnbebauung besteht. Zudem liege Kolenfeld entgegengesetzt der Windrichtung, habe demnach keine Geruchsbelästigung zu befürchten. 268 Meter, so Hugo, seien als Abstand vorgeschrieben, sein Betrieb liegt 1100 Meter von Groß Munzel, 1300 Meter von Holtensen und 700 Meter von Kolenfeld entfernt. Darüber hinaus sei es nicht verwerflich, dass er sich bewusst für 84.000 Tiere entschieden habe, um eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu umgehen, die ab 85.000 Tieren gesetzlich vorgeschrieben ist. Die Besatzdichte, so von Hugo, beziehe sich auf das ausgemestete Tier, welches aber nur noch wenige Tage im Stall verbringt. Die anwesenden Bürger nutzen die Gelegenheit, um ihre Fragen zu stellen und Meinungen kund zu tun. Dabei wurde deutlich, dass nicht jeder ein Problem in der Hähnchenmastanlage sieht.
Der Bio-Anteil beim Absatz von Geflügelfleisch liegt derzeit bei 1,5 Prozent. Von den bundesweit erzeugten Masthähnchen, circa 62 Millionen, werden 0,6 Prozent ökologisch aufgezogen.Foto: mk
vom 13.11.2010