Hintergrund sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen einen Schlachtbetrieb in Wildeshausen, an dem der Ehemann Grotelüschens – ein Agrarunternehmer – beteiligt ist. Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur illegalen Beschäftigung von Bulgaren. Sie sollen Stundenlöhne von fünf Euro bekommen haben. Die Agrarministerin hatte dazu gesagt, fünf Euro seien „akzeptabel“.
In der Aktuellen Stunde hat der Landtag lautstark über die Vorwürfe gegen Agrarministerin Grotelüschen diskutiert. Themen waren auch Schulpolitik und das Kommunalrecht.
Regierung bezieht Stellung gegen sittenwidrige Löhne
Astrid Grotelüschen saß auf ihrem Platz auf der Regierungsbank und verfolgte die emotionale Debatte ohne einzugreifen. Stattdessen sprach Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) zu den Themen Lohndumping und illegale Beschäftigung. Bode machte klar, dass die Landesregierung gegen illegale Beschäftigung und sittenwidrige Löhne sei: „Die Landesregierung wendet sich entschieden gegen die Beschäftigung von Arbeitnehmern zu sittenwidrigen Löhnen – egal in welcher Branche.“ Allerdings könne die Einführung eines Mindestlohns auch nicht die stoppen, die sich schon jetzt nicht „an Recht und Gesetz halten“, so Bode.
In der Arbeitspolitik die „Wirkung eines Gruselkabinetts“
Die Opposition befürchtet Lohndumping auf breiter Basis – nicht nur in der Putenmast. „Die Familie Grotelüschen profitiert von den Gewinnen, die durch Lohndumping und Ausbeutung der Arbeitnehmer gemacht werden“, warf Weisser-Roelle der Ministerin deshalb vor. Durch Grotelüschen werde Lohndumping in Niedersachsen hoffähig gemacht. Zusammen mit den anderen Oppositionsparteien forderte die Linke erneut den Rücktritt der Ministerin. SPD-Chef Olaf Lies nutzte die Debatte zu einem Generalangriff auf die Landesregierung. Diese tue nichts gegen die unsozialen Zustände in der Fleischbranche und habe folglich in der Arbeitsmarktpolitik die Wirkung eines Gruselkabinetts, so Lies. Ministerpräsident David McAllister (CDU) bleibe in dieser Angelegenheit untätig.
CDU sieht Kampagne gegen Grotelüschen
Die Regierungsparteien warfen der Opposition Stimmungsmache vor. „Es geht ihnen nicht darum, was in der Fleischindustrie vor sich geht, sondern darum, die Ministerin immer wieder und dauerhaft zu beschädigen“, sagte der CDU-Abgeordnete Dirk Toepffer. Die Zusammenhänge zwischen Grotelüschen und Lohndumping in der Fleischindustrie seien „konstruiert“. „Sie stellen eine selbstdenkende und selbstbewusste Frau als Erfüllungsgehilfin ihres Mannes dar. Was haben sie eigentlich für ein Frauenbild?“, fragte er die Opposition sichtlich verärgert.
Es war bereits das zweite Mal, dass die Agrarministerin im Landtag schwer unter Beschuss geriet. Bereits kurz nach ihrem Amtsantritt war Grotelüschen wegen möglicher Tierschutz-Verstöße in der Geflügelindustrie unter Druck geraten.