Hintergrundinformation: Die Futtermittel-Connection

Aus: „Unabhängige Bauernstimme“  Februar 2011

Die Futtermittel-Connection

Dioxin-Opfer leiden auch unter dem Bauernverbands-Raiffeisen-Filz

Der Bauernverband hatte in den letzten Wochen massive Probleme. Einerseits stellt er die Landwirtschaft als Kettenglied in der Wertschöpfungskette dar, als „Marktpartner“ zwischen Betriebsmittel-Lieferanten und Ernährungsindustrie. Andererseits zeigt die Realität, in diesem Falle der Dioxin-Skandal, dass dieses ideologische Konstrukt in aller Regel zu Lasten der Landwirte geht. Es zeigte sich, dass die Landwirte auch diesmal die viel-millionenschweren Folgen für die Futtermittelpanscherei in der Mischfutterbranche tragen sollen.

DBV und Raiffeisen

Die dioxin-geschädigten Landwirte drohen auch bei diesem Futtermittelskandal ohne Entschädigungen auszugehen – auch wegen der engen Verfilzung der Bauernverbands-Spitze mit der Futtermittel- und Schlachtindustrie. Bauernverbands-Vizepräsidenten wie Franz-Josef Möllers und Werner Hilse sind über ihre vielen Aufsichtsrats-Posten, z.B. beim größten Raiffeisen-Mischfutterhersteller Agravis bzw. beim größten europäischen Schlachtkonzern Vion, längst viel enger mit dem Agrobusiness verbunden als mit den Interessen der Bauern. Da die Hälfte des Mischfutters von Raiffeisen-Großgenossenschaften hergestellt werden, in deren Gremien ja viele Bauernverbands-Funktionäre sitzen, hätten diese über die ihnen bekannten Zustände in dieser Branche ja längst Alarm schlagen können und müssen, Veränderungen bewirken und einen Haftungsfonds durchsetzen müssen.

QS und FNL

Aber die engen Verbindungen der Bauernverbands-Spitzen mit der Futtermittel-Industrie sind zäh. Bezeichnenderweise wurden die zunächst markigen Ankündigungen des Bauerverbands, für die geschädigten Landwirte gegenüber der Futtermittelbranche eine Entschädigung durchzusetzen, immer leiser. Und nicht nur die Belange der Futtermittelindustrie scheinen dem Bauernverband wichtig, auch das offensichtliche Eingeständnis des Scheiterns des Eigenkontroll-System „QS“ kommt ihm nicht über die Lippen. Dieses „QS“ hatten die Schlacht- und Futtermittelbranche im Verbund mit dem Bauernverbund und der CMA flugs nach dem BSE-Skandal eingerichtet, um staatlichen Kontrollen zuvor zu kommen.

Dieses QS-System überzieht seither die Bauern mit einer Flut von Kosten und weitgehend sinnleeren bürokratischen Vorgaben, kann aber die wirklichen kriminellen Risiken in der Futtermittelindustrie und bei deren Zulieferern nicht erfassen. Bezeichnenderweise geriet auch die genossenschaftliche LBG Damme ins Visier, die viele ihre Futtermittel-Abnehmer zunächst nicht meldete. Der Vertreter der LBG Damme hat übrigens qua Amt Sitz und Stimme im Vorstand des Kreislandvolksverbands Vechta des Bauernverbands…

In der so genannten „Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft“ (FNL) organisieren sich unter Führung von Bauernverbandspräsident Sonnleitner nicht nur viele Unternehmen aus der Chemie-, Pestizid- oder Ernährungsindustrie, sondern auch die beiden Hauptverbände der Futtermttel-Lobby: der Deutsche Raiffeisenverband und der Deutsche Verband Tiernahrung e.V..  Außerdem dabei ist Monsanto – was vielleicht die massive Propaganda des Bauernverbands erklärt, die Vorschriften für Gentechnik im Sojaschrot zu lockern.

Haftungsfond und neue Agrarpolitik

Unter diesem Interessengeflecht leiden nun nicht nur die betroffenen 5.000 Landwirte, sondern alle vom Preisverfall betroffenen Tierhalter. Dringend angesagt sind nun ein Haftungsfonds sowie stärkere und europaweit verbindliche Vorgaben bei den Mischfutter-Komponenten, Rückverfolgbarkeiten, Kontrollen und Sanktionen. Vor allem aber eine neue Agrarpolitik hin zu einer bäuerlichen Tierhaltung mit betriebseigener Futtergrundlage sowie ein Ende der von der Agrarindustrielobby angeheizten, ruinösen Überschuss-Produktion für den Weltmarkt, die zu einem Preisdruck bei Schweinen, Geflügel und auch bei Futtermitteln führt.

Dazu muss der Filz von Ernährungs- und Agrarindustrie, Bauernverband, Geflügelindustrie sowie willfährigen Agrarpolitikern und Behörden endlich aufgedeckt und abgebaut werden. –en

Die Futtermittel-Größten

Die Belieferung der abhängigen Vertrags-Mäster in der Geflügelbranche mit Mischfutter übernehmen die Schlachtkonzerne weitestgehend selber, also Wesjohann, Rothkötter, Stolle, Sprehe, Plukon, Doux oder Kalvelage. Dies gilt auch für die großen Eierkonzerne wie die „Deutsche Frühstücksei GmbH“. Bei den Lieferanten von Mischfuttermitteln an deutsche Schweinehalter ist die Konzentration noch weniger ausgeprägt, sie nimmt aber zu (die Top Ten haben 50% Marktanteil). Große Player hier und im Landhandel sind die Groß- und Zentralgenossenschaften des Raiffeisenverbundes. Das Ranking: Agravis Raiffeisen AG, Peter Cremer Holding (incl. Deuka), Bröring, Hage Kiel (von dänischen Genossenschaften übernommen), ForFarmers (NL). ATR, GS agri, Fleming & Wendeln, RKW Süd (BayWa), Rothkötter (Geflügelkonzern).

Prominente Mitglieder in den Gremien der AGRAVIS AG

Aufsichtsrat :
Vorsitzender Franz-Josef Möllers (Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landesverbands – WLV des Bauernverbands )
Werner Gutzmer (Ex-Bauernverbands-Präsident Sachsen-Anhalt)

Beirat:
Werner Schwarz (Bauernverbandspräsident Schleswig-Holstein),
Rainer Tietböhl (Präsident des Bauernverbands MVP),
Frank Zedler (Bauernverbands-Präsident Sachsen-Anhalt),
Udo Folgart (Bauernverbands-Präsident Brandenburg),
Johannes Frizen (Präsident Landwirtschaftskammer NRW),
Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck (Ex-Bauernverbandpräsident),
Werner Hilse (Vizepräsident Deutscher Bauernverband, Präsident Landvolk Niedersachsen),
Johann-Arendt Meyer zu Wehdel (Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen),

Bauernverbands- Kreisverbandsvorsitzende:
Joost Meyerholz (Stade)
Johann Prümers (WLV Steinfurt),
Friedrich Steinmann (WLV Recklinghausen),
Manfred Tannen (stellv. Vorsitzender Ostfries. Landvolk) ,

Otto-Karl Behrens (Northeim-Osterode),
Hermann Mammen (stellv. Vors. Bauernverband Oder-Spree),

Außerdem:
Karl Tepe (Vorstand LBG Damme),
Dr. Helfried Giesen (Vorstand Westfleisch),
Albrecht Bußmeyer (Arbeitgeberverband NW

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.