WESER-KURIER 23.o5.2012:
Deister-Weser-zeitung (DEWEZET) 23.05.2012:
Frankfurter Rundschau fr 23.05.2012:
Deister Aktuell vom 23.05.2012:
Weg ist für die geplante Hähnchenmastanlage frei
Verwaltungsgericht sieht keine Gesundheitsgefahren
GROß MUNZEL (tau). Die Hähnchenmastanlage in Groß Munzel kann ab sofort gebaut werden. Das hat das Verwaltungsgericht Hannover diese Woche entschieden. Der Landwirt Arnd von Hugo, der die Anlage so schnell wie möglich umsetzen möchte, hatte gegen die Region geklagt, die aufgrund von Einsprüchen vieler Anwohner Ende letzten Jahres einen vorübergehenden Baustopp verhängen ließ.
Das Verwaltungsgericht Hannover hat die Sachlage nun geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass keine Gesundheitsgefahr für die Anwohner bestehe und Grenzwerte hinsichtlich der Staubbelastung eingehalten würden. Ein Baustopp sei daher unzulässig. Mit dem Richterspruch zeigt sich die Region Hannover zufrieden. Sprecher Klaus Abelmann hält die Entscheidung gar für wertvoll und begrüßt, dass endlich Klarheit herrsche. „Das Gericht ist tief in die Materie eingedrungen und hat festgestellt, dass keine relevanten Gefahren für Anwohner bestehen“, so Abelmann. Gegen das Urteil werde die Region trotz des Streitwertes von 150.000 Euro und anfallenden Prozesskosten für die Region in Höhe von etwa zehn Prozent keine weiteren Rechtsmittel einlegen.
Darüber kann Michael Hettwer von der Bürgerinitiative Munzel nur mit dem Kopf schütteln. „Die Region verliert vor Gericht und münzt die durchaus teure Niederlage als Erfolg um“, so Hettwer. Als fatalen Irrtum bezeichnet er die richterliche Entscheidung, die aus seiner Sicht nur auf Grundlage veralteter Daten zu Stande kommen konnte. Wissenschaft und Forschung seien in der Frage der Gesundheitsgefahr inzwischen viel weiter. Studien aus Utrecht/Niederlande und Uppsala/Schweden, sowie von Dr. Fein aus Norden würden ein anderes Bild der Lage zeichnen, als die beim Verfahren diskutierten Gutachten, so Hettwer. Dennoch habe selbst der Richter zugeben müssen, dass die Bewertung der Sachlage in fünf bis zehn Jahren wahrscheinlich anders aussehe. Für den Vorsitzenden der Bürgerinitiative ist daher klar: „Hier wiederholt sich die Geschichte.“ Keime und Staub, die durch die Massentierhaltung verursacht werden und in die Luft gelangen, werden ähnlich unterschätzt wie seinerzeit die Gefahren von Asbest, so Hettwer. Er befürchtet nun eine Signalwirkung, die von dem Urteil ausgehen könnte. „Landwirte werden jetzt verstärkt in der Region den Bau von Mastställen vorantreiben wollen und die Bedenken der Bürger mit Verweis auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichts zurückweisen“, so Hettwer. Begünstigt werde der nun mögliche Bauboom auch durch Subventionen der EU, ohne die ein Betrieb solcher riesigen Anlagen gar nicht profitabel wäre.
Die Bürgerinitiativen wollen sich unterdessen weiterhin dafür einsetzen, dass veraltete Normen und Regelwerke überarbeitet und neue Erkenntnisse endlich anerkannt werden, erklärt Hettwer. Zu diesem Zweck schließen sich an diesem Wochenende in Großenkneten bei Bremen etwa 80 Initiativen und Verbände zu einem landesweiten Netzwerk zusammen.
Dies repräsentiere dann rund 250.000 Menschen, die mit Blick auf die Massentierhaltung, wie Michael Hettwer sagt, „schlicht die besseren Argumente vertreten.“
vom 23.05.2012 | Ausgabe-Nr. 21A

