Pressemitteilung der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) vom 13.11.2011: Rothkötter-Schlachthof in Wietze holt Hähnchen aus Dänemark

Rothkötter-Schlachthof in Wietze holt Hähnchen aus Dänemark

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) bezweifelt die in der Celleschen Zeitung zitierten Angaben des niedersächsischen Wirtschaftsministers Jörg Bode, wonach der Geflügelkonzern Rothkötter für seinen Mega-Schlachthof in Wietze (bei Celle) lediglich zu einem Prozent auf Masthühner-Lieferungen aus Dänemark zurückgreifen werde. Informationen von Brancheninsidern zufolge habe Rothkötter für seinen unausgelasteten Schlachthof etwa 40 dänische Mäster beim dortigen Geflügelkonzern Rose Poultry abgeworben. Sollten diese Angaben zutreffen, wären dies – bezogen auf den Schlachthofbedarf in der ersten Ausbaustufe –  etwa 40 Prozent der Tiere. Angesichts der offensichtlichen Probleme des Rothkötter-Konnzerns, im Umkreis von 100 km auch nur annähernd genug Mäster anzuwerben, hätten diese Zahlen eine gewisse Plausibilität.

Nach Einschätzung der AbL kommen viele Tiere für Rothkötters Schlachthof in Wietze ohnehin aus Regionen außerhalb eines Umkreises von 100 – 150 Kilometern, der nach Ansicht von Experten noch rentabel hinsichtlich der Transportkosten sei. Rothkötter habe mangels Interesse der allermeisten Landwirte schließlich seine Werbeanstrengungen auf Schleswig-Holstein und auch auf Dänemark ausdehnen müssen. Es sei fraglich, wie lange der Schlachthof in Wietze diese Konkurrenz-Nachteile verkraften könne. Es stelle sich auch die Frage, ob Rothkötter jemals die ursprünglich geplante Endausbaustufe, wofür ca. 400 Mäster erforderlich wären, erreichen könne – und ob Rothkötter dann die Subventionen in Höhe von ca. 7 Millionen Euro zurückzahlen müsse.  

AbL-Agrarindustrie-Experte Eckehard Niemann verwies darauf, dass die allermeisten Landwirte den Einstieg in eine konzernabhängige, gesellschaftlich inakzeptable Qualhaltung in Agrarfabriken mit ihren bedenklichen Geruchs- und Keim-Emissionen ablehnten. Zudem habe der der Verdrängungswettbewerb der Geflügelkonzerne zu einer dramatischen Überproduktion und damit zu weitgehend ruinösen Verhältnissen geführt. „Wegen der Überproduktion und der gestiegenen Kosten für Futtermittel, Stallbau und Genehmigungs-Gutachten verdient nach unseren Berechnungen kaum ein Neueinsteiger in diese Branche auch nur einen Cent“, so Niemann, „viele Mäster werden in den nächsten Jahren sogar viel Geld dazulegen müssen.“ Die AbL forderte den sogenannten „Verband bäuerlicher Hähnchenmäster“ auf, endlich offen die Misere der Vertragsmäster zu benennen und seine Konzernabhängigkeiten und seine Verflechtungen mit dem Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft zu beenden. 

Die AbL forderte die Landesregierung auf, recht bald über ihren Tierschutzplan und Bundesrats-Initiativen die agrarindustrielle Qualmast zu beenden. Die Haltung von 20 qualgezüchteten Masthühnern auf nur einem Quadratmeter führe bei den Tieren, die die ganze Mastperiode auf ihrem eigenen Kot stehen müssten, zu schmerzhaften Fußballenentzündungen. Solche Haltungsbedingungen führten zu hohen Antibiotika-Aufwendungen und zur Ausbildung bedrohlicher resistenter Keime. Wichtig seien jetzt Landes- und Bundesprogramme zur Förderung einer konzernunabhängigen und artgerechten Haltung auf bäuerlichen Betrieben mit eigener Futtergrundlage, mit handwerklicher Verarbeitung und mit regionaler Vermarktung.  

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