Pressemitteilung der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) vom 09.11.2011: Bauern kritisieren Instrumentalisierung des Welthungers durch Milchwirtschafts-Vertreter

Pressemitteilung
Bauern kritisieren Instrumentalisierung des Welthungers durch Milchwirtschafts-Vertreter     

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisiert jüngst veröffentlichte Äußerungen des Vorstands-Vorsitzenden der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen, Peter Cornelius, zum Welthunger als „zynisch und makaber“. Cornelius hatte laut einem dpa-Bericht behauptet, die geplante Vorgabe der EU-Agrarpolitik zu einer umweltgerechten Nutzung von 7% der beihilfeberechtigten Ackerflächen führe zum Hungertod von vier Menschen in Übersee je „stillgelegtem Hektar“ in Europa. Laut AbL spricht Cornelius hier nicht für die Bauern, sondern als Chef der „Milchwirtschaftlichen Vereinigung“ vor allem für die Molkereien. Wenn er vor einer Verringerung der angelieferten Milchmenge und vor einem „Preisschub“ warne, dann drücke sich darin vor allem die Sorge der Großmolkereien aus, eine verringerte Milchanlieferung der Milchbauern könnte zu einem Anstieg der Erzeugerpreise führen. Die Molkereien befürchteten zudem, nicht mehr so viel billigen „Milch-Rohstoff“ für ihre „Eroberung der Weltmärkte“ mit ihrem Milchpulver oder Käse zu bekommen.

Mit der Welternährung haben diese Lieferungen an die neuen Mittel- und Oberschichten der Schwellenländer laut AbL rein gar nichts zu tun. Es sei genau umgekehrt: „Wenn wir hier unsere Milchüberschüsse verringern“, so AbL-Sprecher Eckehard Niemann, „dann erhöhen wir hier die Erzeugerpreise und nehmen den Kleinbauern in Übersee zugleich weniger Land weg, auf dem Agrarindustrielle jetzt noch das Gentechnik-Futtersoja für den Export nach Europa anbauen und dabei auch noch den Regenwald zerstören.“

Die AbL bezeichnete es als abstrus, dass es immer noch Propagandisten der Agrarindustrie mit der Behauptung gebe, man könne den Welthunger durch das Anheizen der Überproduktion in Europa beseitigen. Ein Hungernder, der arm sei, könne nicht dadurch satt werden, dass er die Überschüsse aus der EU kaufe. Genau diese subventionierten Dumping-Exporte zerstörten die Existenz vieler Bauern in den armen Ländern. Der UN-Weltagrarbericht habe das sehr deutlich gemacht.     

Cornelius dramatisiere unzulässigerweise die Pläne der EU, die weitere Zahlung von Hektarprämien an die Bedingung zu knüpfen, dass die Landwirte 7% ihrer beihilfefähigen Acker-Flächen als „im Umweltinteresse genutzte Flächen“ ausweisen. Es gehe dabei gar nicht nur um „Stilllegung“, wie Herr Cornelius behaupte, sondern auch um extensiv genutzte Blüh- und Randstreifen zum Schutz der Gewässer oder ggf. auch um den Anbau von Eiweißfrüchten wie Kleegras oder Futtererbsen. Letzteres könne sogar dazu beitragen, Gentech-Soja-Importe durch heimisches Eiweiß zu ersetzen. Grünland-Flächen und die Flächen von Biobauern seien von dieser EU-Regelung ohnehin nicht betroffen.   

Auch Cornelius´ Behauptung, die umweltgerechte Nutzung dieser Acker-Teilflächen bedrohe die Flächengrundlage von Milchbauern, sei scheinheilig. Die Pachtflächen der Milchbauern seien vor allem dadurch bedroht, dass viele Biogas-Erzeuger den Verpächtern horrende Pachtpreise anbieten könnten. Es sei bezeichnend, dass Cornelius diese Tatsache in seiner Presse-Äußerung nicht kritisiere. Niemann: „Solch schlimme Parolen setzen die Akzeptanz der Landwirte und der dringend erforderlichen EU-Flächenprämien aufs Spiel  – im Interesse von Agrarindustrie und Ernährungsindustrie.“

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