Pressemitteilung der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) vom 05.09.2011: AbL-Appell an Agrarfabriken-Antragsteller, Landkreis und Bauernverband

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat an die Investoren von jeweils 84.000er Masthühner-Anlagen in Wriedel und Stadorf appelliert, ihre Anträge angesichts der langfristig ruinösen Hähnchenpreise und im Interesse von Tier, Umwelt und Akzeptanz der Landwirtschaft rasch zurückzuziehen.

Im Verdrängungskampf der Geflügelkonzerne würden derzeit riesige Überkapazitäten und ruinöse Überschüsse aufgebaut – angesichts der stagnierenden Preise und drastisch gestiegener Futterpreise würde derzeit und für die nächsten Jahre kaum einer der ahängigen Vertragsmäster noch schwarze Zahlen schreiben.

Während der Verbrauchszuwachs jährlich maximal 80 zusätzliche Ställe abdecke, würden gegenwärtig sage und schreibe 900 Anlagen a 40.000 Mastplätzen beantragt und gebaut.

Auch renommierte Marktkenner wie Professor Windhorst (Uni Vechta) warnten dringlich vor dem Zusammenbruch der Wertschöpfungs-Ketten zu Lasten der Mäster, was die kürzliche Übernahme der Firma „Stolle“ durch den Finanzinvestoren-Konzern „Plukon-Friki“ belege.

Bei den Antragstellern, so AbL-Landesvorsitzender Martin Schulz, handele es sich zweifellos um Familienbetriebe, die es generell zu schützen und zu stärken gelte.

Genau darum müsse das Eindringen agrarindustriell dominierter Betriebszweige in die Bauernhöfe verhindert werden. Bei vielen Antragstellern liege zudem die Vermutung nahe, dass sie lediglich Strohmänner für andere agrarindustrielle Großmäster oder Schlachtkonzerne seien.

Belegt werde dies erneut durch einen Bericht der Celleschen Zeitung über ein entsprechenden Konzern-Angebots an einen Landwirt.

Die allermeisten landwirtschaftlichen Berufskollegen lehnen laut AbL die abhängige Vertragsmast und deren Haltungsbedingungen sowieso ab – gerade auch nach den Berichten über die Praktiken des sogenannten „Wiesenhof“-Konzern.

Der Druck der Bürgerinitiativen und Wähler sorge ohnehin bald für ein Ende einer Haltung von 20 einseitig qualgezüchteten Tieren auf einem Quadratmeter – die ganze Zeit auf dem eigenen Kot und deshalb zu 70 – 100 % mit schmerzhaften Fußballen-Entzündungen, mit durchschnittlich 2-3 Antibiotika-Gaben im 40-Tage-Mastzeitraum, mit Förderung multiresistenter Keime, mit weiträumiger Verbreitung von Keim-Emissionen durch Stall und Trockenkot-Ausbringung.

Die AbL mahnte den Landkreis als Genehmigungsbehörde, die vorgeschriebenen Keimverbreitungs-Gutachten ebenso einzufordern wie Brandschutzkonzepte, bei denen die durch die Bauordnung geforderte Evakuierung der Tiere nicht von vornherein ausgeschlossen und somit das Verbrennen der Tiere einkalkuliert sei.

Die Wählerinnen und Wähler sollten bei der anstehenden Wahl des Kreistags und des Landrats genau darauf achten, wer die „bäuerliche Landwirtschaft“ lediglich als Worthülse verwende, ohne konsequente Absage gegen Großmastanlagen.

Die Grenzen des Bundes-Immissionsschutz-Gesetzes (1.500 Schweinemast- und 560 Sauenplätze, 20.000 Hühner und 800 Rinder) müssten aktiv zur Verhinderung von Agrarfabriken genutzt werden, so wie in anderen Landkreisen.

AbL-Vorsitzender Schulz forderte den Bauernverbands-Kreisvorsitzenden Thorsten Riggert auf, seine Beschönigungs- und Verteidigungs-Versuche solcher Agrarfabriken endlich aufzugeben.

„Wer sich einer ernsthaften Diskussion um eine artgerechte Tierhaltung in bäuerlichen Strukturen verweigert“, so Schulz, „der begibt sich ins gesellschaftliche Abseits und droht alle Landwirte dahin mitzuziehen.“

Die mit einer artgerechten, bäuerlichen Tierhaltung auf betriebseigener Futtergrundlage verbundene Umorientierung der EU-Agrarförderung müsse endlich auch vom Landvolk aktiv genutzt werden, um diese Chance zur Sicherung rentabler Erzeugerpreise durch die damit automatisch verbundene Mengenverringerung nicht zu verspielen.

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