Pressemitteilung der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) vom 02.07.2011: US-Schweinehaltungs-Skandale als Warnung vor Agrarindustrialisierung

Pressemitteilung

US-Schweinehaltungs-Skandale als Warnung vor Agrarindustrialisierung

Vor dem Hintergrund neuer Tierschutz-Skandale in US-Schweine-Agrarfabriken hat die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) alle Politiker, Behörden und Bürger aufgerufen, die auch in hierzulande massiv voranschreitende Agrarindustrialisierung in der Tierhaltung zu stoppen. Derzeit erschütterten verdeckte Video-Aufnahmen aus einer Riesenfarm des Schweine-Konzerns „Iowa Select Farms“ die amerikanische Öffentlichkeit. Darin werde gezeigt, wie Ferkel zur Tötung mit dem Kopf auf den Fußboden geschlagen, den Ferkeln die Ringelschwänze und die Hoden ohne Betäubung abgeschnitten und Schweine in engsten Kastenständen ohne jede Bewegungsmöglichkeit gehalten werden. Die Tierschutzorgansiation „Mercy for Animals“ (MFA) prangerte an, dass solch ein Umgang mit Tieren immer noch legal sei und dass man solche verdeckten Aufnahmen künftig sogar verbieten wolle. Mittlerweile hätten immerhin einige große Lebensmittelhändler den Bezug von Fleisch aus dieser Farm storniert.

 

Die AbL verwies darauf, dass die Schweinehaltung in den USA mittlerweile fast ausschließlich von riesigen Fleischkonzernen mit großem politischem Einfluss beherrscht werde, wobei Niedriglöhne gezahlt und Farmer allenfalls noch als billige Lohnmäster beschäftigt würden. Der auch nach Polen und Rumänien vordringende Konzern Smithfield Foods halte in seinen Agrarfabriken mittlerweile allein 1,2 Millionen Sauen und zusätzlich eine noch viel größere Zahl von Mastschweinen, er sei auch wegen massiver Vorwürfe wegen der Belastung von Gewässern durch Gülle in der Kritik. Weitere Fleischkonzerne wie Triumph Foods, Seabord Foods, Iowa Select Foods, Cargill oder Tyson hielten ebenso jeweils mehrere hunderttausend Schweine. Die skandalösen Video-Bilder sind laut AbL nur sichtbarster Ausdruck der Tatsache, dass in Agrarfabriken mit ihren Niedrigstlohn-Beschäftigten die Tiere wie Sachen behandelt und nur nach Kostenminimierungs-Aspekten gehalten würden. Die massive Überschussproduktion dieser Fleischkonzerne für den Weltmarkt verschärfe deren Krise und den Druck auf Farmer, Beschäftigte und Tiere.

 

Laut AbL befindet sich die Schweinehaltung in Deutschland und Europa noch weitgehend in mittelständischen und bäuerlichen Strukturen, wobei aber Schweinekonzerne wie die Straathof-Holding vor allem in Ostdeutschland – mit Unterstützung von Politik und Bauernverband – immer mehr Agrarfabriken mit Zehntausenden von Sauen und Hunterttausenden von Mastschweinen aufbauten. „Die Politik muss endlich eine umwelt- und artgerechte Schweinehaltung mit genügend Platz, auf Stroh, mit Auslauf und ohne Verstümmelung der Tiere in mittelständischen, bäuerlichen Strukturen mit eigener Futtergrundlage durchsetzen“, so AbL-Agrarindustrie-Experte Eckehard Niemann, „als absolute Stall-Obergrenzen müssen dabei die bestehenden Grenzen des Bundesimmissionsschutzgesetzes mit maximal 1.500 Mast- oder 560 Sauenplätz gelten.“ Die AbL zeigte sich zuversichtlich, diese Ziele und faire Erzeugerpreise gemeinsam mit Bauern, Bürgern und den vielen Bürgerinitiativen im „Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ durchzusetzen – durch neue Verordnungen im Bau- und Tierschutzrecht sowie durch Vorgaben bei der anstehenden EU-Agrarreform.

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