Pressemitteilung der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) vom 02.02.2011: Überschuss-Abbau der Geflügelkonzerne auf Kosten der Mäster?

Pressemitteilung

Überschuss-Abbau der Geflügelkonzerne auf Kosten der Mäster?

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat ein ihr zugespieltes Fax vom 25.1.2011 veröffentlicht, in dem namens der „Putenerzeugergemeinschaft (PEG) Ahlhorn GmbH“ die PEG-Vertragsmäster zur Verknappung der Puten-“Rohware“ animiert werden. Angesichts „reichlich vorhandener Ware“ sollten die Mäster auf einem Fragebogen ihre Präferenz hinsichtlich folgender „Varianten in Bezug auf die Reduzierung der Einstallmengen“ (gemeint sind Putenküken) ankreuzen: Reduzierung der Einstallmenge einmalig um 20%, Verschiebung der Einstallung um 4 Wochen, Keine Reduzierung bzw. Verschiebung der Einstallung. Laut AbL würden die von den Geflügelschlacht-konzernen aufgebauten Überschüsse so zu Lasten der von ihren total abhängigen Vertragsmäster bereinigt. Auch in der vor einem ähnlichen Überschuss-Kollaps stehenden Masthühner-Branche drohe eine solche Überwälzung der Krise – davor hatten jüngst bereits die AbL und Professor Windhorst (ehemaliger Leiter des ISPA-Instituts an der Universität Vechta) nachdrücklich gewarnt.

Die Mitglieder der PEG Ahlhorn GmbH müssen ihre Küken von der Brüterei Ahlhorn beziehen, die dem Wesjohann-Geflügelkonzern („Wiesenhof“) und der Familie Grotelüschen gehört, die wiederum Anteile an der Erzeugergemeinschaft hält. Die ausgemästeten Puten sind von den Landwirten an die Wesjohann-Schlachterei „Geestland“ abzuliefern  AbL-Sprecher Eckehard Niemann äußerte die Vermutung, dass die Agrarindustrie auch hinter dem Schreiben der von ihr weitgehend abhängigen „Putenerzeugergemeinschaft“ stehen könnten. Dafür spreche, dass in dem Schreiben nicht von Puten sondern von „Rohware“ die Rede sei und dass darin weder die Frage nach den Überschuss-Verursachern noch die eines Beitrags auch des Schlachtkonzerns zur Lösung dieser Misere thematisiert werde. Vielmehr werde darin lakonisch festgestellt, für die Erzeuger-Auszahlungspreise beim Schlachthof seien „keine deutlichen Erhöhungen in Sicht“, selbst die letzten Futterpreiserhöhungen könnten „nicht durch höhere Auszahlungspreise kompensiert werden“.

Ganz offen, so Niemann, werde in dem Fax gesagt, dass die Verknappung der Mastputen-„Rohware“ vorrangig den Preis für die „Vermarkter“ (also die „Geestland“-Schlachterei) anheben solle. Sehr vage sei dagegen die Aussage,  „im Endeffekt“ käme dies auch den Mästern zugute. „Dieser Endeffekt wird für die Vertragsmäster kaum eintreten“, so die Einschätzung Niemanns, “vielmehr würde lediglich der Schlachtkonzern auf Kosten der Mäster schadlos bleiben.“ Bei den Vertragslandwirten dagegen führten verringerte Ablieferungsmengen bei gleichbleibenden Niedrigpreisen zu weiter sinkenden Erlösen, aus denen die Mäster weder den Kapitaldienst für ihre kreditfinanzierten Ställe noch eine ausreichende Arbeitsentlohnung erwirtschaften könnten. Die AbL warnte daher erneut vor existenzbedrohenden Verlusten der Vertragsmäster von Puten und bald auch von Masthühnern.

Die AbL erinnerte in diesem Zusammenhang an eine Massentötung von 600.000 schlachtreifen Mastputen im Dezember 2008, die von der Geflügellobby und der niedersächsischer Landesregierung mit einer leichten Viruserkrankung begründet worden war. Kritiker bezweifelten die Notwendigkeit dieser Tötung und vermuteten dahinter eine preisstützende Reduzierung der von der Geflügelindustrie aufgebauten Überschüsse – sage und schreibe 14 Millionen Euro hätten die Steuerzahler und alle beitragszahlende Landwirte über die Tierseuchenkassen-Beiträge dafür bezahlt.

Die Verantwortung in der Tierseuchenkasse trugen damals nicht nur viele Funktionäre des Bauernverbands, sondern als Vorstandvorsitzender auch der Bauernverbandsfunktionär, Putenmäster und jetzige Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Johann-Arendt Meyer zu Wehdel. Die AbL richtete an den mit der Ernährungsindustrie eng verbundenen Putenmäster und Bauernverbands-Vizepräsidenten Hilse die Frage, weshalb er die von den Milchbauern geforderte preisstabilisierende Milchmengen-Begrenzung in Bauernhand verbissen als angeblich nicht marktkonform bekämpfe, während derlei in der Agrarindustrie offenbar praktiziert werden solle.
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