Pressemitteilung BI-Wietze 22.05.12 – Experten warnen: Antibiotika in der Nutztierhaltung können Resistenzen begünstigen!

Pressemitteilung BI-Wietze 22.05.12

Experten warnen: Antibiotika in der Nutztierhaltung können Resistenzen begünstigen!

Mitglieder der BI-Wietze haben Ende April 2012 an der Tagung „Antibiotika Einsatz in der Tierproduktion – ein Risiko für den Verbraucher?“ teilge-nommen. Veranstalter waren die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA), das Niedersächs-ische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE).

Alle Organisationen warnten auf dem 5. Niedersächsischen Forum Gesundheitlicher Verbraucherschutz vor einem über das notwenige Maß hinausgehenden Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung.

Experten aus dem veterinär- und humanmedizinischen Bereich referierten zu den Hintergründen der Ausbreitung von Resistenzen und deren Risiken. Landwirtschaftsminister Gert Lindemann eröffnete die Tagung. Er stellte die von seinem Ministerium erarbeitete Minimierungsstrategie vor, deren Ziel es sei, die Anwendung von Antibiotika in der Nutztierhaltung auf das absolut notwendige Mindestmaß zu reduzieren.

Niedersachsen ist laut Lindemann das Kerngebiet der Nutztierhaltung in der gesamten EU. „Der sorgfältige und gezielte Umgang mit diesen Arzneimitteln ist in Zusammenhang mit der Resistenzproblematik zwingend geboten“, stellte Minister Lindemann klar. MRSA und ESBL stehen im Fokus der Diskussion.

Die BI-Wietze weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Umsetzung der Minimierungsstrategie erst für das Jahr 2014 vorgesehen ist. Bis dahin bleibt es bei der gängigen Praxis. Das ist nicht akzeptabel! Es ist unverständlich, dass nicht – auch zum Schutz der Verbraucher – sofort gehandelt wird!

Der Antibiotikaeinsatz in der niedersächsischen Tierhaltung wird durch das LAVES (Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel-sicherheit) und die kommunalen Behörden überwacht.

Das LAVES überwachte im vergangenen Jahr 1040 Betriebe in Niedersachsen mit 36,5 Mio. Hühnern. Wie bereits in den Medien veröffentlicht wird bei 83 % aller Hühner in Niedersachsen Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt.22,3 % der Hühner sind laut LAVES mit MRSA Keimen belastet. 2010 wurden in der Humanmedizin 250 – 300 Tonnen Antibiotika eingesetzt. In der Tiermedizin waren es im gleichen Zeitraum 900 Tonnen! Unvorstellbare Mengen!

Die Ärztekammer Niedersachsen sieht die häufige Anwendung von Antibiotika in der Intensivtierhaltung mit großer Sorge. „Zu Jahresbeginn ist erneut Hähnchenfleisch gefunden worden, das mit Antibiotika resistenten Keimen belastet war. Resistente Bakterien betreffen letzten Endes nicht nur die Tiere, sondern auch uns Menschen. Wir gehen davon aus, dass es in der Europäischen Union jährlich rund 25.000 Todesfälle gibt, die auf Infektionen durch resistente Keime zurückzuführen sind“, erklärte Dr. med. Gisbert Voigt, Vizepräsident der Ärztekammer Niedersachsen.

„Wir müssen dringend darüber diskutieren, bestimmte Antibiotika Gruppen ausschließlich für den Menschen zu reservieren“, forderte Dr. Voigt. Beispiele aus anderen Ländern, etwa den Niederlanden und Dänemark, in denen die Abgabe von Antibiotika in der Tiermast schärfer reglementiert ist, könnten dabei handlungsleitend sein, so der Humanmediziner. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) appellierte zudem an die Verantwortung der Verbraucher: „Wer die Empfehlungen der DGE umsetzt, trägt zu einem Ernährungsstil bei, der im Sinne einer umweltbewussten Landwirtschaft ist“, betonte sie. Die DGE empfehle, vor allem weniger Fleisch und Wurstwaren zu essen (maximal 300 bis 600 Gramm pro Woche).

Die BI-Wietze setzt sich für eine nachhaltige Landwirtschaft zum Wohle der Verbraucher und der Tiere ein. Durch Teilnahme an Fachtagungen werden die Mitglieder verstärkt weiter gebildet und können Interessierten sachlich fundierte Auskünfte erteilen.

Gabriele Ruschmeier

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