Pressemitteilung AbL vom 12.11.2010: Rothkötters Suche nach Strohmännern für Megamast-Ställe

Pressemitteilung

Rothkötters Suche nach Strohmännern für Megamast-Ställe

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) verurteilt den skandalösen Versuch des Geflügel-Konzerns Rothkötter, für seinen geplanten Mega-Schlachthof in Wietze (bei Celle) angesichts fehlenden Interesses landwirtschaftlicher Betriebe an einer Vertragsmast nun eigene Megaställe zu bauen und dafür Landwirte als Strohmänner anzuwerben. Laut Bericht der Celleschen Zeitung hatte ein Rothkötter-Vertreter einem Landwirt monatlich bis zu 3000 Euro angeboten, wenn dieser nur seinen Namen und 5 Hektar Land gäbe für den Bau von fünf Ställen mit 400.000 Masthühnerplätzen. Der Landwirt habe dieses zweifelhafte Angebot aber rigoros abgelehnt mit dem Argument, dass diese Ställe bei der Bevölkerung nicht gewollt seien und dass solche Praktiken das Privileg der Landwirte zum Bauen im Außenbereich zu Recht gefährdeten.

Die AbL bewertet diesen Vorgang als Ausdruck zunehmender Nervosität und Verzweiflung des emsländischen Rothkötter-Konzerns, der bisher offenbar nicht einmal genügend Vertragsmäster nur für die erste Ausbaustufe seines geplanten Schlachthofs in Wietze gefunden habe – trotz Ausweitung des Suchradius von urprünglich 100 km auf nun 150 km und bis weit nach Schleswig-Holstein hinein. Dazu würden auch Informationen aus dem brancheninternen Umfeld passen, wonach Rothkötter und sein Anwalt kürzlich vergeblich versucht hätten, den emsländischen Landrat zur Rücknahme seines Genehmigungsstopps für Großmastanlagen und der verlangten Brandschutz– und Keimverbreitungs-Gutachten zu bewegen. Bei Umsetzung dieser Gutachten in allen Landkreisen geriete auch der Bau des Schlachthofs in Wietze in Gefahr.

Laut Agrarzeitung „Land & Forst“ habe Rothkötter zudem den Agrarindustrie-Experten Professor Windhorst massiv angegriffen, nachdem dieser in einem viel beachteten Artikel gewaltige Überkapazitäten bei Geflügelschlachtereien und –ställen und einen Verfall gesamten Rentabilität in der Hähnchenbranche prognostiziert hatte: Windhorst, so Rothkötter, habe die Argumente seines größten Wettbewerbers übernommen. Rothkötter habe zudem eingeräumt, es gebe einen schweren Stand gegenüber Geflügelmast-Gegnern, die über ein engmaschiges und hochmodernes Info-Netzwerk über das Internet verfügten.

Erfreut über diese Bestätigung zeigte sich Eckehard Niemann, niedersächsischer AbL-Sprecher und Mitkoordinator des bundesweiten „Netzwerks Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ mit mehr als 100 Bürgerinitiativen und Verbänden. Er kündigte die Verhinderung weiterer Agrarindustrieanlagen und die Unterstützung einer artgerechten Tierhaltung in bäuerlicher Hand an. Mögliche Kapital-Geber und die politischen Unterstützer Rothkötters in Landesregierung und Bauernverband rief er auf, von diesen perpektivlosen Plänen endlich Abstand zu nehmen. Mittelständische Betriebe und bäuerliche Landwirtschaft dürften nicht im Verdrängskampf einiger weniger oligololistischer Geflügel-Konzerne zerrieben werden. Die Genehmigungsbehörden müssten – nach dem Verbild des Landkreises Emsland – von Großinvestoren endlich auch Gutachten zur Keimverbreitung und für die Rettung der Tiere im Brandfall einfordern.

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