Pressemitteilung AbL: „Gemeinnützigkeits“-Förderung der Agrarindustrie-Lobby streichen!

AbL: „Gemeinnützigkeits“-Förderung der Agrarindustrie-Lobby streichen!


Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat das Finanzamt Oldenburg, die niedersächsische Oberfinanzdirektion und die CDU/FDP- Landesregierung aufgefordert, dem Agrarindustrie-Lobbyverband „NGW – Niedersächsische Geflügelwirtschaft – Landesverband e.V.“ das steuerbegünstigende Prädikat der „Gemeinnützigkeit“ zu entziehen. Die auf der NGW-Internetseite genannten Aufgaben, unter anderem die Vertretung und „Bündelung der Interessen der niedersächsischen Geflügelwirtschaft gegenüber Politik, Öffentlichkeit und Verwaltung“ oder die „Unterstützung“ bei baurechtlichen Genehmigungsfragen widersprächen schon rein formal den Vorgaben für eine Gemeinnützigkeit. Die AbL kritisierte in diesem Zusammenhang auch die massive Unterstützung des NGW durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen – als offizieller NGW-Sitz werde sogar die Hausadresse der Kammer angegeben. Die Öffentlichkeit werde eine solche Subventionierung einer umstrittenen Vertretung großer agrarindustrieller Konzerne und der damit verbundenen Qualhaltung nicht nachvollziehen können.

AbL-Agrarindustrie-Experte Eckehard Niemann verwies in diesem Zusammenhang auf  NGW-Vorstandsposten von Vertretern großer Geflügel-Konzerne, so der „Deutschen Frühstücksei GmbH“, der „Big-Dutchman“-Meerpohl-Gruppe, des „Wiesenhof“-Wesjohann-Komplexes, des Erich-Wesjohann-Lohmann-Zuchtkonzerns oder des Puten-Konzerns „Moorgut Kartzfehhn von Kameke GmbH“. Nach Einschätzung der AbL dominieren diese „Geflügelbarone“ nicht nur die Branche, sondern auch den Verband – zumal der Großteil der im NGW organisierten Geflügelhalter als Vertragsmäster von derartigen Zucht-, Futtermittel- und Schlachtkonzernen abhängig sei. Dementsprechend falle der NGW kaum als Vertretung der Interessen von Landwirten nach mehr Konzern-Unabhängigkeit oder höheren Erzeugerpreise auf, sondern eher durch PR zugunsten der Konzerne bei Tierschutz-Skandalen oder durch Schönfärberei der anhaltend ruinösen Lage von Vertragslandwirten.     

Die AbL zeigte sich zudem verwundert darüber, dass als NGW-Vorstandsmitglied aus dem „Arbeitskreis Moschusenten- und Gänsehaltung“ weiterhin Rudolf Schwerk genannt werde, gegen den die Staatsanwaltschaft Stade laut Hamburger Abendblatt vom 4.11.2010 einen Strafbefehl wegen Tierquälerei verhängt habe, nachdem es zahlreiche Berichte über das qualvolle Maschinen-Rupfen lebender Gänse gegeben hatte. Schwerk, der neben ca. 20.000 Gänsen (so HAN-Online) auch Enten hielt, geriet  auch wegen des Inverkehrsbringens angebrüteter Enteneier in die Schlagzeilen.

Trotz der Mitgliedschaft von Vertragsmästern und auch einigen Direktvermarktern habe der NGW mit „bäuerlicher Landwirtschaft“ nichts zu tun, so AbL-Vertreter Niemann. Der mit dem niedersächsischen Landvolk-Verband eng verbundene NGW unterstütze vielmehr die Agrarindustrialisierung mit ihrer Verdrängung unabhängiger mittelständischer Geflügelhalter mit artgerechter Tierhaltung: „Dies ist nicht gemeinnützig, sondern gemeinschädlich – deshalb ist auch diese steuerliche Subventionierung von Agrarkonzernen und Agrarfabriken unverzüglich zu streichen!“

3.165 Zeichen    30.09.2012              

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