Pressemitteilung: „AbL fordert Aufklärung über Verbindung Landwirtschaftskammer- Geflügellobby“

Pressemitteilung

AbL fordert Aufklärung über Verbindung Landwirtschaftskammer- Geflügellobby

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft hat in einem Offenen Brief an die Landwirtschaftskammer Niedersachsen um Aufklärung über die Verbindung zwischen der Kammer und dem Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverband NGW gebeten. Die Hausadresse des NGW sei mit der der Kammer identisch, auch sei die NGW-Mailadresse einer der Landwirtschaftskammer. Die AbL möchte diese Verbindung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts mit einem agrarindustriell dominierten Lobbyverband auch deshalb aufgeklärt und beendet sehen, weil die Mittel der Kammer aus Beiträgen von Bauern und aus Steuermitteln stammen.

In ihrem Schreiben an Kammerpräsident Meyer zu Wehdel und Kammerdirektor Harms fragt die AbL nach Veranlassung, Dauer und Umfang der Bereitstellung von Personal, Material und Räumlichkeiten an den NGW sowie den damit verbundenen geldwerten Vorteil. Nachdem die vom NGW auf dessen Internetseite behauptete „Gemeinnützigkeit“ offenbar nicht zutreffe, fragt die AbL die Kammerspitze nach deren zukünftigem Umgang mit der Geflügelwirtschafts-Lobby.    

Zuvor hatte die AbL in einer Pressemitteilung aufgezeigt, dass die auf der NGW-Internetseite genannten Aufgaben, unter anderem die Vertretung und „Bündelung der Interessen der niedersächsischen Geflügelwirtschaft gegenüber Politik, Öffentlichkeit und Verwaltung“ oder die „Unterstützung“ bei baurechtlichen Genehmigungsfragen schon rein formal den Vorgaben für eine Gemeinnützigkeit widersprächen. Die „tageszeitung“ (taz) bestätigte die unrechtmäßige Anmaßung der angeblichen „Gemeinnützigkeit“ durch den Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverband (NGW). 

AbL-Agrarindustrie-Experte Eckehard Niemann verwies in diesem Zusammenhang erneut auf NGW-Vorstandsposten von Vertretern großer Geflügel-Konzerne, so der „Deutschen Frühstücksei GmbH“, der „Big-Dutchman“-Meerpohl-Gruppe, des „Wiesenhof“-Wesjohann-Komplexes, des Erich-Wesjohann-Lohmann-Zuchtkonzerns oder des Puten-Konzerns „Moorgut Kartzfehhn von Kameke GmbH“. Nach Einschätzung der AbL dominieren diese „Geflügelbarone“ nicht nur die Branche, sondern auch den Verband – zumal der Großteil der im NGW organisierten Geflügelhalter als Vertragsmäster von derartigen Zucht-, Futtermittel- und Schlachtkonzernen abhängig sei. Dementsprechend falle der NGW kaum als Vertretung der Interessen von Landwirten nach mehr Konzern-Unabhängigkeit oder höheren Erzeugerpreise auf, sondern eher durch PR zugunsten der Konzerne bei Tierschutz-Skandalen oder durch Schönfärberei der anhaltend ruinösen Lage von Vertragslandwirten.     

Die AbL zeigte sich zudem verwundert darüber, dass auf der NGW-Internetseite als NGW-Vorstandsmitglied aus dem „Arbeitskreis Moschusenten- und Gänsehaltung“ weiterhin Rudolf Schwerk genannt werde, gegen den die Staatsanwaltschaft Stade laut Hamburger Abendblatt vom 4.11.2010 einen Strafbefehl wegen Tierquälerei verhängt habe, nachdem es zahlreiche Berichte über das qualvolle Maschinen-Rupfen lebender Gänse gegeben hatte. Schwerk, der neben ca. 20.000 Gänsen (so HAN-Online) auch Enten hielt, geriet  auch wegen des Inverkehrsbringens angebrüteter Enteneier in die Schlagzeilen und bekam ein Tierhaltungsverbot. Anscheinend, so die AbL, sei dem NGW all dies nicht Grund genug, seine Internetseite zu überarbeiten.    

Trotz der Mitgliedschaft von Vertragsmästern und auch einigen Direktvermarktern habe der NGW mit „bäuerlicher Landwirtschaft“ nichts zu tun, so AbL-Vertreter Niemann. Der mit dem niedersächsischen Landvolk-Verband eng verbundene NGW unterstütze vielmehr die Agrarindustrialisierung mit ihrer Verdrängung unabhängiger mittelständischer Geflügelhalter mit artgerechter Tierhaltung: „Dies ist nicht gemeinnützig, sondern gemeinschädlich!“   

3.780 Zeichen    08.10.2012  

Nachfolgend zum Nachlesen (Links unten anklicken) der offene Brief an die Landwirtschaftskammer und der Artikel der taz vom 04.10.2012:

Dieser Beitrag wurde unter AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft), Allgemein, Anfragen, Gefahren, Gesundheit, Keime / Bioaerosole / Antibiotika, Lebensqualität, Medien, Naturschutz, Schriftverkehr, Tierschutz abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.