Offener Brief an die Redaktion der Agrarzeitung „Land & Forst“ – Versuch der Informationsunterdrückung?

Offener Brief an die Redaktion der Agrarzeitung „Land & Forst“

Sehr geehrter Herr Chefredakteur Stephan,

der Anlass für diesen Brief ist die Tatsache, dass Sie erneut die Ankündigung einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Ihrem ansonsten recht ausführlichen Veranstaltungskalender nicht abgedruckt haben. Nachdem dies im letzten Jahr als „Versehen“ bezeichnet wurde, kann dies in diesem Jahr nicht gelten, nachdem wir Ihnen diese Ankündigung sehr rechtzeitig und gleich zweimal nacheinander und zudem jeweils an zwei Adressen Ihrer Redaktion zugemailt hatten – und dies zudem mit dem Hinweis, die Veröffentlichung doch diesmal nicht zu „vergessen“.

Die ehemals reine Landwirtschaftskammer- Zeitung „Land & Forst“ wird seit einigen Jahren auch mit vom „Landvolk Niedersachsen – Landesbauernverband“ mit herausgegeben, das wohl vor allem den ersten, „agrarpolitischen Teil“ verantwortet. Aber die Landwirtschafts-kammer Niedersachsen ist immer noch der zweite Herausgeber. Dies zu betonen ist umso wichtiger, als wohl die meisten (fast alle?) Wochenblätter und Landwirtschaftsblätter direkt oder indirekt vom Bauernverband herausgegeben oder von seiner Linie dominiert werden.  

Wäre „Land & Forst“ ein reines Bauernverbands-Organ, müsste man das Nichtveröffent-lichen von Veranstaltungs-Ankündigungen, Leserbriefen oder sonstigen Texten hinnehmen – auch wenn es nicht besonders fair und klug wäre, den Bauernverbands-Mitgliederm eine solche Vorzensur zuzumuten und ihnen damit die Möglichkeit zu vielseitiger Information vorzuenthalten (gerade angesichts der anschwellenden Landvolk-Beteuerungen vom „Dialog“ und zur „Kommunikation auch mit Andersdenkenden“). 

Nun ist „Land & Forst“ aber nach wie vor auch das Organ der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die als Körperschaft öffentlichen Rechts von allen Landwirten (auch Nicht-Landvolk-Mitgliedern) Zwangs-Beiträge erhebt, durch Steuergelder mitfinanziert wird und auch deshalb zu verbandspolitischer Neutralität verpflichtet ist. Als Chefredakteur eines Auch-Landwirtschaftskammer-Organs sind Sie entsprechend verpflichtet. Dies gilt insbesondere angesichts des offensichtlichen Umstands, dass der erste agrarpolitische Teil von „Land & Forst“ allein vom Landvolk geschrieben wird und Sie als Chefredakteur offenbar keinen Einfluss auf diesen Teil „Ihrer“ Zeitung haben. Dass dies schwer mit dem eigentlichen Auftrag eines Chefredakteurs vereinbar ist, ist hier nur anzumerken – dies war dem Vernehmen nach wohl auch ein wesentlicher Grund für die Kündigung eines Ihrer Vorgänger.

Es ist diese penetrante, einseitige und undifferenzierte Ausrichtung des agrarpolitischen Teils von „Land & Forst“ auf die vorgegebene Linie des Landvolks, in der sich immer mehr Landwirte nicht mehr wiedererkennen und von der viele sich sogar verdummt und abgestoßen fühlen. Es ist mittlerweile oft zu hören, man lese die „Land & Forst“ kaum noch und abonniere sie hauptsächlich noch wegen des Anzeigenteils. Sie können dies ja unschwer an der Auflagenentwicklung „Ihrer“ Zeitung ablesen. Es ist schade, dass viele gute fachliche Artikel Ihrer eher kammer- oder landwirtsnahen Fachredakteure aus diesem Grund viele Landwirte nicht mehr erreichen.

Nunmehr scheint diese Ausrichtung bzw. Selbstausrichtung der Redaktion auch die Leserbrief-Seite (früher waren es zumeist mehrere Seiten) und den Veranstaltungskalender zu erreichen. Offenbar wird manches, was der Landvolk-Linie nicht entspricht, nicht mehr abgedruckt.

Dem Vernehmen nach war es nicht Ihr sehnlichster Wunsch, unter diesen Umständen der Chefredakteur von „Land & Forst“ zu werden. Das ehrt sie, enthebt Sie aber nun nicht Ihrer journalistischen Verantwortung. Ich möchte Sie im Namen wohl nicht nur vieler AbL-Mitglieder bitten, dieser Verantwortung gerecht zu werden und sich gegenüber möglichen Vorgaben durchzusetzen. An die Vertreter der Landwirtschaftskammer und an den Verleger geht die Aufforderung, Ihnen ggf. hierbei den Rücken zu stärken und für eine faire, vielseitige und offene Berichterstattung zu sorgen.     

Wir haben übrigens bei der AbL-Frühjahrstagung in Syke, die Sie nicht angekündigt haben, mit renommierten Referenten vom Statistischen Landesamt und vom Oberen Gutachterausschuss über die massiven Probleme auf dem Pacht- und Bodenmarkt diskutiert, ebenso über die durch Mega-Biogasanlagen und Agrarindustrielle mit verursachten Preissteigerungen, über die Rolle der Grundstücksverkehrsausschüsse und über die Rolle der Vertreter des Landvolks und der Landwirtschaftskammer darin. Themen, die nicht nur bei der Tagung auf reges Interesse stießen, sondern wohl alle Landwirte bewegen. Ich schicke auch Ihnen in den nächsten Tagen hierzu eine Pressemitteilung und bin gespannt, ob Sie diese veröffentlichen werden.

Mit freundlichen Grüßen

gez: Eckehard Niemann

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