Brief der BIM – [BürgerInitiative Munzel] e.V. vom 08.12.2010 an die EU-Kommissare Dacian Cioloş (Landwirtschaft und ländliche Entwicklung) und John Dalli (Gesundheit und Verbraucherfragen)

BIM – [BürgerInitiative Munzel] e.V.

Die Bürgerinitiative für Barrigsen, Groß Munzel, Holtensen, Kolenfeld, Landringhausen und Ostermunzel

Sehr geehrter Herr EU-Kommissar Cioloş, sehr geehrter Herr EU-Kommissar Dalli,

erfreut habe ich zur Kenntnis genommen, dass die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) durch ihr wissenschaftliches Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW) in zwei aktuellen Gutachten über das Wohlbefinden von Masthühnern und von Masthuhnzuchttieren (Elterntieren) zu weitreichenden Schlüssen im Sinne des Tierschutzes gekommen ist.

Ich fordere Sie dringend auf, diese wissenschaftlichen Erkenntnissen in vollem Umfang in Ihren Bericht an das Europäische Parlament und den Rat der Europäischen Union aufzunehmen und nachhaltige Verbesserungen, sowohl bei der Zucht als auch bei den Haltungsbedingungen, einzufordern.

Ich bin froh, dass die EU in Art. 13 des EU-Arbeitsweisevertrages Tiere als fühlende Wesen anerkannt und versprochen hat, den Erfordernissen ihres Wohlergehens künftig in vollem Umfang Rechnung tragen zu wollen. Umso unverständlicher ist es, dass gegen Überzüchtungen, die zu gravierenden Gesundheitsproblemen bei den Tieren führen, nicht eingeschritten wird. Die EFSA hat festgestellt, dass bei den bislang üblichen Zuchtlinien Skeletterkrankungen und Probleme wie Knochenverformungen, Lahmheit, Hautentzündungen und plötzlicher Herztod vorprogrammiert sind, weil man in den letzten Jahrzehnten durch genetische Auswahl das Wachstum der Hühner um das Vierfache beschleunigt hat. Solche Zuchtformen erfüllen den Tatbestand der Tierquälerei und müssen verboten werden.

Bei den Elterntieren kommen schwere, dauerhafte Leiden hinzu, weil diese Tiere einerseits durch die Selektion auf schnelles Wachstum und hohen Muskelansatz ein ständiges starkes Bedürfnis nach hoher Futteraufnahme haben und andererseits ihre Fütterung stark beschränkt werden muss, um die Tiere auch noch nach Erreichen der Geschlechtsreife lebens- und zeugungsfähig zu halten. Bei Futtergaben, die den Hunger der Elterntiere stillen, würden sie – wie ihre Jungen – nach einiger Zeit unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.

Auch die momentan zulässige Besatzdichte bei Masthühnern von bis zu 39 oder sogar 42 kg – also über 25 Hühner – pro Quadratmeter Stallfläche ist viel zu hoch, da Tiere, die so eng aufeinander leben müssen, sich nicht mehr artgerecht bewegen und noch nicht einmal mehr ungestört ruhen können. Das AHAW-Gremium hat im Jahr 2000 festgestellt, dass das gleichzeitige Ruhen schon bei 19 Tieren je Quadratmeter gestört ist und dass oberhalb einer Besatzdichte von 20 Tieren ernste Probleme mit dem Wohlbefinden nicht mehr zu vermeiden sind.

Ich fordere sie auf, diesen Erkenntnissen Rechnung zu tragen und für ein sofortiges Verbot tierquälerischer Zuchtlinien sowie für eine Verminderung der Besatzdichte bei Masthühnern auf jedenfalls nicht mehr als 30 kg pro Quadratmeter – also 20 Hühner – einzutreten. Außerdem sollte in dem kommenden Bericht festgehalten werden, dass die Zugabe von natürlichem Beschäftigungsmaterial sowohl bei Masthühnern als auch bei Elterntieren notwendig ist, damit die Tiere ihr angeborenes Erkundungsverhalten ausleben können.

Ich erinnere abschließend daran, dass in der Richtlinie 2007/43/EG mit Mindestvorschriften zum Schutz von Masthühnern festgehalten wurde, neue wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in die Richtlinie einfließen zu lassen. Dafür ist die Zeit nun reif!

Mit freundlichen Grüßen

Ihre

BIM – [BürgerInitiative Munzel] e.V.

Michael Hettwer

Vorsitzender

von/from:

BIM – [BürgerInitiative Munzel] e.V.

Westerhagen 34

D-30890 Barsinghausen

Mobil (e): +49 171 5255645

Internet: www.buerger-massen.de

Email: michael.hettwer@t-online.de

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