ZDF 07.10.2014: „Projekt Hühnerhof – Steffens und die Macht der Verbraucher“

Im zeiten Teil seiner Reportage „Projekt Hühnerhof“ unter dem Titel „Steffens und die Macht der Verbraucher“ hat der Wirtschaftsjournalist Dirk Steffens am 07.10.2104 im ZDF sich sehr ausführlich und eindrucksvoll mit den den Auswirkungen und Folgen der industriellen Massentierhaltung von Hühnern im Vergleich zu ökologischer Haltungsform befasst.

Der 1. Teil wurde am 30.09.2014 unter dem Titel „Projekt Hühnerhof / 2.000 Küken für Dirk Steffens gesendet.

Auch die Möglichkeiten der Verbraucher Einfluss auf die Haltungsform auszuüben, hat Steffens eindrucksvoll dargestellt. Dabei ist es fast un- glaublich, dass durch sein Experiment in der niedersächsichen Kreisstadt Uelzen ein Steigerung von ökologisch erzeugtem Hühnerfleisch ein Stei- gerung von deutlich über 400 % (!!!) realisiert worden ist – und dies trotz eines etwa 4 mal höheren Preises als das in Massentierhaltung produzierte Hühnerfleisch. Sicherlich ein wichtiges Indiz für zukünftige Diskussionen. Die falsche Behauptung von Seiten der Agrarindustrie „Der Verbrauher wll billiges Fleisch“ lässt sich angesichts voon Steffens Reportage nicht länger aufrecht erhalten.

Interessant ist die so genannte „Transparenz“ der Geflügelindustrie, die Steffens zwar Zugang zu Europas größten Geflügelschlachthof im nieder sächsischen Wietze mit einer Kapazität von 400.000 Hühner pro Tag im 2-Schichtbetrieb erlaubte, bestimmte Bereiche aber verbot zu filmen – Transparenzoffensive geht da aber eindeutig anders!

Steffens hat deutlich die Unterschiede der Kosten im Vergleich zu ökologisch und konventionell herausgearbeitet (wo immer auch die Zahlen für konventionell herkommen). Dabei muss man aber noch erwähnen, was sich der Verbraucher bei konventionell produzierten Geflügelfleisch alles mit „erkauft“ was teilweise auch in die Kostenrechnung einfließen muss:

  • Erhebliche Subventionen für Agrarindustrie für Stallbauten und Schlachthof (der Rothkötter-Schlachthof allein hat z. Bsp. die höchste Förderung im Land Niedersachsen mit fast 10 Millionen € erhalten)
  • Niedriglohnarbeitnehmer in den Schlachthöfen, die unter Verhätlnisen leben und arbeiten, die nahe an Sklavenarbeit hernkommt. Die ausländischen Mitarbeiter in den Schlachthöfen erhielten/erhalten teilweise Stundenlöhne von um die 3,50 €, was dazu führt, dass sie aufstocken müssen und diese Mittel von der Allgemeinheit aus Steuermitteln gezahlt werden. Eine weitere indirekte Subvention, die – wenn man ehrlich rechnet – das konventionelle Hühnerfleisch verteuert-
  • Die auch duch die Massentierhaltung verschuldeten vorhandenen Antibiotika-Resistenzen – die zur Bildung multiresisenter Keime wie z. Bsp. MRSA und ESBL führt – verteuert auf Dauer die Kosten im Gesundheitswesen. Die Folge sind steigende Krankenkassenbeiträge, die dann alle zu zahlen haben.
  • Durch die häufig benutzten meist dörflichen Straßen fahren Jahr für Jahr schwere LKWs, die Küken, Mastfutter und die gemästeten Tiere abtransportieren. Die Straßen sind häufig für diesen LKW-Verkehr nicht ausgebaut und werden in der Folge der starken Beanspruchung marode. Die fällige Sanierung haben alle Anlieger im Rahmen der Straßenausbaubeiträge zu zahlen.
  • Die Beseitigung der in der Mast verendeten Tiere wird in fast allen Landkreisen zu nur einem Bruchteil vom Mäster gezahlt. Dass heißt, der Verbraucher zahlt über seine Steuergelder für die notwendige Entsorgung (Stichwort Seuchengefahr) der toten Tiere mit (häufig bis zu 75%).
  • Durch die Möglichkeit Gen-manipulierte Futtermitel aus dem Ausland (vor allem  Südamerka) einzusetzen, wird der tropische und pazifische Regenwald – einer unserer Lebensquellen auf der Erde – gerodet, die Kleinbauern dort mit Gewalt bis hin zum Mord vertrieben, nur um Futtermittel für Eurpa anzubauen.
  • Die bei uns nicht verwendeten  Teile des Huhns, wie Schenkel, Innereien und Füße, werden in Länder der Driten Welt – mt finanziellen Mitteln der EU-Export-Agrarhilfe unterstützt – und machen dort den Aufbau (wiederum gefördert mit deutschen Steuermitteln aus der Entwick-lungshilfe) einer bäuerlichen strukturierten Landwirtschaft zu Nichte!
  • Die Genehmigungs- und Kontrollbehörden bei uns sind bis dato kaum in der Lage die Massentierställe auf Einhaltung aller relevanten Vorschriften zu überprüfen. Auf Druck der bevölkerung scheint in Politik und Verwaltungen ein Umdenken einzusetezn und neue Stellen werden geschaffen. Und wer zahlt dafür? Natürlich der Steuerzahler, oder besser: wir alle!

Sicherlich ist diese Aufstellung nicht komplett. Wenn man sich aber daran machen würde, diese Kostenfaktoren in den Kostenvergleich zwischen Öko-Huhn und Massentierhaltungs-Huhn einzurechnen, würde sicherlich ein anderes Ergebnis herauskommen.

Festzuhalten bleibt, die Verbraucher sind bereit, mehr für Fleisch zu bezahlen, wenn die Tiere artgerecht aufwachsen und auch die sozialen Be- dingungen bei der Verarbeitung stimmen. Notwendig ist ein einheitliches Kennzeichen, dass Fleisch von Tieren aus Massentierhaltung unzweideutlich kenntlich macht!

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