Warum verschweigt die Nordwest Zeitung den Leserbrief von Dr. Hermann Focke?

Kein gutes Beispiel von fairem Journalismus zeugt die Redaktion der in Oldenburg (Oldenb.) beheimateten „Nordwest Zeitung“ (NZW).

Am 30.09.2011 veröffentlichte die NWZ einen Beitrag (folgt am Ende dieses Textes) von Arendt Meyer zu Wehdel, dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg.

Dieser äußerst einseitige und nur den Interessen der Agrarindustrie dienende Artikel eines Präsidenten einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung – und eine solche ist die Landwirtschaftskammer Niedersachsen – ist schon sehr befremdlich und bemerkenswert.

Umso unverständlicher ist die Tatsache, dass die NWZ den Leserbrief von Dr. Hermann Focke – dem früheren, im Ruhestand befindlichen Veterinärdirektor des Landkreises Vechta  – nicht veröffentlicht und totschweigt.

Dies ist ein eklatanter Bruch der journalistischen Pflichten und absolut unverständlich, oder sollte die NWZ unter der Einflussnahme der Agrarindustie stehen? Das wäre ja fast unglaublich.

Nachfolgend der Beitrag der NWZ vom 30.09.2011 (zum Lesen bitte den Link anklicken):

  • NWZ- NORDWESTZEITUNG 30.09.2011 MODERNE STÄLLE FÜR DAS TIERWOHL

 

 

 

 

 

 

Und hier nun der bisher nicht veröffentlichte Leserbrief von Dr. Hermann Focke:

 

From: Hermann Focke

To: chefredaktion@nordwest-zeitung.de

Sent: Wednesday, October 12, 2011 1:35 PM

Subject: Dr9

 

Dr. Hermann Focke                                                            Uplengen, den 12.10.2011

Ltd. Veterinärdirektor i. R.

Deternerstr. 29

26670 Uplengen

Tel.: 04957/990144

hermann.focke1@ewetel.net

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Als Anlage sende ich Ihnen eine Stellungnahme zu dem Beitrag von Herrn Meyer zu Wehdel in der NWZ vom 30.9. 2011 mit der Bitte um Veröffentlichung als Leserbrief.

Mit Dank und freundlichem Gruß

               H. Focke

Leserbrief:

Unter der Überschrift „Moderne Ställe für das Tierwohl“ schreibt der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Johann Arendt Meyer zu Wehdel in der NWZ Kolumne

vom 30.Sept. 2011: „Ich bin mir sicher, dass viele Kritiker noch nie in einem modernen Stall gewesen sind, bevor sie ihre Vorwürfe formulieren.“ Als ehemaliger Veterinäramtsleiter in Südoldenburg habe ich Hunderte von Mastställen von innen gesehen und weiß daher, wovon ich rede.

Der Herr Präsident Meyer zu Wehdel weiß so wie ich, dass in der intensiven agrarindustriellen „Nutztier“-Haltung die Mäster heute häufig nicht mehr als „Freie Bauern“ agieren, sondern nicht selten als Vertrags- bzw. Lohnmäster , quasi als „Knechte auf dem eigenen Hof“, in ein agrarindustrielles System eingebunden sind.

Herr Meyer zu Wehdel weiß bzw. dürfte wissen, dass in der konventionellen Geflügelmast Masthühner und Puten auf Grund der Zucht- und Haltungsbedingungen in einem hohen Prozentsatz an Beinschäden, Sohlenballenverätzungen und Brustblasenentzündungen leiden. Ihm dürfte bekannt sein, dass bei Puten, Moschusenten und Legehennen in Bodenhaltung teilweise bis zu 100% der Tier Schnabelamputiert sind, obwohl dieses nach §6 Abs.1 des Deutschen Tierschutzgesetzes nicht zulässig ist.

Herr Meyer zu Wehdel dürfte wissen, dass nach dem ab 2006 geltendem EU-weiten Verbot der so genannten Leistungsförderer – treffender als Masthilfsmittel bezeichnet – der Antibiotikaeinsatz  in der Tiermast keineswegs drastisch zurück gegangen, sondern im Gegenteil weiter angestiegen ist und auf  Grund fortschreitender Resistenzentwicklung von bakteriellen Infektionserregern zunehmend zu einer Gefährdung der Volksgesundheit wird.

Im Oktober 2010 erklärte die Leiterin der Abteilung Verbraucherschutz und Tiergesundheit im Nds. Landwirtschaftsministerium gegenüber NDR Info, dass „ in der Massentierhaltung der Einsatz von Antibiotika die Regel sei. Ohne Einsatz der Mittel schafften es die Hühner in großen Ställen häufig nicht, bis zum Ende ihrer Mastzeit zu überleben.“

Es wäre zu wünschen, auch im Sinne der Verbraucher, dass Landwirtschaftskammern und der Bauernverband sich wieder vermehrt den Bedürfnissen ihrer eigentlichen Mitgliedern, den bäuerlichen Famillienbetrieben ,widmen und weniger den ökonomischen Interessen der Agrarindustrie.

Zu Dr. Focke nachfolgend noch einige Informationen:

Und hier noch Informationen über die NWZ:

 

 

 

 

 

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Eine Antwort auf Warum verschweigt die Nordwest Zeitung den Leserbrief von Dr. Hermann Focke?

  1. Otto Hafkemeyer sagt:

    Ich würde gerne mal in einen großen Stall hineinschauen, bin mir aber sicher, dass ich dann wohl nur einen „Vorzeigestall“ zu sehen bekäme. Weitere Ställe würden nicht mehr geöffnet – aus hygienischen Gründen, versteht sich.
    Da die gesetzlichen Vorgaben angeblich bestehen, muss der Fehler in der Kontrolle und in der Ahndung von Übertretungen liegen.
    Wenn viele kompetente Leute (auch Konsumenten) in beliebigen Ställen sich ein Bild von den Verhältnissen machen könnten, würden vielleicht auch diejenigen tierfreundliche Maßnahmen befürworten (aus unterschiedlichen Gründen!), die im Augenblick noch wirtschaftliches Interesse am Status Quo haben: Behörden, Produzenten und Verbraucher.
    Leider alles nur Konjunktiv!

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