Pressemitteilung Vereins Tier und Mensch e.V., PAKT e.V. und „Initiative Schule und Tierschutz“ vom 24.11.2011: Kritik an Aigners Antibiotika-Strategie

 

24.11.2011

 

Kritik an Aigners Antibiotika-Strategie:

Tierschützer fordern Abkehr von Massentierhaltung
Engstaufstallung in großen Herden führt zur Entwicklung immer neuer resistenter Erreger.

Unabhängigen Wissenschaftlern war seit Jahren klar, was dank der von NRW´s Landwirtschaftsminister Remmel in Auftrag gegebenen Untersuchung nun mit Zahlen untermauert und öffentlich bekannt wurde: Es wächst kaum ein Masthuhn auf, das nicht in seinem nur fünf Wochen währenden Leben mehrfach Antibiotika verabreicht bekommt. In der „Zusammenfassenden Bewertung“ heißt es: „…dass 96,4% der Masthühner behandelt werden, ist nicht akzeptabel und legt den Schluss nahe, dass das Haltungssystem nicht den Vorgaben des Tierschutzgesetzes entspricht, da die angemessene Ernährung, Pflege und Unterbringung in Frage gestellt werden muss.“ Ähnliches hatten Amtstierärzte bereits anonym oder offen unserern Vereinen mitgeteilt!

Biobetriebe und kleinere Bestände, die sich nicht der Turbomast unterwerfen, kommen der Studie zufolge ohne Antibiotika aus. „Na also, geht doch!“, meint Karin Ulich, Tierärztin und Vorsitzende von Tier & Mensch e. V.. Sie erklärt: „Die Quelle der zunehmenden Resistenz  gefährlicher Krankheitskeime liegt in der Massentierhaltung von Schweinen und Rindern und – besonders – des Geflügels. Etwa zwei Drittel der verwendeten Antibiotika landen in der Tiermast statt bei menschlichen Patienten. Im Auftauwasser von jedem dritten Mastgeflügeltier sind die berüchtigten MRSA-Keime zu finden. Diese gegen Antibiotika resistenten Bakterien verursachen jedes Jahr schätzungsweise 7000 Todesfälle in Deutschland. Kein Wunder – ist doch die Untersuchung auf Antibiotika von nur einer Probe pro 200 Tonnen Geflügel vorgeschrieben, was 13.000 Masthühnern entspricht!“

Eine Untersuchung an der Universität in Uppsala belegte, dass Resistenzen sich bereits bei geringsten Antibiotika-Mengen entwickeln, die deutlich unter den in Deutschland festgelegten Grenzwerten für Lebensmittel liegen. In den Darmkeimen von etwa der Hälfte der Kontaktpersonen von Massentierhaltungen finden sich Antibiotikaresistenzen. Diese Eigenschaft kann auf andere Bakterienarten übergehen. Selbst durch das Fahren hinter einem Tiertransporter, können resistente Krankheitskeime mit der Lüftung ins Auto gesaugt werden (Studie der Hopkins Universität), ebenso sind Anwohner von Tierfabriken erhöhten Belastungen ausgesetzt.² Kein Wunder, dass Ärzte besorgt sind: Wolfgang Witte vom Robert-Koch-Institut, zuständig für Nosokomiale Infektionen (d.h.: Infektionen, die sich Patienten in Krankenhäusern zuziehen), aber auch der Prof. Christoph Bührer, Chef der Neonatologie des Charité in Berlin,  sehen in der Geflügelmast eine Hauptursache der problematischen Situation in den Krankenhäusern.

Welche Schlüsse ziehen die Verantwortlichen aus der katastrophalen Situation, die nun immer drängender ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät? Die Tierärztin Karin Ulich, zweifelt: „Wir haben nicht den Eindruck, dass Politik, Wirtschaft und Tiermedizin planen, entschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um die Bevölkerung zu schützen. Das ginge nur über ein striktes Verbot des Systems Massentierhaltung mit engster Aufstallung Tausender Tiere.“ Doch dies wird bislang nicht angetastet. Stattdessen erhalten die Bundesländer verbesserte Daten – und werden zur Kontrolle der Großunternehmen aufgefordert. Doch diese wurden in der Vergangenheit systematisch geschont. Aktuell versucht das Bundesland Sachsen, den in die Kritik geratenen Marktführer Wiesenhof sogar mit Subventionen an sich zu binden. Elisabeth Petras, 1. Vorsitzende von PAKT e.V.. ist daher skeptisch: „Aufforderungen allein ändern hier nichts!“.

Ihr Verein fordert gemeinsam mit „Tier und Mensch“ und weiteren Verbänden weiterhin mit Nachdruck Haltungsverordungen für Geflügel und Schweine, die den Bedürfnissen der Tiere gerecht werden und sie vor Schmerzen, Schäden und Leiden bewahren – und den Stopp der Genehmigung weiterer Massenställe, deren Produkte der Überproduktion wegen durch Export die Landwirtschaft Afrikas schädigen und die Landflucht fördern. 

Tierärztin Karin Ulich ergänzt: „Es erscheint mir unbegreiflich, dass angesichts der Fakten das Bundesamt für Risikobewertung noch den Verzehr von Geflügel für unbedenklich hält. Ist das nicht geradezu fahrlässig?“

² Prof. Silbergeld an der Hopkins Universität hat festgestellt, dass 50% aller untersuchten Mitarbeiter auf Geflügelfarmen E. coli in sich trugen, das Resistenzen gebildet hatte. Bei Menschen, die nicht auf Geflügelfarmen arbeiten, wurde sie nur in 3% aller Fälle fündig. Sie fand weiterhin, dass es ausreichte, eine Zeit lang hinter Tiertransporten herzufahren, damit sich antibiotikaresistente Krankheitserreger an den Armaturen im Auto absetzen können.

Prof. Kellogg Schwab von der John Hopkins Universität testete die Luft in Schweinemastanlagen. Er fand nicht nur diverse Krankheitserreger, sondern konnte auch nachweisen, dass 98% der Erreger gegenüber zwei oder mehr Antibiotika resistent waren. Bei einem weiteren Test stellte Prof. Schwab fest, dass Oberflächen und Grundwasser in der Nähe von Schweinemastbetrieben bis zu 33mal so viele Krankheitserreger beinhaltete als Wasser, das mit den Abwässern der Mastbetriebe nicht in Berührung kam.

Jay Graham von der Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung (USAID) fand heraus, dass Fliegen sehr wahrscheinlich resistente Krankheitserreger von Massentierhaltungsanlagen in andere Gebiete verschleppen können.

Quelle: Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt e.V.

Karin Ulich                                                                         Elisabeth Petras

Tierärztin                                                                            PAKT e.V.

Vorsitzende des Vereins                                                    und „Initiative Schule und Tierschutz“

Tier und Mensch e.V.                                                        Kontaktstelle Hamburg

Alte Landstr. 27,                                                                 Bramfelder Chaussee 302
88138 Sigmarszell                                                            22177 Hamburg

K. Ulich, 08389-577,                                                        E. Petras Tel.: 0178-470 20 16

karin-ulich@gmx.de                                                         EP-1965@gmx.de

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Gefahren, Gesundheit, Lebensqualität, Medien, Naturschutz, Pressemitteilungen, Tierschutz abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.