Pressemitteilung der AbL vom 26.11.2010

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft  e.V.
Landesverband Niedersachsen   –   Pressesprecher :

Eckehard Niemann, Varendorferstr.24, 29553 Bienenbüttel
T: 0151 – 11 20 16 34,  Mail: eckehard.niemann@freenet.de

Pressemitteilung

AbL nimmt Agrar-Staatssekretär in Schutz gegen Agrarindustrie-Lobby

Mit Interesse verfolgt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die ungewohnt heftigen Anwürfe des niedersächsichen Landvolk-Präsidenten Werner Hilse und des Geflügelwirtschafts-verbands gegen den Agrar-Staatsekretär Friedrich-Otto Ripke wegen dessen Eingeständnissen über die Qualzucht- und Qualhaltungs-Zustände in der Geflügelmast. „Offensichtlich“, so AbL-Sprecher Eckehard Niemann, „verfolgt diese agrarindustrielle Allianz von Bauernverband und Geflügelbaronen jeden, der die Verhältnisse in den Agrarfabriken beim Namen nennt.“

Dabei habe Ripke nur das gesagt, was die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA jüngst in zwei Gutachten konstatiert habe: Dass Masthühner und Mastputen in den Agrarfabriken massiv darunter leiden, dass ihr Herz-Kreislaufsystem und ihr Bewegungsapparat der einseitigen Zucht auf Brustfleisch nicht standhält, dass die zusammengepferchten Tiere sich kaum bewegen können, auf ihrem eigenen Kot stehen und deshalb unter schmerzhaften Fußballenentzündungen leiden müssen. Männliche Küken werden als ungeeignet für die Eiererzeugung getötet, Flugenten bekommen nicht einmal Einstreu, Puten werden durch schmerzhaftes Schnabelkürzen verstümmelt.

Diese Verhältnisse beim Namen zu nennen, ist nach Ansicht der AbL nicht mehr als eine längst fällige Selbstverständlichkeit, wenn auch erst spät erzwungen durch Bürgerinitiativen, Medien und agrarindustriell überbelastete Landkreise. Auch bei den allermeisten Bauern gebe es eine klare Ablehnung der agrarindustriellen Geflügelmast, die Landwirte zu abhängigen Vertragsmästern und zu Opfern ruinöser Überschüsse mache. Wenn Hilse über einen  angeblichen „Sturm der Entrüstung“ über Ripkes Äußerungen schwadroniere, dann gelte dies ganz sicher nicht für die Landwirte.

Die AbL forderte zügige und konsequente Maßnahmen gegen diese tier-, umwelt- und bauernfeindliche Tierhaltung ein. Dabei könne man die unglaubwürdige Tierschutz-Rhetorik seitens der Agrarindustriellen getrost beseite lassen. Bezeichnend für die bisherige Macht der Agrarindustrie-Lobby sei aber deren offenes Entsetzen darüber, dass Ripke sie diesmal nicht vorher um Erlaubnis für seine Äußerungen gefragt habe. Wenn die Bauernverbandsspitze allein schon die Benennung der Zustände in den Großmastanlagen als „Frontalangriff gegen die Tierhaltung“ bezeichne, dann ahnten diese Funktionäre offenbar nicht einmal ansatzweise, welcher Sturm des Widerstands und der Veränderung ihnen zukünftig um die Agrarfabriken wehen werde.

Ob es die Landesregierung es wirklich ernst meine mit dem Tierschutz und einer artgerechten Haltung in mittelständischen, bäuerlichen Strukturen, das werde sich zu allererst daran erweisen, ob der Genehmigungsstopp der Landkreises Emsland für Großmastanlagen und dessen Forderung nach Keimverbreitungs- und Brandschutzgutachten bei Bauanträgen nunmehr zügig in allen Landkreisen zur Geltung kämen. Das Verbrennen von Zigtausenden Tieren und die Gesundheitsbelastungen der Anwohner dürften nicht weiter im Interesse einiger weniger Geflügelbarone hingenommen werden. Im Bundesrat müsse die Landesregierung das geforderte Bauverbot für Agrarfabriken unterstützen. Es sei nun unverzüglich eine Kommission mit wichtigen gesellschaftlichen Gruppen zur Überarbeitung der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnungen einzusetzen.

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