Pressemitteilung der AbL: „Jauchs Bio-Talk – viele Agrarindustrie-Befürworter und kein Biobauer“

Pressemitteilung


Jauchs Bio-Talk – viele Agrarindustrie-Befürworter und kein Biobauer

Als „Tiefpunkt einer wirklichkeitsfernen und geschwätzigen Talkshow-Kultur“ bezeichnet die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die ARD-Sendung „Günter Jauch“ mit dem Titel „Der Große Bioschwindel…“. Einen ehrlichen und sachkundigen Bio-Bauern habe Jauch offenbar ganz bewusst nicht dabei haben wollen: Der AbL lägen Informationen vor, wonach das Jauch-Team zunächst einen Demeter-Bauern eingeladen habe, der dann aber kurzfristig als nicht genügend „skandalträchtig“ wieder ausgeladen worden sei. Stattdessen sei nun als Vertreter der agrarindustriellen Bio-Schiene Graf von Bassewitz dabei gewesen, der demgemäss viele Grundsätze des Biolandbaus nicht überzeugend habe vertreten können.

Auch die engagierte Bio-Köchin Sarah Wiener habe zwar viel Richtiges über Esskultur und die Rettung unseres Planeten gesagt, kenne sich aber in der landwirtschaftlichen Praxis offensichtlich wenig aus. Bei ihren berechtigten Vorwürfen gegen Agrarindustrie-Konzerne und Massentierhaltung habe Frau Wiener dann fälschlicherweise sogar konventionell arbeitende Bauernhöfe pauschal in einen Topf mit Agrarfabriken geworfen.   

Als „abstrus“ bewertete die AbL auch die Auswahl weiterer Talkshow-Gäste: Wenn  Heiner Kamps als ehemaliger Brot-Industrieller und heutiger Vertreter des umstrittenen Müller-Milchkonzerns von einer angeblich engen Zusammenarbeit mit den Milchbauern rede, würden viele Bauern dies als Hohn empfinden. Viele Milcherzeuger erinnerten sich nur zu gut an Müllers juristische Verfolgung protestierender Bauern, die vor der Molkerei für faire Milchpreise demonstriert hatten. Auch Kamps Behauptung, der Biolandbau könne zum Verhungern der halben Menschheit führen, entbehre jeglicher Sachkunde oder Ernsthaftigkeit.

Der Chemiker Udo Pollmer schließlich habe bei Jauch ähnliche Absurditäten wie bei seinen Auftritten bei Agrarindustrie-Kongressen zum Besten geben können: so Pollmers Behauptungen, dass von 3000 Biohühnern etwa 1000 „krepieren“ würden, dass Bio-Tiere im Durchschnitt alle „ein wenig kranker als konventionelle“ seien und dass Bio-Bauern die Tiere trotzdem nicht mit Medikamenten behandeln würden, um ihren Bio-Status zu behalten. Die gleiche Qualität haben laut AbL auch Pollmers schlimme Verharmlosungen des Antibiotika-Einsatzes in der Massentierhaltung oder seine falsche Behauptung, im Ökolandbau würden Pestizide wie im konventionellen Landbau eingesetzt, die „nur anders heißen“ würden.

Jauchs Sendung, so die AbL zusammenfassend, habe die Tatsache unterschlagen, dass der Biolandbau immer noch von vielen Tausenden bäuerlicher Betriebe geprägt sei – mit Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft und artgerechter Tierhaltung. Deren klare Abgrenzung von den schlimmen Bildern aus einem wachsenden „Agrarindustrie-Biobereich“ sei aber nicht gewollt gewesen. Der Vertreter des Lebensmittelhandels habe sogar noch die Ferntransporte bei Bio-Importen schön reden können. Die AbL forderte alle Bioverbände auf, derlei Talkrunden aber auch berechtigt-kritischen Medienberichten keine Anhaltspunkte mehr zu liefern – indem man sich rasch und klar von „Agrarindustrie-Bio-Konzernen“ trenne.

                                                                                                 3.200 Zeichen  –   17.09.2012

 

Hier die Talk-Show in ganzer Länge (bitte folgenden Link anklicken):

Und zum Thema Bio wird auf den nachfolgenden Link hingewiesen:

 

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Eine Antwort auf Pressemitteilung der AbL: „Jauchs Bio-Talk – viele Agrarindustrie-Befürworter und kein Biobauer“

  1. Es hat mich nicht verwundert, dass sich Herr Jauch völlig unvorbereitet auf dieses Thema gestürzt hat. Jauch ist auf Quote und damit auf Krawall fixiert. Der lange Arm der Industrie mag hilfreich unterstützend für diese einseitige Darstellung des sehr komplexen Themas gesorgt haben und so war dann auch das Ergebnis dieser Laberrunde.
    Es ging nicht um Aufklärung, und nicht um einen Disput auf Augenhöhe. Die Zusammensetzung der „Talkrunde“ war ungleichgewichtig, einseitig und unfair!
    Schade um die Sendezeit. Informative und objektive Berichterstattung erfolgt in der Regel nur zur mitternächtlichen Stunde auf Insiderkanälen oder zwangsläufig als Kurzbeitrag in der knapp zugebilligten Sendezeit für die kritischen Magazine!

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