Pressemitteilung BIM 08-10

„Bürgerinitiative: Marktexperte sagt Zusammenbruch des Hähnchenmarkts voraus

Die BIM [BürgerInitiative Munzel]   weist die bereits aktiven und auch potentielle Investoren für Hähnchenmastanlagen mit großem Nachdruck auf  eine Marktanalyse des Geflügelmarkt-Experten Prof. Hans-Wilhelm Windhorst hin, in der dieser den  bevorstehenden Zusammenbruch des Hähnchenmarktes voraussagt.

Der agrarindustrienahe ehemalige Leiter des ISPA-Instituts an der Universität Vechta veröffentlichte seine Warnung vor ruinösen Überkapazitäten jetzt in der Fachzeitschrift „DGS Magazin“ (Ausgabe 35/2010), dem offiziellen Organ des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft. In seiner Analyse „Wachstum als Risiko?“ beschreibt er die derzeit laufende massive Erweiterung der Schlachtkapazitäten in der Hähnchenbranche: vor allem durch den Schlachthof-Neubau des Rothkötter-Konzerns in Wietze (bei Celle) und – als Reaktion darauf – auch durch den Ausbau von Schlachtkapazitäten bei dessen Konkurrenten Wiesenhof, Sprehe, Stolle und Friki. Die in diesem Verdrängungswettbewerb produzierten Überschüsse belaufen sich laut Windhorst auf „weit mehr als das Doppelte des wahrscheinlichen Zusatzbedarfs“ auf ohnehin gesättigten Märkten.

Schon 2011 und danach noch verstärkt werde somit weit über die Aufnahmefähigkeit der deutschen, der europäischen und voraussichtlich auch der internationalen Märkte hinaus produziert werden. Windhorst warnt, infolge dieser Überschüsse werde in der ganzen Produktionskette bald kein Geld mehr verdient werden. Es werde „zu einer Reduzierung der Kapazität kommen oder auch zu einem Zusammenbruch ganzer Produktionsketten“. Diese werde nicht nur zu einer Unterauslastung oder zu einem Zusammenbruch von Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben führen, sondern werde vor allem auch die Vertragsmäster in Form von Preisdruck, Vertragskündigungen und Liquiditätsproblemen treffen.

Die regionale Verdichtung der Produktion und deren Ausdehnung nach Ostniedersachsen (Wietze) werde zudem „das Problem der umweltverträglichen Verwertung der tierischen Exkremente und des Krankheits- und Seuchenrisikos“ noch weiter verschärfen. Die regionalen Verschiebungen der Getreide-Warenströme führen laut Windhorst zu einer noch stärkerer Abhängigkeit von Futtermittelimporten und von risikoreichen Marktschwankungen. Ein wachsendes Problem sieht Windhorst auch im Widerstand gegen eine weitere Verdichtung bzw. Neuerrichtung von Mastanlagen. Dieser komme „nicht nur von Tier- und Umweltschutzorganisationen, sondern auch von der nicht in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung sowie von Landwirten selbst“.

Die BIM [BürgerInitiative Munzel] ergänzte diese Ausführungen Windhorsts mit Hinweisen auf die „Qualzucht und Qualhaltung der Tiere“, auf die totale Abhängigkeit der Vertragsmäster von den Schlachtkonzernen, auf die Geruchs-, Ammoniak- und Keimbelastung von Anwohnern und Umwelt und auf die Bedrohung einer bäuerlichen Tierhaltung durch diese agrarindustriellen Mastanlagen. „Die unverantwortliche Förderung und Beschönigung dieser unappetitlichen Überproduktion durch Schlachtkonzerne, Bundespolitiker, Landesregierungen, Bauernverband und Agrarindustrielobby muss sofort beendet werden“ – forderte der Sprecherin der BIM [BürgerInitiative Munzel, Michael Hettwer.

An Herrn von Hugo richtet die BIM [BürgerInitiative Munzel] den dringenden Appell seine Vorhaben, trotz der sicherlich mittlerweile angefallen nicht unerheblichen Planungskosten, ernsthaft zu überdenken. „Wirtschaftlich wäre es vernünftig, jetzt lieber die Planungskosten abschreiben, als in einiger Zeit die gesamten sehr hohe Investitionssumme zu verlieren“, regt Hettwer an.

Die BIM [BürgerInitiative Munzel]  wird allen Landwirten die vergleichbare Planungen erwägen, auf ihrer neu installierten Interseite www.buerger-massen.de, weitere Informationen zur Verfügung stellen. Dieses Angebot, dass nach und nach ausgebaut wird, richtet sich natürlich auch an die Einwohner und die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung. „Niemand soll später sagen können, er hätte nicht gewusst, welche Auswirkungen die Errichtung von Agrarfabriken auf Umwelt, Natur, Gesundheit, Immobilienpreise und Lebensqualität hat“, so Hettwer. Und es gebe i die Möglichkeit, hier auch seine Meinung zu äußern.

Die Initiative sei dem bundesweiten „Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ von mehr als 100 Bürgerinitiativen angeschlossen, darüber werde man weiter massiven Druck machen für ein Bauverbot von Agrarfabriken, für bessere Tierhaltungsvorschriften und für die Förderung einer artgerechten Nutztierhaltung in bäuerlicher Hand in lebendigen Regionen.“

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