Pressemitteilung Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) vom 12.01.2011: Tierärztliche Hochschule Hannover verteidigt Massentierhalt

Tierärztliche Hochschule Hannover verteidigt Massentierhaltung

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert die niedersächsische Landesregierung auf, im Rahmen ihrer angekündigten „Tierschutz-Offensive“ auch eine Neuorientierung der bisher extrem agrarindustrie-lastigen Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover hin zur überfälligen Unterstützung artgerechter Tierhaltungsformen durchzusetzen. Wissenschaftler und Institutionen der TiHo hätten in der Vergangenheit bereits eine unrühmliche Rolle bei der Beschönigung der Käfighaltung von Legehennen und der Qualhaltung von Masthühnern gespielt. Überdies sei der Stiftungsrat der Hochschule eng verknüpft mit Befürwortern der Agrarindustrie und Vertretern der Schlachtkonzerne.

Als unerträglich kritisierte der AbL-Agrarindustrieexperte Eckehard Niemann in diesem Zusammenhang die erneute Schönfärberei der Massentierhaltung durch den TiHo-Präsidenten Gerhard Greif in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Darin habe dieser den sich ausweitenden Dioxinskandal als „Episode, durch die wohl keiner akut zu Schaden gekommen ist“ kleingeredet und davor gewarnt, die Futtermittelbetriebe „nicht durch zu viel Kontrolle zu erdrücken“. Zudem hatte Greif behauptet, die großen Tierfabriken arbeiteten im Gegensatz zu kleineren Betrieben „sehr kontrolliert und professionalisiert“.

Die AbL kritisierte auch Professor Jörg Hartung, den Leiter des Tierhygiene-Instituts der TiHO, wegen seiner Behauptung, die „heutige Form der Tierhaltung“ liefere kostengünstige, umweltverträgliche und mit dem Tierschutz zu vereinbarende Produkte“. „Wer so etwas angesichts der gängigen Qualhaltung von 22 Masthühnern je Quadratmetern auf ihrem Kot und der Eng-Haltung von Schweinen auf Spaltenböden ohne Stroh und ohne Auslauf behauptet“, so Eckehard Niemann, „der verhindert die Verbesserung dieser Haltungsbedingungen.“ Hartung, der kürzlich in einem Gutachten die Haltungsbedingungen in der Hühnermast und die damit systematisch verbundenen Fußballen-Entzündungen beschrieben hatte, weiche mit diesem „Kotau“ offensichtlich vor dem massiven Druck der Geflügelindustrie zurück.

Die AbL und das bundesweite „Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, so Niemann, setzten sich ein für ein Bauverbot von Stallanlagen oberhalb der Grenzen des Bundesimmissionsschutz-Gesetzes mit 1500 Schweinemastplätzen oder 30.000 Masthühnern. Diese gefährdeten die Gesundheit der Anwohner, die Umwelt und die Existenz  mittelständischer Tierhalter und seien zudem nicht rückbaubar auf eine bäuerliche Haltung mit eigener Futtergrundlage, mit Stroh und Auslauf für die Tiere. AbL-Sprecher Niemann forderte die Spitzenfunktionäre der Tierärztlichen Hochschule auf, sich ein Beispiel zu nehmen an dem Verantwortungsbewusstsein von jeweils 300 deutschen und niederländischen Professoren und Wissenschaftlern, die in einer Resolution die Forderung nach einem raschen Ausstieg aus der Massentierhaltung erhoben haben.

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