Pressemitteilung AbL: Mega-Tierfabriken von Tönnies und KTG Agrar in Russland – Alarmsignal für Strategiewechsel in der Schweinehaltung

Pressemitteilung

Mega-Tierfabriken von Tönnies und KTG Agrar in Russland – Alarmsignal für Strategiewechsel in der Schweinehaltung     

   

Tönnies- und KTG-Agrarfabriken in Russland – vorfinanziert durch EU-Flächensubventionen und niedrige Erzeugerpreise hiesiger Schweinehalter.
AbL Niedersachsen fordert „Klasse statt Masse“ in „Bauernhöfen statt Agrarfabriken“

Der Aufbau riesiger Agrarfabriken für zunächst eine Million Mastschweine in Russland durch den Tönnies-Fleischkonzern und den KTG-Biogas- und Landbau-Konzern ist nach Einschätzung des niedersächsischen Landesverbands der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) durch die seit Jahren ruinös niedrigen Schweinepreise in Deutschland sowie durch Flächen- und Biogas-Subventionen für agrarindustrielle Großbetriebe wie die KTG Agrar AG quasi „vorfinanziert“ worden. „Während agrarindustrie-geneigte Vertreter von Politik und auch Bauernverband den hiesigen Schweinemästern noch das Märchen einer Perspektive durch Fleischexporte nach Russland erzählten“, so der niedersächsische AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann, „bereiteten Tönnies und KTG längst den Ersatz dieser Exporte durch eine Produktion direkt in Russland vor.“

 

Die von den Schlachtkonzernen angeheizte Überschussproduktion für einige Drittlandsmärkte wie Russland und China, so AbL-Sprecher Ilchmann, sei damit definitiv gescheitert.  Sie sei ohnehin wegen der angestrebten Selbstversorgung dieser Länder perspektivlos – in Russland bauten derzeit Konzerne aus vielen Ländern weitere riesige Agrarfabriken auf. Ilchmann: „Zu  deutschen Kosten Überschüsse produzieren und diese dann zu den Billigpreisen der brasilianischen Konkurrenz auf dem Weltmarkt zu verkaufen – diese unsinnige Strategie ist mitverantwortllich für die seit Jahren nicht mehr kostendeckenden Schweinepreise!“

Die Konkurrenz der riesigen Tierfabriken, die nicht nur in Russland sondern auch hierzulande von Agrarindustriellen wie Straathof & Co. aufgebaut würden, droht nach AbL-Einschätzung binnen weniger Jahre die gesamte mittelständische Tierhaltung zu verdrängen. Umso mehr sei jetzt dringend eine Strategie angesagt, die nicht mehr auf agrarindustrielle Überschussproduktion für den sogenannten „Weltmarkt“ setze, sondern stattdessen klar auf „Klasse statt Masse“ für den heimischen Markt und einen entsprechenden Außenschutz.

 

Die gesellschaftliche Unterstützung für eine solche umwelt- und tiergerechte und flächengebundene Tierhaltung in mittelständisch-bäuerlichen Strukturen und ein enstsprechendes Umbauprogramm sei groß, auch für die Verhinderung weiterer Agrarfabriken und deren Überschussproduktion.  Die EU-Schweinehaltungs-Richtlinie verbiete zudem schon lange das Abschneiden der Ringelschwänze zwecks Anpassung der Tiere an eine agrarindustrielle Stresshaltung, ebenso schreibe die EU längst den Zugang der Tiere zu Stroh vor. All dies setze die EU-Kommission derzeit gegenüber allen EU-Ländern mit Androhung von Vertragsstrafen durch. Auch der Niedersächsische Tierschutzplan sei teilweise eine Reaktion auf diese Forderung nach einer EU-weiten artgerechten Tierhaltung, die bäuerliche Betriebe viel besser praktizieren könnten als Agrarfabriken.

 

3.150 Zeichen  –   02.10.2013  

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