Pressemitteilung: AbL gegen agrarindustrielle „Bio“-Legehennen-Anlagen in Meppen

Pressemitteilung: AbL gegen agrarindustrielle „Bio“-Legehennen-Anlagen in Meppen

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat die Stadt Meppen aufgefordert, ihre zweifelsohne vorhandenen Möglichkeiten zur Verhinderung zweier geplanter Legehennen-Anlagen mit insgesamt 36.000 Stallplätzen in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten, Schulen und Kindergärten zu nutzen. Die Deklaration der geplanten Anlagen als „Bio-Ställe“ könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier nicht um eine Bio-Tierhaltung in bäuerlichen Strukturen handele, sondern um Agrarindustrie-„Bio“ in Konzern-Abhängigkeit mit überdimensionierten Tierzahlen und darum auch mit gravierenden Belastungen der Anwohner durch Keim-, Geruchs- und Ammoniak-Immissionen. 

 

Im bundesweiten Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ seien auch zahlreiche Bürgerinitiativen organisiert, die sich erfolgreich gegen agrarindustrielle „Bio“-Anlagen wehrten und auch die Meppener Bürgerinitiative unterstützten. Während bei Bioland oder Demeter oder beim Neuland-Verband klare Stallplatz-Obergrenzen gelten würden, seien die Vorgaben anderer Bio-Verbände oder gar beim EU-„Bio“ offenbar viel lockerer, bei letzterem sei sogar eine Betriebsteilung in einen konventionellen und einen „Bio“-Teil möglich.

 

Die AbL verwies darauf, dass agrarindustrielle Geflügel-Konzerne mittlerweile auch in die Biobranche drängten und versuchten, abhängige Vertragslandwirte anzuwerben. Dieses Agrarindustrie-„Bio“ verdränge nicht nur bäuerliche Bio-Legehennenhalter vom Markt, sondern sei zumeist auch nur „Bio auf dem Papier“. Oberhalb einer bestimmten Zahl von Stallplätzen sei auch die angebliche „Freilandhaltung“ trügerisch, weil viele Tiere den Weg aus den großen Ställen und unübersichtlichen Herdenstrukturen ins Freiland gar nicht nutzen würden und auch die formal ausgewiesenen Freilandflächen nicht. Entweder seien diese wegen der hohen Tierzahlen viel zu weit vom Stall entfernt bzw. oft auch unattraktiv (ohne Strukturelemente zum Schutz vor Raubvögeln) gestaltet, um die Tiere im Stall zu halten.

 

Die AbL verwies auf zahlreiche Medienberichte über schlimme Zustände in solchen Agrarindustrie-„Bio“-Strukturen, die den Tausenden von wirklichen Biobauern massiv schadeten – sowohl hinsichtlich der Imageschäden für „Bio“ als auch wegen der Verdrängung wirklicher Biobauern vom Markt. Zudem sei bei solch agrarindustriellen Dimensionen das Problem der Emissionen nicht wesentlich geringer als das bei konventionellen Anlagen. In Holland habe eine vom Gesundheitsministerium finanzierte Studie in 1000 Metern Entfernung von Intensiv-Tierhaltungsanlagen eine deutliche Häufung von Erkrankungen gefunden.

 

Nach AbL-Einschätzung hat Meppen durch Flächennutzungs- und Bebauungspläne ausreichende Instrumente zur Verhinderung der geplanten Anlagen, der Landkreis als Genehmigungsbehörde zudem über die gebotene Anforderung von Keim-Immissions-Gutachten. Die angebliche Sorge vor Schadenersatzforderungen sei absolut unbegründet.

 

Die AbL warnte die Antragsteller vor der Vertragslandwirtschafts-Abhängigkeit von „Bio“-Geflügelkonzernen, deren Preisdruck nicht weniger ruinös ausfallen könne als bei konventioneller Vertragsabhängigkeit. Akzeptanz, Gestaltungsfreiheit und wirkliche Markt- und Einkommens-Chancen biete gerade aktuell der Einstieg in eine artgerechte Tierhaltung („Neuland“) bzw. eine bäuerliche Bioverbands-Tierhaltung in angemessenen Dimensionen mit deutlich höheren Preisen – ob mit oder auch ohne Regional- oder Direktvermarktung.  

3.495 Zeichen     –   17.01.2013

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