NZZ Online vom 07.01.2011: Schon länger Dioxin in deutschem Tierfutter

NZZ = Neue Züricher Zeitung

7. Januar 2011, 10:11, NZZ Online

Schon länger Dioxin in deutschem Tierfutter

Bereits im März Laborbefund – 4700 gesperrte Betriebe

In Deutschland sind mit Dioxin verseuchte Futterfette schon vor Monaten zu Tierfutter verarbeitet worden. Immer mehr Betriebe werden vorsorglich geschlossen.

(ddp/sda/Reuters) In Deutschland sind mit Dioxin verseuchte Industriefette über einen längeren Zeitraum zu Tierfutter verarbeitet worden als bis jetzt bekannt.

Bereits im März habe ein privates Labor in einer Probe für den Futtermittellieferanten Harles und Jentzsch zu viel Dioxin festgestellt, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums Schleswig-Holstein und bestätigte damit einen Bericht der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung». Der Betrieb habe das Problem nicht gemeldet, was ein klarer Rechtsverstoss sei.

Vermutlich keine Gefahr für Konsumenten

Die zulässige Höchstmenge von 0,75 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm Fett sei um mehr als das Doppelte überschritten worden. Es sei damit nicht verkehrsfähig gewesen, sagte der Sprecher. Die Behörden hätten erst Ende Dezember von der Grenzwertüberschreitung erfahren. Eine Gefahr für Konsumenten habe vermutlich aber nicht bestanden, weil bei der weiteren Vermischung des belasteten Fettes zu Tierfutter die Höchstgrenze wieder unterschritten worden sein dürfte.

Wegen des Dioxin-Skandals sind in Deutschland inzwischen mehr als 4700 Betriebe vorsorglich geschlossen worden. Betroffen sind nach Angaben des Ministerium für Konsumentenschutz in Berlin vor allem Schweinemastbetriebe.

Die allermeisten Höfe – nämlich 4468 von insgesamt 4709 – befinden sich gemäss der Mitteilung in Niedersachsen. Auch Bauern in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Hessen und Thüringen sind betroffen.

Vorerst keine Auslieferungen

Sie dürfen so lange keine Produkte ausliefern, bis die Unbedenklichkeit der Waren erwiesen ist. Nach Ermittlungen wurden Tausende Tonnen Futterfett verarbeitet, das mit dem giftigen Dioxin verunreinigt war. Anschliessend wurde es zu Mischfutter weiterverarbeitet.

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Produkte wie Fleisch oder Eier werden gemäss dem Ministerium vorsorglich gesperrt, wenn sie möglicherweise mit kontaminiertem Futter hergestellt wurden.

Bauernpräsident fordert Schadensfonds

Der Präsident des Bauernverbandes fordert von der Futtermittelindustrie einen Schadensfonds in Millionenhöhe. Die Futtermittel-Lieferanten sollten die Zeche für den Skandal zahlen, sagte Gerd Sonnleitner der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Er rechne für die betroffenen Bauern mit einem Schaden von 40 bis 60 Millionen Euro pro Woche. Vor allem Betriebe, die unschuldig in den Sog des Skandals gezogen würden, machten ihm grosse Sorgen. Juristisch könne dafür niemand haftbar gemacht werden, sagte Sonnleitner. «Deshalb muss die Futtermittelindustrie sobald wie möglich einen Schadensfonds auflegen, der jährlich mindestens eine dreistellige Millionensumme umfassen müsste.»

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