NDR Internetseite 01.12.2010: Profitiert Grotelüschen von Billiglöhnen?

Stand: 01.12.2010 17:01 Uhr

Profitiert Grotelüschen von Billiglöhnen?

Die Familie von Agrarministerin Grotelüschen verdient ihr Geld mit der Putenmast. (Archivfoto) Nach Informationen des NDR Magazins „Menschen und Schlagzeilen“ ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen einen Schlachtbetrieb, an dem die Familie der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (CDU) unternehmerisch beteiligt ist. „Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur illegalen Beschäftigung und zur illegalen Arbeitnehmer-Überlassung  in einem Schlachtbetrieb in Wildeshausen“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Frauke Wilken. NDR Recherchen ergaben, dass es sich bei dem Betrieb um die Geestland Putenspezialitäten GmbH und Co. KG in Wildeshausen handelt.

Bereits im August 2010 durchsuchten die Ermittlungsbehörden den Schlachthof. Der Familienbetrieb von Ministerin Grotelüschen ist an dem Schlachthof als Gesellschafter und Kommanditist beteiligt. Die Kommanditisten-Einlage beträgt rund zwei Millionen Euro.

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Billiglohn-Arbeiter in Mastbetrieb?

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen einen Schlachtbetrieb, an dem die Familie der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Grotelüschen beteiligt ist.

Bulgarische Arbeiter im Fokus

„Familie Grotelüschen profitiert von den Gewinnen, die bei Geestland gemacht werden“, sagte Arbeitsrechtler Frank Lorenz, dem die Recherche-Ergebnisse vorliegen, im Gespräch mit „Menschen und Schlagzeilen“. „Und auch von Gewinnen, die möglicherweise durch illegale Arbeitnehmer-Überlassung und durch Lohndumping zu Lasten osteuropäischer Beschäftigter gemacht werden.“ In der Putenschlachterei sind unter anderem bulgarische Arbeiter aus einem bulgarischen Subunternehmen beschäftigt. Nach Angaben von Geestland sind diese mit einem Werkvertrag in Wildeshausen tätig.

Eine Frage des Rechts

Etliche niedersächsische Betriebe setzen auf die Putenmast. Nach geltendem Recht dürfen Arbeitnehmer aus den neuen EU-Ländern über Werkverträge in deutsche Unternehmen entsandt werden, um dort eigenständig ein Gewerk des Betriebs zu erfüllen – zu bulgarischen Bedingungen und Löhnen. Illegal ist jedoch, wenn diese Arbeiter darüber hinaus in den Betrieb eingegliedert werden, in dem sie beispielsweise den gleichen Tätigkeiten nachgehen, wie die deutschen Angestellten. „Wenn reguläre Stammbeschäftigte und diese sogenannten Werkvertrags-Arbeiter zusammenarbeiten, am selben Arbeitsergebnis arbeiten, dieselben Aufgaben durchführen, dann sind das ganz starke Hinweise dafür, dass wir eine Eingliederung in den Betrieb haben. Dann haben wir an der Stelle auch eine illegale Arbeitnehmer-Überlassung“, urteilt Arbeitsrechtler Lorenz.

„Man fühlt sich nicht als Mensch“

Nach den Recherchen des NDR haben im Betrieb von Geestland Deutsche, Russen, Polen und Bulgaren nebeneinander gearbeitet. „Wir haben alle dasselbe gearbeitet“, so bulgarische Arbeiter gegenüber „Menschen und Schlagzeilen“. Die Bulgaren verdienten dabei einen Bruchteil von dem, was ihre deutschen Kollegen erhalten. Man zahle ihnen einen Stundenlohn von vier bis fünf Euro. Oft arbeiteten sie bis zu 16 Stunden am Tag: „Man fühlt sich nicht als Mensch. Wir werden wie Roboter behandelt.“

Garlich Grotelüschen, Ehemann der Ministerin, führt den familieneigenen Betrieb. (Archivfoto) Der Familienbetrieb der niedersächsischen Ministerin, die Mastputen-Brüterei Ahlhorn GmbH & Co. KG,  ist mit fast 14 Prozent an der Putenschlachterei Geestland beteiligt. Geschäftsführer ist Garlich Grotelüschen, der Ehemann der Ministerin. Vor ihrer Berufung zur  Ministerin war Astrid Grotelüschen Prokuristin bei der Mastputen-Brüterei. Noch immer arbeitet sie als Beraterin für das Unternehmen. Die Agrarministerin wollte sich gegenüber „Menschen und Schlagzeilen“ auf Anfrage zu den Ermittlungen und zur Familienbeteiligung nicht äußern.

Stundenlohn zwischen vier und fünf Euro netto

Die Geestland Putenspezialitäten GmbH hingegen bestätigte dem NDR die Durchsuchung in ihrem Betrieb. Der Vorwurf der illegalen Beschäftigung sei ihr jedoch nicht bekannt. Bisher läge von den Behörden keine Stellungnahme vor. Zudem bestätigte das Unternehmen die Stundenlöhne zwischen vier und fünf Euro netto. Dem Unternehmen lägen keine Informationen vor, wonach Arbeitszeiten überschritten worden wären.  Eine Vermischung von Arbeitskräften habe es nach ihren Erkenntnissen nicht gegeben.

Quelle: Internetseite NDR vom 01.12.2010

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