NDR Hörfunk – NDR Info 25.10.2010: „Antibiotika-Einsatz bei Masthühnern steigt“

25.10.2010 06:00 Uhr

Antibiotika-Einsatz bei Masthühnern steigt

von Ilka Steinhausen

Hühnerfleisch ist fettarm, gesund und relativ preisgünstig. So ist der Verbrauch in den vergangenen Jahren immer mehr gestiegen, die Verbraucher kaufen gern ein halbes Hähnchen vom Grill. Doch wie die Hähnchen hergestellt werden, darüber machen sich die wenigsten Verbraucher wirklich Gedanken. Jetzt bestätigte das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium NDR Info, dass Mäster immer mehr Antibiotika einsetzen.

Masthähnchen © dpa picture alliance Fotograf: PHILIPPE MERLE Detailansicht des Bildes In der Mast leben auf einem Quadratmeter 24 Hühner. In der konventionellen Hähnchenhaltung setzen Mäster immer mehr Antibiotika ein. Nach Angaben des Niedersächsischen Landwirtschaftministeriums wurden vor zehn Jahren im Schnitt 1,7 Behandlungen angewendet, heute sind es etwa 2,3 Behandlungen pro Mastdurchgang. Die Leiterin der Abteilung Verbraucherschutz und Tiergesundheit, Heidemarie Helmsmüller, sagte NDR Info, dass in der Massentierhaltung der Einsatz von Antibiotika die Regel sei. Ohne Einsatz der Mittel schafften es die Hühner in großen Ställen häufig nicht, bis zum Ende ihrer Mastzeit zu überleben, so Helmsmüller.

Die Tiere bekommen, wie auch in der Humanmedizin, im Rahmen einer Behandlung mehrere Tage Antibiotika. Der ehemalige Leiter des Veterinäramtes in Cloppenburg, Hermann Focke, geht davon aus, dass die tatsächlichen Antibiotika-Gaben bundesweit wesentlich höher sind. Er bezieht sich auf Informationen aus dem Ministerium, die in einer tierärztlichen Fachzeitschrift veröffentlicht wurden. Demnach sind sogar drei bis sechs Antibiotika-Behandlungen nicht selten. „Deswegen können wir davon ausgehen, dass Masthähnchen nicht selten rund zwei Drittel ihrer Lebenszeit Antibiotika bekommen – sie leben ja nur 32 Tage“, sagte Focke.

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Truthähne - Massentierhaltung © picture-alliance

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Antibiotika in der Hühnerhaltung die Regel

25.10.2010 | 06:00 Uhr

In der konventionellen Hähnchenhaltung setzen Mäster immer mehr Antibiotika ein. Das bestätigte das niedersächsische Landwirtschaftministerium NDR Info. Ilka Steinhausen berichtet.

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Genaue Zahlen, wie viele Medikamente insgesamt in Deutschland eingesetzt werden, gibt es nicht. Von 2012 an soll nach einer Bundesverordnung eine Datei erfassen, in welche Postleitzahlenregion wie viele Medikamente geliefert werden. Eine Ausnahme wird es in der Geflügelbranche geben. Hier wird nicht aufgeschlüsselt, wohin die Medikamente geliefert werden. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind datenschutzrechtliche Bedenken der Grund dafür.

Mehrere Tierärzte bezweifelten gegenüber NDR Info diese Begründung. „Dass es ausgerechnet in der Geflügelbranche keine aufgeschlüsselten Daten geben soll, ist ein Skandal“, sagte der Veterinär Rupert Ebner. Seiner Meinung nach dürfte hier die Geflügelwirtschaft viel Druck auf die Politik ausgeübt haben. Auch das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium hätte detaillierte Zahlen begrüßt, so Helmsmüller. Zu starker Einsatz von Antibiotika kann bei Menschen dazu führen, dass sie Resistenzen bilden, also die Mittel im Falle einer Krankheit wirkungslos sind.

Trotz Verbots höherer Antibiotika-Verbrauch

Geflügelschlachthof © ITAR-TASS/ (c) dpa - Report Fotograf: Tass Sysoyev Grigory Detailansicht des Bildes Masthühnchen leben nur etwa einen Monat, bevor sie im Schlachthof enden. Niedersachsen ist das Bundesland mit der größten Geflügeldichte, allein dort stehen mehr als die Hälfte aller Hühnermastbetriebe in Deutschland. Der Verzehr von Hähnchenfleisch ist in den vergangenen Jahren immer mehr gestiegen. Die sogenannte Besatzdichte bei Masthähnchen liegt bei 39 Kilo. Das heißt: Auf einem Quadratmeter leben rund 24 Hühner. Je enger es in den Ställen wird, desto höher ist das Risiko für Krankheiten.

Seit 2006 dürfen Mäster Antibiotika nicht mehr als Wachstumsförderer verfüttern, der Tierarzt gibt Medikamente nur noch, wenn Tiere krank sind. Trotzdem ist der Verbrauch an Antibiotika gestiegen. Auch wenn nur wenige Hühner krank sind, bekommen alle Tiere die Mittel, meistens leben mehrere Zehntausend in einem Stall. „So gibt es zwar ein Verbot für Antibiotika als Wachstumsförderer, aber trotzdem wird mehr Antibiotika gegeben – das ist absurd und gefährlich für den Menschen“, sagte Veterinär Ebner NDR Info.

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