Presseartikel 14.11.2012

HAZ CZ 14.11.2012 INITIATIVEN HOFEN AUF NEUE GESETZE

 

 Calenberger Online News (CON) 14.11.2012:

 

taz 14.11.2012:

VERANTWORTUNG FÜR DIE SCHÖPFUNG

Klare Ansagen von der Kanzel

KOMMENTAR VON GERNOT KNÖDLER

Einige niedersächsische Pastoren haben sich offenbar dazu hinreißen lassen, ihren Gemeinden von der Kanzel aus ins Gewissen zu reden. Das hat jetzt den organisierten Widerstand des Landvolks auf den Plan gerufen. Dessen Sprecher Helmut Brachtendorf ruft die Mitglieder dazu auf, polternde Pastoren zu melden – und verrät damit, wie es offenbar aus Sicht der Bauernschaft in der Kirche zugeht: top-down, vom Übergeordneten zum Untergeordneten.

Es hat schon einen sehr seltsamen Beigeschmack, wenn sich Brachtendorf aus allen Gemeinden berichten lassen will, wie die Pfarrer sich dort zu den Methoden der Landwirtschaft geäußert haben. Vermutlich ist das nicht in denunziatorischer Absicht geschehen. Sondern mit dem Ziel, im Gespräch mit dem Landesbischof Ralf Meister eine Argumentationshilfe zu haben.

Aber was erwartet sich das Landvolk vom Meinungsaustausch mit dem Bischof? Letztlich wohl doch eine kleine Handreichung für die Pastoren: Nicht so weit aus dem Fenster lehnen – und bei den „objektiven und wahren Fakten“ des Landvolks bleiben.

Meister kann froh sein, dass einige seiner Pastoren Position bezogen und sich mit Teilen ihrer Gemeinden angelegt haben. Wer seine Verantwortung für die Schöpfung ernst nimmt, kommt nicht darumherum, Klartext zu reden. Woran die Kirche leidet, sind bestimmt nicht gar zu konfliktfreudige Pastoren – eher zu viel Weichspüler.

 

PFAFFENLEGEN

Kein Gott für arme Säue

Niedersachsens Bauernvertretung mobilisiert gegen Pastoren, die sich „überzogen“ kritisch zur industriellen Landwirtschaft äußern. Die Grünen im Land erkennen darin einen „Aufruf zur Denunziation“.VON THOMAS SCHUMACHER

Solche Zustände sollen Pastoren als gottgewollt erkennen – der Mensch soll sich die Natur untertan machen. Bild:  dpa

Helmut Brachtendorf versteht die Welt nicht mehr: „Man kann die moderne Landwirtschaft doch nicht in Bausch und Bogen verdammen“, erregt sich der Sprecher des Landvolks Niedersachsen. Das Landvolk ist die Interessenvertretung von 80.000 Bauern im Land. Einige von denen fühlten sich in den letzten Erntedank-Gottesdiensten persönlich angegriffen: Mit Argumenten der Tierschutzorganisation Peta sollen Pastoren von der Kanzel gegen Antibiotika in Schweine- und Rindfleisch, gegen Massentierhaltung, Turbomast und verseuchte Lebensmittel gewettert haben. „Wofür sollen wir an Erntedank dem Herrn eigentlich noch danken“, soll ein Geistlicher gefragt haben.

Flugs schrieb Brachtendorf einen Rundbrief an alle ÖffentlichkeitsarbeiterInnen des Landvolks: „Wenn es in Ihrem Umfeld seitens der Kirchen ebenfalls ungerechtfertigte und überzogene Kritik gegeben hat, bitten wir darum, uns dies mitzuteilen.“ Denn, so der Sprecher des Landvolkes, seine Organisation stünde im Dialog mit der Landeskirche, da wolle er diese Thematik ansprechen.

„Eine klare Drohung“

„Das ist eine klare Drohung. Das Landvolk ruft zu Denunziation auf. Hoffentlich lässt sich der Landesbischof davon nicht beeindrucken“, empört sich die kirchenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Meta Janssen-Kucz. Der angesprochene Bischof der Hannoverschen Landeskirche, Ralf Meister, lässt gegenüber der taz pastoral verlauten, dass die Landessynode „ein differenziertes Positionspapier“ erstellt habe und an einer Diskussion „mit allen Verbänden und Interessenvertretungen“ interessiert sei.

„Diese Meinungsbildung zu fördern und zu begleiten, ist unser Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung“, so Meister weiter. Sein Sprecher Johannes Neukirch interpretiert das so: „Die Landeskirche wird keine Maulkörbe gegen ihre PastorInnen verhängen.“

Landvolk-Sprecher Brachtendorf weist den Vorwurf der Denunziation weit von sich. „Wir erwarten keine Konsequenzen von der Kirche. Wir wollen nur objektive und wahre Fakten kommunizieren.“ Der Bischof sei schon eingeladen, im nächsten Jahr einen großen Veredelungsbetrieb zu besuchen. „Wir wollen doch nur ein Meinungsbild erstellen, wie massiv und wie qualifiziert die Öffentlichkeit die moderne Landwirtschaft kritisiert.“ Von einer Kampagne könne keine Rede sein.

Allerdings, gibt Brachtendorf zu, habe es schon im September einen ähnlichen Aufruf an die ÖffentlichkeitsarbeiterInnen des Landvolks gegeben. Damals sollten sie Schulbücher nach Kritik an der modernen Landwirtschaft durchflöhen. „In Schulbüchern zeichnen Texte über die moderne Landwirtschaft aus fachlicher Sicht selten ein realistisches Bild“, heißt es in dem Aufruf. „Häufig ist die Darstellung realitätsfern bis katastrophal oder schlichtweg lausig recherchiert. Wir bemühen uns hierbei fortlaufend um Veränderung.“

Teure Seminare

Das Landvolk hat das Institut „Information Medien Agrar“ beauftragt, Schulbücher systematisch nach Kritik an der Landwirtschaft zu durchsuchen. Außerdem bietet die Bauernvertretung regelmäßig teure Seminare und Materialien an, die als Argumentationshilfen gegen Kritik an Massentierhaltung und Biogasanlagen dienen sollen.

 

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