Presseartikel 19.05.2012

HAZ LZS 19.05.2012 HÄHNCHENMAST: BÜRGER WOLLEN NICHT AUF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deister Aktuell 19.05.2012:

Der Weg für geplante Hähnchenmastanlage in Groß Munzel ist frei

Gericht sieht keine Gesundheitsgefahren / Bürgerinitiative vergleicht bestehendes Risiko mit Asbest

GROß MUN­ZEL/HAN­NO­VER (tau). Die Hähn­chen­ma­st­an­lage in Groß Mun­zel kann ab so­fort ge­baut wer­den. Das hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver diese Wo­che ent­schie­den. Der Land­wirt Arnd von Hu­go, der die An­lage so schnell wie mög­lich um­set­zen möch­te, hatte ge­gen die Re­gion ge­klagt, die auf­grund von Ein­sprüchen vie­ler An­woh­ner Ende letz­ten Jah­res einen vor­ü­ber­ge­hen­den Bau­stopp ver­hän­gen ließ.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver hat die Sach­lage nun ge­prüft und ist zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass keine Ge­sund­heits­ge­fahr für die An­woh­ner be­stehe und Grenz­werte hin­sicht­lich der Staub­be­las­tung ein­ge­hal­ten wür­den. Ein Bau­stopp sei da­her un­zuläs­sig. Mit dem Rich­ter­spruch zeigt sich die Re­gion Han­no­ver zu­frie­den. Spre­cher Klaus Abel­mann hält die Ent­schei­dung gar für wert­voll und be­grüßt, dass end­lich Klar­heit herr­sche. „Das Ge­richt ist tief in die Ma­te­rie ein­ge­drun­gen und hat fest­ge­stellt, dass keine re­le­van­ten Ge­fah­ren für An­woh­ner be­ste­hen“, so Abel­mann. Ge­gen das Ur­teil werde die Re­gion trotz des Streit­wer­tes von 150.000 Euro und an­fal­len­den Pro­zess­kos­ten für die Re­gion in Höhe von etwa zehn Pro­zent keine wei­te­ren Rechts­mit­tel ein­le­gen.

Darü­ber kann Mi­chael Hett­wer von der Bür­ger­in­itia­tive Mun­zel nur mit dem Kopf schüt­teln. „­Die Re­gion ver­liert vor Ge­richt und münzt die durch­aus teure Nie­der­lage als Er­folg um­“, so Hett­wer. Als fa­ta­len Irr­tum be­zeich­net er die rich­ter­li­che Ent­schei­dung, die aus sei­ner Sicht nur auf Grund­lage ver­al­te­ter Da­ten zu Stande kom­men konn­te. Wis­sen­schaft und For­schung seien in der Frage der Ge­sund­heits­ge­fahr in­zwi­schen viel wei­ter. Stu­dien aus Ut­recht/­Nie­der­lande und Upp­sa­la/Schwe­den, so­wie von Dr. Fein aus Nor­den wür­den ein an­de­res Bild der Lage zeich­nen, als die beim Ver­fah­ren dis­ku­tier­ten Gut­ach­ten, so Hett­wer. Den­noch habe selbst der Rich­ter zu­ge­ben müs­sen, dass die Be­wer­tung der Sach­lage in fünf bis zehn Jah­ren wahr­schein­lich an­ders aus­se­he. Für den Vor­sit­zen­den der Bür­ger­in­itia­tive ist da­her klar: „Hier wie­der­holt sich die Ge­schich­te.“ Keime und Staub, die durch die Mas­sen­tier­hal­tung ver­ur­sacht wer­den und in die Luft ge­lan­gen, wer­den ähn­lich un­ter­schätzt wie sei­ner­zeit die Ge­fah­ren von As­best, so Hett­wer. Er be­fürch­tet nun eine Si­gnal­wir­kung, die von dem Ur­teil aus­ge­hen könn­te. „­Land­wirte wer­den jetzt ver­stärkt in der Re­gion den Bau von Mast­stäl­len vor­an­trei­ben wol­len und die Be­den­ken der Bür­ger mit Ver­weis auf die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts zurück­wei­sen“, so Hett­wer. Be­güns­tigt werde der nun mög­li­che Bau­boom auch durch Sub­ven­tio­nen der EU, ohne die ein Be­trieb sol­cher rie­si­gen An­la­gen gar nicht pro­fi­ta­bel wäre.

Die Bür­ger­in­itia­ti­ven wol­len sich un­ter­des­sen wei­ter­hin dafür ein­set­zen, dass ver­al­tete Nor­men und Re­gel­werke ü­ber­ar­bei­tet und neue Er­kennt­nisse end­lich an­er­kannt wer­den, er­klärt Hett­wer. Zu die­sem Zweck schließen sich an die­sem Wo­chen­ende in Großen­kne­ten bei Bre­men etwa 80 In­itia­ti­ven und Ver­bände zu ei­nem lan­des­wei­ten Netz­werk zu­sam­men. Dies re­prä­sen­tiere dann rund 250.000 Men­schen, die mit Blick auf die Mas­sen­tier­hal­tung, wie Mi­chael Hett­wer sagt, „sch­licht die bes­se­ren Ar­gu­mente ver­tre­ten.“

vom 19.05.2012 | Ausgabe-Nr. 20B