Presseartikel 30.07.2011

DLZ 30.07.2011 LESERBRIEF GERHARD v. BERCKEFELDT BARSINGHAUSEN

 

 

 

 

 

 

Deister Aktuell vom 30.07.2011:

Umweltminister kann Bedenken nicht ausräumen

Hans-Heinrich Sander: Keine rechtlichen Gründe gegen die Mastanlage / Scharfe Kritik der Bürgerbewegung

GROSS MUN­ZEL (ta). Im Land­g­ast­hof Hül­se­mann ging es am Diens­tag­abend hoch her. Grund war eine Vor­trags- und Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung des FDP-Stadt­ver­bands, zu der Nie­der­sach­sens Um­welt­mi­nis­ter Hans-Hein­rich San­der (FDP) als Haupt­red­ner ein­ge­la­den war.

Ganz oben auf der Ta­ges­ord­nung stand natür­lich das heiß um­strit­tene Thema Mas­sen­tier­hal­tung und spe­zi­ell die Er­rich­tung von zwei großen Ma­st­an­la­gen in Groß Mun­zel und De­den­sen. Da sich un­ter den knapp 70 Teil­neh­mern nicht nur An­hän­ger und Par­tei­mit­glie­der der Li­be­ra­len, son­dern auch zahl­rei­che Geg­ner der bei­den Pro­jekte be­fan­den, ent­wi­ckelte ein hef­ti­ger Schlagab­tausch, in des­sen Ver­lauf der Mi­nis­ter nicht we­nig Kri­tik ein­ste­cken muss­te. San­der er­klärte sei­nen Stand­punkt, nach dem er keine recht­li­chen Gründe ge­gen den Bau ei­ner Hähn­chen­mast durch den Land­wirt Arnd v. Hugo er­ken­nen kön­ne. Eine sol­che An­lage sei viel­leicht in der Be­völ­ke­rung nicht be­liebt, trotz­dem habe ein Un­ter­neh­mer das Recht, sein Vor­ha­ben in die Tat um­zu­set­zen. Auch lä­gen hierzu keine im­mis­si­ons­schutz­recht­li­chen Hin­de­rungs­gründe vor, so San­der wei­ter. Wie­viele der­ar­ti­ger Ma­st­an­la­gen in der Re­gion Han­no­ver noch ge­baut wür­den, könne er nicht sa­gen, er emp­fehle aber al­len An­trag­stel­lern, aus de­ren Ei­gen­in­ter­esse für die In­stal­lie­rung ei­nes bio­lo­gi­schen Luft­fil­ters zu sor­gen. Das Ver­fah­ren zur Ge­neh­mi­gung der Mun­zel­ner An­lage sei Sa­che der Re­gion. San­der stellte klar, dass die vor­ge­brach­ten Be­schwer­den und Ein­wen­dun­gen be­züg­lich ei­ner un­sach­gemäßen Be­hand­lung der Pro­ble­ma­tik aus sei­ner Sicht nicht zu­trä­fen. Viel­mehr han­dele es sich bei den Ein­sprüchen um reine For­ma­litäten. Da­her sei es auch nicht ak­zep­ta­bel, das be­tref­fende Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren in die Länge zu zie­hen, eine Ent­schei­dung werde ge­fällt wer­den, kün­digte San­der an. Ähn­lich äußerte sich der Re­gi­ons­ab­ge­ord­nete und FDP-Frak­ti­ons­vor­sit­zende im Bar­sin­g­häu­ser Rat, Bern­hard Kloc­kow, wel­cher der Re­gion vor­warf, die Ge­neh­mi­gung in ei­ner un­ge­wöhn­li­chen Form be­hin­dert zu ha­ben. Mi­chael Hett­wer, Vor­sit­zen­der der Bür­ger­in­itia­tive Mun­zel (BIM) und Ver­tre­ter von 14 In­itia­ti­ven in der Re­gion, rea­gierte mit Empörung auf die Dar­le­gun­gen des Um­welt­mi­nis­ters.

Diese seien eine reine An­rei­hung von Plat­titü­den. Warum San­der aus­sch­ließ­lich ü­ber die Rechte des An­trag­stel­lers und nicht ü­ber die Sor­gen der Men­schen spre­che, wollte Hett­wer wis­sen. „Natür­lich kön­nen Po­li­ti­ker eine an­dere Mei­nung ver­tre­ten, als es die Ge­setze her­ge­ben. Die Men­schen vor Ort ha­ben Angst vor ei­ner Ver­seu­chung des Grund­was­sers und da­mit sol­che Stall­bau­ten ver­hin­dert wer­den, gibt es nun ein­mal Bür­ger­in­itia­ti­ven.“ Der Mi­nis­ter habe wohl ver­ges­sen, dass er dem im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Um­welt­schutz ver­pflich­tet sei. Zu­dem wür­den ver­schie­dene Sta­tis­ti­ken be­le­gen, dass dort, wo Mas­sen­tier­hal­tung statt­fin­de, eine er­heb­li­che Ver­schlech­te­rung der Was­ser­qua­lität ein­ge­tre­ten sei. Auch dies müsse San­der ei­gent­lich be­kannt sein, schimpfte Hett­wer. In die selbe Rich­tung zielte eine Frage ei­nes Bür­gers aus Hol­ten­sen, der wis­sen woll­te, wer ei­gent­lich prü­fe, in­wie­fern das Grund­was­ser ü­ber die Luft­ver­schmut­zung und das Aus­brin­gen des Tier­kots ge­fähr­det wer­de. Land­wirt Arnd v. Hugo kon­terte mit der gel­ten­den Dün­ge­ver­ord­nung. Es werde also ge­prüft, so v. Hu­go, außer­dem wür­den durch die Ma­st­an­lage keine Keime ü­ber Luft ver­brei­tet.

San­der si­cherte eine Klärung, ob der Bau ei­nes sol­chen Groß­stalls in ei­nem Was­ser­schutz­ge­biet rech­tens sei, zu, wies aber gleich­zei­tig dar­auf hin, dass keine Grenz­werte für Keime exis­tier­ten und dass bis­her in an­de­ren Land­krei­sen keine Ver­schlech­te­rung der Was­ser­qua­lität fest­zu­stel­len sei. Zu den fol­gen­den Dis­kus­si­ons­the­men An­sied­lun­gen von zu­sätz­li­chen Lo­gis­tik­un­ter­neh­men und Land­schafts­schutz wollte San­der sich nicht aus­führ­li­cher äußern, weil die Sach­ver­halte in die Zu­stän­dig­keit der Re­gi­ons­ver­wal­tung fie­len. Man müsse aber dar­auf ach­ten, dass die „­grüne Dik­ta­tur“ nicht die Wirt­schaft­lich­keit so­wie Ar­beitsplätze ge­fähr­de. Diese Zurück­hal­tung brachte ihm al­ler­dings den Spott des stell­ver­tre­ten­den SPD-Vor­sit­zen­den, Bernd Gro­nen­berg, ein. „Warum sind sie ei­gent­lich nach Groß Mun­zel ge­kom­men, wenn sie noch nicht ein­mal zu den be­ste­hen­den Vo­gel­rast­ge­bie­ten Stel­lung neh­men kön­nen“, fragte Gro­nen­berg. Bern­hard Kloc­kow be­tonte wie­der­um, dass die Aus­wei­tung von Land­schafts­schutz­ge­bie­ten nicht die Ent­wick­lung von Bau- und Ge­wer­be­ge­bie­ten be­hin­dern dür­fe. Da­her sollte den be­tref­fen­den Kom­mu­nen zukünf­tig ein Kla­ge­recht ein­geräumt wer­den, so Kloc­kow. Fo­to: ta

vom 30.07.2011 | Ausgabe-Nr. 30B

 

Regionale Bürgerinitiative in Netzwerk aufgenommen

HAN­NO­VER (e­d). Auf der 3. Bun­des­ver­samm­lung des Netz­werks „­Bau­ern­höfe ge­gen Agrar­fa­bri­ken“ am Sonn­abend, dem 25. Ju­ni, in Han­no­ver wurde die CI–­Ca­len­ber­ger In­itia­ti­ven ein­stim­mig in das Ko­or­di­na­ti­ons­team des bun­des­wei­ten Zu­sam­menschlus­ses, in dem sich weit ü­ber 100 Bür­ger­in­itia­ti­ven ge­gen Mas­sen­tier­hal­tung ver­netzt ha­ben, ge­wählt. Wie CI-Spre­cher Mi­chael Hett­wer dazu er­klär­te, sieht man dies als wei­te­ren Schritt zu ei­ner noch en­ge­ren Zu­sam­men­ar­beit der Bür­ger­in­itia­ti­ven an. „Umso mehr als große, ein­fluss­rei­che und krea­tive Or­ga­ni­sa­tio­nen und Ver­bände wie BUND, pro­Vieh, der Deut­sche Tier­schutz­bund, der evan­ge­li­sche Ent­wick­lungs­dienst und die Al­bert Schweit­zer-Stif­tung den Kampf ge­gen die un­se­lige agra­r­in­dus­tri­elle Mas­sen­tier­hal­tung nach Kräf­ten un­ter­stüt­zen. Da­mit er­gibt sich für uns eh­ren­amt­lich Tätige in den Bür­ger­in­itia­ti­ven ein Ge­gen­pol zu den mit ho­hen fi­nan­zi­el­len Mit­teln aus­ge­stat­te­ten Ap­pa­ra­ten der Agrar­lob­by, des Deut­schen Bau­ern­ver­ban­des und dem Land­volk in Nie­der­sach­sen.“

Man werde jetzt noch in­ten­si­ver und bes­tens un­ter­stützt Po­li­ti­ker, Ver­wal­tun­gen und die Ver­tre­ter des Land­volks auf die großen Ge­fah­ren die sich aus der in­dus­tri­el­len Mas­sen­tier­hal­tung er­ge­ben, auf­merk­sam ma­chen und auf Ver­än­de­run­gen drän­gen. Die Be­völ­ke­rung in den durch die ge­plan­ten Mast­ställe be­trof­fe­nen Orte Groß Mun­zel, De­den­sen, Boitz­um, Wen­nig­sen und Pat­ten­sen will man noch aus­führ­li­cher ü­ber die zu er­war­ten­den Ge­fah­ren auf­klären.

Und soll­ten wei­tere Mas­sen­tier­hal­tungs­an­la­gen ge­plant wer­den, will man auch in die­sen Or­ten den dort be­trof­fe­nen Ein­woh­nern Un­ter­stüt­zung ge­ben. Man sei in der CI of­fen für wei­tere neue In­itia­ti­ven und wird in Kürze eine wei­tere Bür­ger­in­itia­tive aus dem Raum Hil­des­heim als neues Mit­glied be­grüßen kön­nen. „­Diese Mas­sen­be­we­gung ge­gen agra­r­in­dus­tri­elle Mast ist nicht mehr um­kehr­bar. Alle Po­li­ti­ker und die Ver­tre­ter vom Land­volk soll­ten diese ge­sell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen zur Kennt­nis neh­men und dar­auf ent­spre­chend rea­gie­ren. Es geht per se nur mit, aber auf Dauer nicht ge­gen­ein­an­der“, ap­pel­liert Hett­wer.

vom 30.07.2011 | Ausgabe-Nr. 30B

 

HILDESHEIMER ALLGEMEINE ZEITUNG VOM 30.07.2011 (Zum Lesen nachfolgenden Link bitte anklicken):

HAZ DA 30.07.2011 INITIATIVE WILL BIOGASANLAGE MIT UNTERSCHRIFTEN STOPPEN