Presseartikel 26.02.2011

DLZ 26.02.2011 "RECHTSGEBUNDENE ENTSCHEIDUNG OHNE POLITISCHEN ZUSAMMENHANG"

Wunstorfer Stadtanzeiger vom 26.02.2011:

Weiter auf Konfrontationskurs unterwegs

Bürgerinitiative Munzel stellt sich gegen den Bau einer Mastanlage

DE­DEN­SEN (e­w). Die BIM (Bür­ger­In­itia­tive Mun­zel) stellt sich ent­schie­den ge­gen den, in Tei­len der Presse be­kannt­ge­wor­de­nen Plan des Land­wir­tes Arend Ko­kemül­ler, in der Nähe von Hol­ten­sen einen Hähn­chen­mast­stall für knapp 40.000 Tiere zu er­rich­ten.

Die Chuzpe Ko­kemül­lers sei fast un­schlag­bar: Erst führe er ü­ber Wo­chen Ge­spräche mit den Geg­nern des von ihm ge­plan­ten Mas­sen­mast­stal­les. Wor­auf­hin diese sich wo­chen­lang sehr ru­hig ver­hal­ten, um die Ge­spräche nicht zu stören – und dann ver­künde der Land­wirt, dass er den Mast­stall nun doch baue.

Fair und ho­no­rig sei die­ses Ver­hal­ten si­cher­lich nicht, so der BI-Spre­cher Michal Hett­wer. Ko­kemül­ler wolle in der Kennt­nis bau­en, dass er sich in große Ab­hän­gig­keit ge­genü­ber ei­nem der Mul­tis der Ge­flü­gel­kon­zerne be­ge­be. Wie blauäu­gig müsse man denn sein, um zu glau­ben, dass der Agrar­kon­zern, dem sich der Land­wirt auf Ge­deih und Ver­der­ben aus­lie­fern wol­le, ihn vor Ver­lus­ten schüt­ze, wenn et­was schief ge­he, fragt die BI den Land­wirt. Herrn Ko­kemül­ler könne man nur ra­ten, sich seine Ver­träge von ei­nem sehr gu­ten Rechts­an­walt er­klären zu las­sen. Dass der De­den­se­ner Land­wirt noch dazu glau­ben ma­chen will, dass die Bür­ger­in­itia­tive De­den­sen durch ein frühe­res Auf­be­geh­ren ge­gen seine Pläne und durch die Teil­nahme am Be­such der Ver­suchs­an­lage in Ru­the es er­reicht hät­te, ihn von sei­nem Plan zur Er­rich­tung ei­ner Agrar­fa­brik ab­zu­brin­gen be­zie­hungs­weise nur ü­ber den Stand­ort der Ab­luft­an­la­gen zu spre­chen, schlage wort­würt­lich dem Fass den Bo­den aus, so Hett­wer. Wie er den Mit­be­woh­nern in De­den­sen noch ins Ge­sicht schauen wol­le, wenn sein Stall erst Ge­stank, Kei­me, Bak­te­rien und Feinstäube und die da­mit ver­bun­de­nen Ge­sund­heits­ri­si­ken ab­son­de­re, frage die BIM. Ko­kemül­ler könne Fil­ter­tech­nik ein­pla­nen, um die Nach­bar­schaft we­nigs­tens ei­ni­ger­maßen vor den ge­fähr­li­chen Kei­men zu schüt­zen. Dass Ko­kemül­ler wirk­lich glau­be, dass beim Auf­tre­ten von Sal­mo­nel­len voll­kom­men klar sei, wer dafür die Ver­ant­wor­tung zu tra­gen ha­be, zeuge nach An­sicht des BI-Spre­chers von ei­ner ge­wis­sen Un­er­fah­ren­heit mit kom­mer­zi­el­len Ab­läu­fen. Si­cher­lich müsse der Land­wirt in so ei­nem Fall, sei­nem we­sent­lich größe­ren und stär­ke­ren Ge­schäfts­part­ner be­wei­sen, dass der Feh­ler nicht bei ihm zu su­chen sei, so Hett­wer. Und was pas­sie­re, wenn Ko­kemül­lers Ab­neh­mer ihm die Preise – we­gen des in Kürze zu er­war­ten­den Ü­be­r­an­ge­bo­tes an Hähn­chen­fleisch – kürzt, wie es ein Pro­fes­sor der Uni­ver­sität in Vechta für 2011 vor­her­sagt, fragt der BI-Spre­cher. Der Land­wirt müsse sich außer­dem fra­gen las­sen, was die Firma Ro­th­köt­ter un­ter­neh­me, wenn der Ge­flü­gel­schlacht­hof in Wietze nicht an den Start ge­hen soll­te. Der Haus­bank von Ko­kemül­ler, die wohl einen Teil der In­ves­ti­ti­ons­s­umme von 550.000 Euro fi­nan­zie­ren sol­le, könne man nur ra­ten, sich gute Si­cher­hei­ten ge­ben zu las­sen. Denn aus der ge­wöhn­li­chen Ge­schäft­stätig­keit mit der Pro­duk­tion von Hähn­chen­fleisch wer­den sich Til­gung und Zin­sen in den nächs­ten Jah­ren – bei fal­len­den Prei­sen – kaum er­zie­len las­sen, so Hett­wer. Ü­ber die tier­quä­le­ri­schen und ethi­schen Aspekte die mit der der in­dus­tri­el­len Tier­pro­duk­tion ver­bun­den sei­en, scheine der Land­wirt ü­ber­haupt nicht nach­ge­dacht zu ha­ben. Da­bei hat Tier­schutz in Deutsch­land Ver­fas­sungs­rang und Tier­quä­le­rei sei straf­bar. Es sei dem Land­wirt emp­foh­len sich mit ei­nem Be­rufs­kol­le­gen, zum Bei­spiel Cars­ten Bauck aus Klein-Süs­tedt bei Uel­zen, in Ver­bin­dung zu set­zen, da­mit die­ser ihm die Vor­teile bio­lo­gi­scher Land­wirt­schaft näher brin­ge. Auch in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. Ko­kemül­ler werde mit sei­nem Bau­vor­ha­ben das Bild sei­nes Hei­mator­tes ver­schan­deln. Al­lein die zehn Ab­luft­ka­mine – je­der zehn bis zwölf Me­ter hoch – wür­den das Orts­bild prä­gen wenn man von Hol­ten­sen kommt. Den Ge­stank wer­den seine Nach­barn und die Ein­woh­ner be­nach­bar­ter Or­te, wie zum Bei­spiel Hol­ten­sen, eben­falls als sehr störend wahr­neh­men.

Die durch den ge­plan­ten Agrar­be­trieb her­vor­ge­ru­fe­nen sin­ken­den Im­mo­bi­li­en­preise tra­gen nicht ge­rade dazu bei die Stim­mung in De­den­sen auf­zu­hei­tern, so der BI-Spre­cher. Dass dies der Orts­bür­ger­meis­ter Cars­ten Bor­ges für sei­nen Ort so ein­fach wi­der­spruchs­los hin­neh­me, mag man ei­gent­lich gar nicht glau­ben. Und dass Ko­kemül­ler ge­gen die deut­li­che Mehr­heit der wahl­be­rech­tig­ten Ein­woh­ner von De­den­sen sei­nen Plan durch­set­zen wol­le, zeuge nicht ge­rade von ei­nem ge­stei­ger­ten In­ter­esse an gu­ter Nach­bar­schaft, so Hett­wer.

vom 26.02.2011

HAZ AB 26.02.2011 ÄNGSTE OBSIEGEN, DOCH RISIKEN BLEIBEN