Presseartikel 20.11.2010

HAZ TITTELSEITE 20.11.2010: REGIERUNG ÜBERRASCHT GEFLÜGELMÄSTER

HAZ NIEDERSACHSENSEITE 20.11.2010: AGRARRESSORT WILL TIERSCHUTZ VERSTÄRKEN

Nordwest-Zeitung

HANNOVER, 20. November 2010

Überraschender Vorstoß zum Tierschutz

Geflügelwirtschaft Staatssekretär Ripke kündigt Maßnahmen an und düpiert Ministerin Grotelüschen

Das Ministerium will Leitlinien mit der Wirtschaft vereinbaren. Die Ministerin hatte die Putenmast stets verteidigt.

von Marco Seng

Hannover – Wochenlang hatte CDU-Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (Ahlhorn) die niedersächsischen Putenzüchter gegen Vorwürfe der Tierquälerei verteidigt. „Es gibt keine Tierschutz-Probleme in Geflügelmastbetrieben in Niedersachsen“, erklärte Grotelüschen wiederholt. Jetzt stellte ihr Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke (CDU) im Landwirtschaftsausschuss des Landtags für viele überraschend Pläne des Ministeriums für mehr Tierschutz in der Landwirtschaft vor.

Das sei nichts ungewöhnliches, daran werde seit langem gearbeitet, hieß es einerseits aus der CDU/FDP-Regierungskoalition. Von einem „klaren Dissens“ zwischen Ministerin und Staatssekretär sprechen andere. „Ripke sägt offensichtlich am Stuhl der Ministerin“, sagte ein CDU-Abgeordneter. „Und das gefällt mir gar nicht.“

Die SPD-Fraktion sprach von einem „grotesken Verhalten“ an der Spitze des Ministeriums. „Offensichtlich weiß im Landwirtschaftsressort die linke Hand nicht, was die rechte tut“, erklärte die SPD-Agrarexpertin Andreas Schröder-Ehlers. Auch die Grünen sehen Widersprüche zwischen Ministerin und Staatssekretär. Die FDP forderte mehr Tempo beim Tierschutz in der Geflügelwirtschaft.

Grotelüschen steht seit Monaten in der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, Lobbyistin der Massentierhaltung zu sein – unter anderem, weil ihr Mann eine Mastputen-Brüterei betreibt. Tierschützer bemängeln, dass gemästete Puten häufig unter Herz-Kreislauf-Störungen litten oder die Schnäbel gekürzt würden, um Kannibalismus im Stall zu vermeiden. Ähnliche Kritik gibt es auch bei der Hühner- und der Entenhaltung.

Das Ministerium reagiert mit seiner Tierschutz-Offensive jetzt offenbar auf die wachsender Kritik an der expandierenden Geflügelmast. Ministeriumssprecher Gert Hahne kündigte am Freitag neue Leitlinien an. Generell gibt es Hahne zufolge bislang kaum konkrete rechtliche Grundlagen für die Geflügelmast.

„Es schwierig überhaupt Parameter zu finden, an denen sich sowas bemisst.“ Die geplanten Leitlinien sollen gemeinsam mit der Wirtschaft erarbeitet werden. Auch das Stutzen von Schnäbeln bei den Masttieren solle mittelfristig abgestellt werden.

Die Welt

20.11.2010

Mehr Kontrollen bei Geflügelmast

Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium kündigt neue Leitlinien an

Hannover – Puten leiden unter Herz-Kreislauf-Störungen, Hühner-Füße sind wegen des durchnässten Einstreus häufig entzündet und Enten durchleiden die schmerzhafte Prozedur das Schnabelkürzens. Wegen dieser und weiterer Missstände in niedersächsischen Mastbetrieben plant das Agrarministerium nun eine Tierschutz-Offensive.

Angesichts wachsender Kritik an der expandierenden Geflügelmast in Niedersachsen will das Land Vorschriften und Kontrollmöglichkeiten verbessern. Das Landwirtschaftsministerium kündigte am Freitag neue Leitlinien für die Geflügelmast an. „Wir müssen die Bestimmungen so konkretisieren, dass die ausführenden Kollegen vor Ort (…) rechtsverbindlich in die Ställe reingehen und sagen können „wir müssen hier etwas ändern““, sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne. Friedrich-Otto Ripke (CDU), Staatssekretär im niedersächsischen Agrarministerium, hatte demzufolge am Donnerstag in einer einer internen Sitzung des Landtags-Fachausschusses erstmals gravierende Mängel in der Massentierhaltung eingeräumt. Zugleich kündigte er neue Bestimmungen an. Generell gibt es Hahne zufolge bislang kaum konkrete rechtliche Grundlagen für die Geflügelmast. „Es schwierig überhaupt Parameter zu finden, an denen sich sowas bemisst.“

Die geplanten Leitlinien sollen gemeinsam mit der Wirtschaft erarbeitet werden. Wunsch des Ministeriums sei zudem, dass es auf EU- und Bundesebene gleiche Vorschriften gebe. Von einer Verschärfung der Bestimmungen im Alleingang wollte Sprecher Hahne in diesem Zusammenhang nicht reden. lni