Presseartikel 02.11.2010

Peiner Allgemeine
02.11.2010 20:39 Uhr

Alvesse

Widerspruch gegen Hähnchenmast-Anlage

Brandschutz und Keimverbreitung – unter diesen Gesichtspunkten will die Bürgerinitiative (BI) Üfingen-Alvesse Widerspruch gegen den Bau der Hähnchenmast-Anlage bei Alvesse beim Landkreis Peine einlegen.

Nein zur Massentierhaltung: Steffen Ducke (v. l.), Regina Will und Matthias Adler von der Bürgerinitiative Üfingen-Alvesse.

© Weber

Alvesse. Vorrang des Tierschutzes gegenüber dem Baurecht: Damit hatten bereits Bürgerinitiativen im Landkreis Emsland Erfolg. Sie erwirkten mit dem Hinweis auf viele Tausende verbrannter Tiere in Großanlagen einen Genehmigungsstopp beim Landkreis sowie die verpflichtende Vorlage von Brandschutz- und Keimverbreitungs-Gutachten.

Im Fall des von Landwirt Christoph Gerecke geplanten Hähnchenmast-Stalls mit maximal 84 800 Tieren wird es zwar keinen Genehmigungsstopp mehr geben, der Landkreis Peine hat die Baugenehmigung bereits erteilt.

Aber eine Nachbesserung der Auflagen bei Brandschutz und Keimverbreitung sei durchaus denkbar. BI-Sprecherin Regina Will sagt: „Unser Anwalt sieht Erfolgschancen.“ Zudem habe sich der Landkreis die Option offen gehalten, im Fall von Änderungen nachprüfen zu können. Einstimmig hätten etwa 20 Aktive des Arbeitskreises der BI entschieden, Widerspruch gegen den Bau der Anlage einzulegen, die Kosten von etwa 1000 Euro seien durch Spenden gedeckt.

„Vor dem Aspekt des Tierschutzes kann ich das einfach nicht gutheißen“, sagt BI-Sprecher Matthias Adler aus Üfingen. „Solche Mastanlagen haben die Brandschutzklasse null. Das bedeutet, dass niemand mehr rein darf, wenn es brennt – folglich sterben alle Tiere.“

Gleichzeitig sei die Keimbelastung durch Großmastanlagen nie festgestellt worden: „Der Landkreis redet zwar von Feinstaubbelastung, aber nicht von Krankheitserregern, Bakterien“, betont der 46-Jährige. Ohne Filter könnten diese kilometerweit getragen werden.

Die Frist läuft am 19. November ab. „Heute sind die ersten fünf Widersprüche eingegangen“, bestätigt Landkreis-Sprecher Henrik Kühn auf PAZ-Anfrage. „Wenn wir keinen Erfolg haben sollten, steht als nächster Schritt die Klage vor Gericht an“, so die BI-Sprecher. web

NOZ (Neue Osnabrücker Zeitung) vom 02.11.2010:

Aktionsbündnis „Bauernhöfe statt Agrarfabriken Nord-West“ will Maststall-Gutachten kritisch beäugen

Gemeinsam gegen industrielle Tierhaltung

Stellten das Anliegen der Maststall-Gegner vor: (von links) Eckehard Niemann (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft), Maria Feige-Osmers (BUND Kreisgruppe Meppen), Katja Hübner (NABU-Regionalverband), Werner Kleimann (Diskussionsleiter) und Hermann-Josef Schomakers (Bürgerinitiative Nordhümmling).Foto: Tim Gallandi Vergrößern

trg Surwold. Im Mittelpunkt steht die kritische Prüfung der vom Landkreis Emsland geforderten Gutachten für künftige Mast-ställe. Darüber hinaus sieht das jetzt in Surwold gegründete Aktionsbündnis „Bauernhöfe statt Agrarfabriken Nord-West“ seine wichtigste Aufgabe in der Vernetzung der Aktivitäten und der Hilfe und Beratung für Bürger, in deren Umfeld neue industrielle Tierhaltungsanlagen entstehen sollen.

Die Maststall-Gegner sind im Aufwind: Auf Druck von Einwendungen der Anwohner hat der Landkreis Emsland jüngst von den Antragstellern der Anlagen Brandschutz- und Keimgutachten gefordert. Den Aktiven des Aktionsbündnisses gibt dies Grund zum Optimismus, jedoch keineswegs den Anlass, die Hände in den Schoß zu legen. „Der Landkreis fordert Gutachten, aber nicht, was darin stehen soll“, sagte Katja Hübner vom NABU-Regionalverband. Daher gelte es, sich selbst zu informieren und, falls nötig, eigene Gutachten in Auftrag zu geben. Dafür wolle das Bündnis finanzielle Mittel über Spenden einwerben.

Die Teilnehmer der ersten Versammlung hatten sich auf Einladung des NABU-Regionalverbands Emsland/Grafschaft Bentheim, der BUND-Kreisgruppe Emsland und der Bürgerinitiative (BI) Nordhümmling in Surwold eingefunden. Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben den Organisatoren unter anderen die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Interessengemeinschaft Gesundes Leben, die NABU-Gruppen Altkreis Lingen, Altkreis Meppen und Emsland Nord sowie das globalisierungskritische Netzwerk Attac.

Nach Worten von Eckehard Niemann (AbL) liegt das Aktionsbündnis im Interesse der mittelständischen Landwirte. So sei es nicht erstrebenswert, sich durch den Betrieb großer Hähnchenmastanlagen in die Abhängigkeit großer Konzerne zu begeben. Auch sei der vom Aktionsbündnis angestrebte Abbau der Überschussproduktionen im Sinne der Landwirte, da nur so angemessene Preise für landwirtschaftliche Produkte erzielt werden könnten.

Maria Feige-Osmers von der BUND-Kreisgruppe Meppen warb darüber hinaus um die Beachtung der Belange des Tierschutzes. Ein geringerer Fleischkonsum und der Griff zu Produkten aus artgerechter Tierhaltung seien zudem gesundheitsförderlich, so die Ernährungsberaterin.