Presseartikel 12.09.2010

Sonntag, 12. September 2010

Lutterbeker bekämpfen Maisanbau und Biogas

In Lutterbek gärt es gewaltig. Die Biogas-Anlage, die Landwirt Wolf Mönkemeier auf seinem Areal an der B 502 bauen will, ruft die Gegner der „Energieproduktion aus Nahrungsmitteln“ auf den Plan. 143 Unterschriften gegen das Projekt hat der Lutterbeker Rudolf Klindt in den Haushalten bereits gesammelt – 70 Prozent der Einwohner würden die Biogas-Anlage ablehnen, sagt er. Was die Biogas-Gegner neben Lärm-, Schmutz- und Geruchsbelästigung vor allem befürchten, ist eine „Maissteppe“ rund um Lutterbek und bald in der ganzen Probstei. „Kein Ackerland für Biogas“, heißt denn auch ihre Protestkampagne.

Über 200 Hektar Land werden gebraucht, um den Mais anzubauen, den Mönkemeier für die Vergärung in seiner geplanten 500-Kilowatt-Anlage braucht. Damit deckt er etwa 70 Prozent dessen, was die Anlage frisst. Die restlichen 30 Prozent sollen andere pflanzliche oder organische Rohstoffe liefern. Dass die bis drei Meter hohe Monokultur Mais auf den Feldern Schleswig-Holsteins enorm auf dem Vormarsch ist, kann niemand mehr übersehen. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer wuchs er vor 20 Jahren auf 50.000 Hektar, 2009 auf 147.000 Hektar und 2010 schon auf 184.000 Hektar. „Mais entwickelt sich langsam zu einem nicht zu unterschätzenden Umweltproblem“, warnen bereits Biologen.

Die Lutterbeker Gegner der Biogas-Anlage sehen die Landschaft im Umkreis verschandelt. „Die benötigten Flächen liegen zum größten Teil nördlich der B 502, sodass die Küstenregion von Laboe, Stein, Wendtorf bis Lutterbek betroffen sein wird … die Küstenregion hier in der Probstei ist der schlechteste Standort für eine BGA“, schreibt Rudolf Klindt in einem Brief an die Wendtorfer Gemeindevertreter. Wendtorf hat das Angebot erhalten, über die Stadtwerke rund die Hälfte der in der Lutterbeker Anlage erzeugten Wärme für die Versorgung seiner Haushalte abzunehmen.

Die andere Hälfte der Wärme soll in Lutterbek bleiben, wenn es nach Wolf Mönkemeier geht. Wie er auf der Lutterbeker Hauptausschusssitzung am Mittwochabend erklärte, könne er sich eine Betreibergesellschaft vorstellen, die ein Fernwärmenetz aufbaut. Mönkemeier betonte außerdem, er wolle, falls es denn Nachteile gebe, „sorgsam damit umgehen“. Den Standort der Anlage, für die er gerade den Bauantrag zusammenstellen lässt (mit dem Einreichen ist in zwei bis drei Monaten zu rechnen), hält er für geradezu „prädestiniert“. Er liege außerhalb des Dorfes, und der Maistransport führe ausschließlich über Kreisstraßen, nicht aber durch Ortschaften.

Für Lore Eibrecht, deren Grundstück mit dem 1960 gebauten Haus direkt an die für das Projekt vorgesehene Fläche grenzt, ist das ein schwacher Trost. Sie fürchtet, dass der Lärm der halbstündlich anspringenden Zerkleinerungsschnecke, die rund um die Uhr den Mais häckselt, sie um ihre Ruhe und den Schlaf bringen wird. Sie ist – genau wie ihr Nachbar Asmus Stoltenberg – ganz nahe dran an den jährlich rund tausend Transportfahrten der schweren Lkws, die den Mais anliefern. Und sie ekelt sich schon jetzt vor dem permanent unangenehmen Geruch der Maislager.

Landwirt Asmus Stoltenberg, der 50 Hektar und in Gemeinschaft mit Jens Vöge 120 Hektar Land bewirtschaftet, sieht zudem noch ein weiteres Problem. „Unser guter Boden in der Probstei wird für minderwertigen Mais verschwendet“, klagt er und weiß sich in diesem Punkt mit einigen Lutterbeker Gemeindevertretern einig. „Millionen Menschen hungern“, erregte sich Hanne Woltmann auf der Hauptausschusssitzung, „wenn der Mais fürs Biogas nicht mehr ausreicht, was kommt als Nächstes dran – Gerste oder vielleicht Weizen?“

Einen Bauch anfuttern können sich die Wildschweine, für die die ausgedehnten Maisfelder ein Schlaraffenland sind. Ganze Rotten würden sich in der Nähe von Biogas-Anlagen ansiedeln, berichtet das „Hamburger Abendblatt“ und zitiert Landwirtschaftskammerpräsident Claus Heller: „Gibt es auf dem Maisschlag auch noch Wasser, kommen die Tiere gar nicht wieder raus.“

Die Gegner der Biogas-Anlage sehen Flora und Fauna in der Probstei ernsthaft bedroht. Sie fordern, die Politik möge – genauso wie bei den Windkraftanlagen – die Angelegenheit regelnd in die Hand nehmen. Lutterbek will sich wehren, auch wenn Bürgermeister Jens Peters auf der Hauptausschusssitzung erklärte, es gebe für das privilegierte Bauvorhaben „baurechtlich keine Einwendungsmöglichkeiten“.

Quelle: Probsteier Herold (Schönberg/Schleswig-Holstein) vom 12.09.2010 – http://www.probsteier-herold.de