30.09.2010 – Kreistag Peine: Resolution gegen Hähnchenmastanlage

Kreistag appelliert an Landwirte

Resolution gegen Hähnchenmastanlagen mehrheitlich beschlossen

Von Katja Dartsch

KREIS PEINE. Der Kreistag begann gestern Nachmittag mit Protest – Protest von Hähnchenmastgegnern. Oliver Hartmann, Sprecher der Peiner Bürgerinitiative, überreichte Landrat Franz Einhaus 1090 Unterschriften. „Wir setzen uns für den Tierschutz und für den Anwohnerschutz ein“, erklärte Hartmann: „Wir wollen, dass die geplanten Mastanlagen im Landkreis nicht genehmigt werden.“

Der Kreisverwaltung ist es aber gar nicht möglich, eine Mastanlage nicht zu genehmigen, wenn alle Vorgaben erfüllt werden. Auf Antrag der Gruppe SPD/Die Grünen hat der Kreistag mehrheitlich eine Resolution verabschiedet: Darin fordern die Politiker Bundes- und Landesregierung auf, die gesetzlichen Bestimmungen dahingehend zu ändern, dass „ein Stallbau-Boom wie im Emsland verhindert werden kann und die Tiere artgerecht gehalten werden müssen“.

Sie richten einen Appell an die Landwirte im Kreis Peine, „auf den Bau industrieller Tierproduktionsstätten (zum Beispiel Hähnchenmastanlagen) zu verzichten.“ Nichtsdestotrotz unterstütze der Landkreis „bäuerlich wirtschaftende Betriebe bei ihrem Vorhaben, durch Investitionen ihre Existenz langfristig zu sichern.“ Der Abstimmung war eine kontroverse Diskussion vorausgegangen, hier Auszüge:

Jürgen Streichert, Grüne: „Sobald der Schlachthof in Wietze genehmigt ist und steht, haben wir hier eine Entwicklung wie im Emsland. Wir fordern einen größeren Mindestabstand zur Bebauung und den freiwilligen Einbau von Filteranlagen.“

Heiko Jacke, CDU: „Landwirtschaft ist wichtig. Lassen Sie den bäuerlichen Landbetrieben ein weiteres Standbein, legen Sie ihnen nicht noch mehr Steine in den Weg.“

Holger Flöge, FDP: „Jeder von uns isst im Schnitt elf Kilo Hähnchenfleisch im Jahr. Diesen Bedarf wird man nicht befriedigen können mit ein paar Hühnern auf dem Hof. Trotz Kritik an einigen Punkten ist die Resolution aber nachvollziehbar, wir werden ihr zustimmen.“

Karl-Heinrich Belte, Peiner Bürger: „Dieser Appell steht uns gut zu Gesicht. Es braucht 450 Mastställe, um den Schlachthof in Wietze zu beliefern. Das hier ist nur der Anfang.“

Helmut Doll, SPD: „Das Grundwasser im Emsland ist auf Jahre verseucht.“

Arnim Plett, CDU: „Das ist eine Bevormundung der Verbraucher und eine Aufteilung der Landwirte in gute und schlechte Landwirte. Mit der Resolution wollen Sie eine unternehmerische Entscheidung abwürgen.“

Doris Meyermann, Grüne: „Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL warnt vor ruinösen Überkapazitäten. Schon ab 2011 wird demnach weit über den Bedarf hinaus produziert, die Produktionsketten werden zusammenbrechen. Die Vertragsmäster werden den Preisdruck spüren und Liquiditätsproblemen bekommen.“

Donnerstag, 30.09.2010

Quelle: NDR – www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/haehnchenmast103.html