Die Schweinereien der Fleischbarone: über die Sklaverei in Niedersachsen – ein Kommentar von Michael Hettwer

Mit so deutlichen Worten hat noch kein amtierender Minister die Missstände innerhalb der Agrar- und Lebensmittelindustrie kritisiert: „Sklaverei“ nannte Olaf Lies (SPD), Wirtschaftsminister in Niedersachsen, die Bedingungen unter denen ausländische Arbeitnehmern in Teilen der Fleischindustrie arbeiten müssten.

Dass man den osteuropäischen Arbeitnehmern nur einen Stundenlohn von 3,50 € zahlt, ist schon Skandal genug – Lies sprach zu Recht von „Schweinerei“.

Diese Menschen (ja, man sollte den Fleischbaronen in Erinnerung rufen, dass es sich um Menschen handelt) müssen für diesen beschämenden Hungerlohn unter Sklaven ähnlichen Bedingungen aber auch noch fast beliebig lange arbeiten. Und dazu sperrt man sie auch noch in menschenunwürdige Unterkünfte (für die man ihnen auch noch Wuchermieten abpresst)  und setzt sie einer mafiösen Überwachung und Einschüchterung aus. Kritiker versucht man mit Mafiamethoden mundtot zu machen. 

Aber es gibt nicht einen Grund, der derartige Vorgehensweisen auch nur im Ansatz rechtfertigt!

Ob dieses Vorgehen dieser skrupellosen Verantwortlichen kriminell ist, mögen die zuständigen Staatsanwaltschaften klären. Und zwar schnell und unerbittlich. 

Die vorgebliche Methodik dieser so genannten Unternehmer erscheint aber auf jeden Fall asozial und verstößt so ziemlich gegen alles, wofür unser Gemeinwesen steht. Diese Fleischbarone – in ihrer unermesslichen Gier nach Geld und im Wettkampf um Größe, Marktanteile und Macht – stellen sich mit ihrem Vorgehen außerhalb unserer Gesellschaft. Und dies nicht erst seit gestern. 

Dass sie der Landesregierung nun den Fehdehandschuh hingeworfen haben, mag man mit ihrer Verblendung, dass sie unangreifbar – ja, sich sogar im Recht fühlen – sind, erklären. Rational ist es ein folgenschwerer Fehler, weil sich diese angebliche Elite selbst die Maske vom Gesicht gerissen  und sich damit selbst entlarvt hat: zu Tage tritt die Fratze von geldgierigen, zynischen und egoistischen Machtmenschen, die völlig die Bodenhaftung verloren haben.

Den Ministern Olaf Lies und Christian Meyer ist es hoch anzurechnen, dass sie mit diesen Leuten so lange verhandelt haben und dass sie jetzt mehr als deutliche Worte gefunden  und  klare Maßnahmen angekündigt haben.

Wer nicht bereit ist, sich gesellschaftlichen Normen zu fügen, darf hinterher nicht lamentieren, wenn die Behörden sehr sorgfältig hinschauen (man fragt sich, was die Vorgängerregierung eigentlich so lange gemacht hat?) und mit aller Härte des Rechtsstaats vorgehen wird. Und das eigene Image rettungslos verloren geht.

Niedersachsen ist zu schön und alle Menschen hier  zu wichtig, als dass eine Handvoll skrupelloser Manchester-Kapitalisten glauben, hier machen zu können, was sie wollen.

Den mutigen Menschen, die sich unerbittlich an der Veröffentlichung dieser unmenschlichen Zustände einsetzen, haben Courage, Zivilcourage in höchstem Maße bewiesen. Ihnen ist dafür zu danken – auch von staatlicher Seite.

Und die Verbraucher sollten bei ihren Einkäufen noch intensiver nachfragen, was unter welchen Bedingungen hergestellt worden ist. Der Lebensmittel-einzelhandel wird sicherlich in Kürze viele Fragen zu beantworten haben. Unter anderem die, ob man noch die richtigen Lieferanten hat, die von der Kundschaft auch akzeptiert werden.

 

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2 Antworten auf Die Schweinereien der Fleischbarone: über die Sklaverei in Niedersachsen – ein Kommentar von Michael Hettwer

  1. Michaels Kommentar bringt es auf den Punkt!
    Christian Meyer und Olaf Lies haben die einzig richtige Entscheidung getroffen, indem sie die Gespräche mit der Fleischmafia abgebrochen haben. Mit solch mafiösen Konstrukten verhandelt man nicht, man verfolgt und bestraft sie!
    Die Bürger/Verbraucher sind aufgerufen, die Produkte der namentlich bekannten Firmen zu boykottieren!
    Erstaunlich für mich ist, dass der permanent in Skandale verwickelte PHW-Konzern mit seiner Hauptmarke Wiesenhof seine, unter grauenhaften Umständen für Tier und Mensch produzierten Produkte nach wie vor verkauft. Wo bleibt eigentlich hier die Verantwortung des Lebensmitteleinzelhandels? Das Gewissen der Handelskonzerne scheint deutlich unterentwickelt zu sein!

  2. Es zeigt sich wieder einmal, daß brutale Ausbeutung von Tieren nahtlos übergeht in hemmungslose Ausbeutung von Menschen. Die Ursache ist neben Profitgier das Fehlen jeglichen Verantwortungsgefühls für Schwächere, seien es nun „nur“ Tiere oder Menschen.

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