Der Bauernverband, Antibiotika-resistente Keime und DIE ZEIT – ein Kommentar von Michael Hettwer

Zweifellos hat die am vergangenen Donnerstag (20.11.2014) gestartete Serie „Die Rache aus dem Stall“ der Wochenzeitschrift DIE ZEIT große Aufmerksamkeit – und bei einigen auch Aufregung – erregt.

Der Vizepräsident des DBV (Deutscher Bauernverband) und Präsident des Bauernverbandes in Schleswig-Holstein, Werner Schwarz,  hat in einem offenen Brief an den Chefredakteur der ZEIT, Giovanni di Lorenzo, dem Gründer der Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung, Dr. med. Gerd-Ludwig Meyer, der gelernter Landwirt ist, vorgehalten, „die gute fachliche Praxis längst verlassen“ zu haben. Zu diesem Vorwurf hat Dr. Meyer auf der Internetseite der Ärzteinitiative Stellung genommen.

Auf welchem Argumentationsniveau die Agrarindustrie und ihre Lobbyisten – gerade auch im Bauernverband – agieren (agitieren), zeigt der Beitrag aus der der Agrarindustrie sehr nahe stehenden Internetseite „agrarheute.com“:

Mit dem Satz “Zudem werden bei den MRSA von Tieren selten Resistenzen gegen Antibiotika festgestellt. beginnt der Beirag „10 Fakten zu MRSA in der Nutztierhaltung“  von agrarheute.com.

Wenn es angesichts zehntausender Toter – die an Antibiotika-Resistenzen allein in Deutschland sterben – nicht so makaber wäre, müsste man die Macher von agrarheute.com fragen, ob dieser Satz nicht ein verspäteter Beitrag zum Beginn der Karnevalssession darstellen solle. Ja, geht´s denn noch?

Nimmt den niemand bei der Agrarindustrie und ihren Lobbyisten zur  Ken- ntnis, dass anerkannte Experten (zum Beispiel das Bundesinstitut für Risikobewertung – BfR – bis hin zur WHO) eine eindeutige Verbindung zwischen Antibiotika-Resistenzen und Massentierhaltung sehen.

Das System der Massentierhaltung hat diese todbringende Entwicklung mit gefödert. Dies stellt keinen Angriff auf die Landwirte dar, sondern ist ein (wiederholt vorgebrachter) Appell an die Verantwortlichen im Bauern-verband, der Agrarindustrie und in Teilen der Politik, endlich zur Besinnung zu kommen und einzusehen, dass eine Veränderung der Agrarpoltik drin- gend notwendig ist. Im Interesse aller Menschen.

Die Abkehr vom völlig falschen Dogma des „Wachsens oder Weichens“ wäre ein erster Schritt und würde ein Stück weit Glaubwürdigkeit des Bauernver- bandes wiederherstellen. Denn alles was man bislang zu dieser Problematik vom DBV und seinen vielen Interessensvertretern hören und lesen konnte zielt nur auf die finanziellen Eigeninteressen speziell für die Großbetriebe ab.

Und dieses System wird auch noch mit horrenden Steuermittel aller Steuer-zahler unterstützt. Die Menschen im Lande erwarten hier eine Änderung – zu Recht!

Man darf sehr gespannt sein auf die weiteren Folgen der ZEIT-Serie, die sicherlich noch weitere dem DBV unliebsame Fakten einer breiten Öffentlichkeit bekanntmachen.

Und ganz aktuell berichtet der Weser Kurier aus Bremen heute (24.11.2014) von einer Warnung des Bundesinstitus für Risikobewertung (BfR) vor Krankheitserregern auf Geflügelprodukten.

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