Das Landvolk und die Pressefreiheit – ein Kommentar von Michael Hettwer

Zugegeben, der Beginn der 4-teiligen Serie der Wochenzeitschrift DIE ZEIT über die Agrarindustrie verlangt von den Landwirten,  die Mitglied im Bauernverband (DBV – Deutscher Bauernverband / Landvolk Niedersachsen – Landesbauernverband e.V.) sind, einiges an Nehmerqualitäten ab.

Das aktuelle  INFOFAX des Bauernverbandes Nordostniedersachsen vom 27.11.2014 an seine Mitglieder, sich am 28.11.2014 zu einer Demonstration – die vom Bauernverband Schleswig-Holstein organisiert worden ist – vor dem Redaktionsgebäude der ZEIT zu beteiligen, zeugt nachdrücklich davon, dass  die Agrarlobbygruppe  nicht in der Lage ist, unabhängigen Journalismus zu akzeptieren.

Dass der Lobbyverband der Agrarindustrie in Niedersachsen (Landvolk) augenscheinlich ein Defizit an demokratischen Grundtugenden – gerade in Hinblick auf Pressefreiheit, unabhängigen Journalismus und Meinungs-freiheit – hat, wurde mehrfach öffentlich gemacht.

Und weiterhin beweist die Aktion, dass  der DBV und seine Landesverbände, keinerlei Antworten zu den drängenden Problemen und Gefahren der Massentierhaltung (die Bauernchef Rukwied 2013 und auch noch 2014 als nicht existent bezeichnet hat) besitzt.

Jeder – gerade auch von couragierten Journalisten – aufgedeckte Skandal aus dem Bereich der Agrarindustrie wurde entweder als Einzelfall eines „schwarzen Schafes“ dargestellt, oder die Missstände und Gefahren wurden klein geredet, verniedlicht, die Qualität der Wissenschaftler (ja sogar die Aussagen der  WHO werden nicht akzeptiert) und Studien in Zweifel gezogen – und vor allem hat man immer wieder „auf Zeit“ gespielt, um die eigenen finanziellen Interessen zu schützen.

Dabei scheint das  Wohl der Menschen, der Umwelt und der Tiere  vollkom- men nebensächlich: Hauptsache die Kasse stimmt.

Und dabei verlieren die Bauernbosse immer mehr aus ihrem Blickfeld, dass die Zahl der  landwirtschaftlichen Betriebestetig abnimmt: in Niedersachsen von 1949 bis heute ist die Zahl  von 300.000 auf nur noch 39.500 gesunken!

Und das Höfesterben wird weitergehen: zu Lasten der Klein- und Mittel-betriebe, zu Lasten der Regionalität, zu Lasten der gesamten Gesellschaft.

Dass die Großagrarier und ihre Helfershelfer in den oberen Funkionärs-ebenen des Bauernverbandes nicht vom Dogma des „Wachsens oder Weichens“ lassen, macht aus ihrer Sicht ja auch Sinn: denn bei immer weniger Betrieben steigen die staatlichen Gelder für diese Subventions-empfänger. Zufall?

Natürlich hat der Bauernverband das Grundrcht zur freien Meinungs-äußerung und zur Demonstration. Ein Verband, der soviel staatliche Mittel einstreicht muss aber aufpassen, dass er nicht völlig sein Ansehen in der Gesellschaft verspielt, wenn er weiterhin unliebsame Medienberichte oder andere Meinungen zu kujonieren versucht.

 

 

 

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3 Antworten auf Das Landvolk und die Pressefreiheit – ein Kommentar von Michael Hettwer

  1. Maria-Elisabeth Vogt sagt:

    Bei einer Herzkatheter- Untersuchung wurde ich auch auf resistente Keinme getestet, doch bevor überhaupt das Untersuchungsergebnis vorlag, war der Eingriff schon durchgeführt. Da fragt man sich: diente der Test der Statistik, dem Schutz des Personals,
    oder um Regressansprüche auszuschließen? Werden Patienten überhaupt aufgklärt über ihr Risiko für den Fall, dass sie positiv getestet wurden? Welche Konsequenzen ergeben sich für den Patienten, der ja von vornherein durch seine Unterschrift Risiken bei Eingriffen akzeptiert. Würden alle gesunden Menschen einem Zwangstest unterzogen, gäbe es vermutlich erschreckende Ergebnisse und die Politik müßte sofort reagieren.

  2. Bärbel Starkloff sagt:

    Es bedarf in diesen sehr schwierigen Zeiten unbedingt des aufgeklärten Patienten. Informationen muss sich jeder Interessierte im eigenen Interesse suchen, möglichst schon in gesunden Zeiten. Es gibt sie in den bekannten seriösen Printmedien, etwa „Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Frankfurter Allgemeine“, etc., es gibt sie in den Regionalprogrammen, in 3sat, in arte und auch in ARD und ZDF. Dort sind die zuverlässigen Quellen, die jeder anzapfen kann.
    Jeder medizinische Eingriff ist mit Risiken verbunden, das kann und sollte heute jeder wissen. Im Übrigen: Eigenverantwortung, beharrlich nachfragen, auch einen zweiten und dritten Arzt.
    Was spricht gegen die Praxis in Holland, wo jedem Patienten, der ins Krankenhaus muss, ein Nasenabstrich genommen wird? Dort gibt es weitaus weniger Krankenhausinfektionen. Das ist es m.E. allemal wert.

  3. Pingback: proM.U.T. – Ausgewählte Nachrichten 24.11. – 30.11.2014 | proM.U.T. Verein für Menschen, Umwelt, Tiere e.V.

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