Bauernverband erhält unerwartete Meldungen über kirchliche Agrarindustrie-Kritik

Pressemitteilung

Bauernverband erhält unerwartete Meldungen über kirchliche Agrarindustrie-Kritik  

Nachdem der niedersächsische „Landvolk“-Landesbauernverband seine Mitglieder in der letzten Woche aufgefordert hatte, missliebige Kritik von Pastoren und Pfarrern an der agrarindustriellen „modernen Tierhaltung“ zu melden, rollt auf die hierfür angegebene Landvolk-Mailadresse eine unerwartete Mailflut zu. Laut Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kommen diese Mails kaum von meldewütigen Landvolk-Mitgliedern, weil auch die allermeisten Landwirte diese Aktion als schlimm und peinlich empfänden. Die Mailflut stamme vielmehr von Agrarindustrie-Gegnern, die dem Landvolk in ironischen oder empörten „Meldungen“ über eine „ganz besondere Agrarindustriekritik aus kirchlichen Kreisen“ berichteten: mit Bibel-Zitaten zum Umgang mit den Tieren und mit Passagen aus dem agrarindustrie-kritischen Positionspapier der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Der beschönigenden und verharmlosenden Landvolk-Agrarindustrie-Propaganda werden in diesen Mails u.a. folgende Bibelzitate entgegen gestellt: „Sie haben alle einen Odem (Atem), und der Mensch hat nichts voraus vor dem Vieh“ (Prediger 3,10) oder: “Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs, aber das Herz des Frevlers ist unbarmherzig“ (Sprüche 12,10). Fraglich, ob das Landvolk bei seinem Gespräch mit dem Landesbischof als „missliebige Pastorenäußerungen“ auch die folgenden Passagen aus dem Papier der Kirchen-Synode aufführen wird: „ Zu vermeiden ist ein nationale und internationale (Land)wirtschaftspolitik, die zwangsläufig von industrieller Technologie und Philosophie bestimmte Großhaltungen zur Folge hat. Technologie muss generell wieder „dienende“ Funktion übernehmen. Es ist ein Wandel notwendig, der zielgerichtet und unverzüglich zu Formen der Tierhaltung und Tiernutzung im Sinne von Tierwohl, Menschengesundheit und Nachhaltigkeit führt….Nötig ist ein profiliertes Leitbild, das landwirtschaftliche Unternehmen von agroindustriellen (Tier-)Fabriken unterscheidet…“
  

Der niedersächsische AbL-Vorsitzende Martin Schulz hatte es zuvor bereits als „Armutszeugnis“ bezeichnet, dass Landvolk-Funktionäre sich offenbar nicht mehr zutrauten, die Debatte um die gesellschaftlich höchst umstrittene Industrialisierung der Tierhaltung und um Agrarfabriken direkt vor Ort zu führen. Den Aufruf zu Meldungen über agrarindustrie-kritische Äußerungen und deren Weiterleitung an die Kirchenspitze verbänden die meisten Menschen mit Denunziation und Einschüchterungsmethoden. Die Landvolk-Spitze gerate mit ihrem Agrarindustrie-Lobbyismus nicht nur selbst immer mehr ins gesellschaftliche Abseits, sondern schade damit der Akzeptanz aller Landwirte. Auch in Kirchenkreisen stoße der Landvolk-Aufruf auf Unverständnis und massive Ablehnung: Landesbischof Meister sei bereits aus Kirchenkreisen aufgefordert worden, bei seinem Gespräch mit dem Landvolk keinesfalls auf derart fragwürdig gesammelte Hinweise einzugehen. 

 

Die AbL fordere die Kirchen auf, in allen Kirchengemeinden einen breit angelegten Diskussionsprozess zum Thema „Artgerechte Nutztierhaltung“ und „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ zu initiieren – selbstverständlich auch mit dem Landvolk, aber ebenso mit anderen Vertretungen von Bauern und Bürgern. Das gute Positionspapier der Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers mit ihren deutlichen Ausführungen zur landwirtschaftlichen Nutztierhaltung sei dafür eine gute Grundlage – schließlich sei es ja genau hierfür gedacht.        

3.575 Zeichen, 12.11.2012

In einem Fax des Landvolk Niedersachsen e.V. erhalten Empfänger die Aufforderung zur Meldung über Kritik über die Agrarindustrie aus dem kirchlichen Bereich und die erste Pressemitteilung der AbL dazu:

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