AbL verweist auf existenzielle Krise der agrarindustriellen Geflügelhaltung

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft  e.V.
Landesverband Niedersachsen/Bremen – Pressesprecher :
 Eckehard Niemann, Varendorferstr.24, 29553 Bienenbüttel
T: 0151 – 11 20 16 34,  Mail: eckehard.niemann@freenet.de

Pressemitteilung 

AbL verweist auf existenzielle Krise der agrarindustriellen Geflügelhaltung   

 

Die agrarindustrielle Geflügelhaltung in Deutschland und Europa befindet sich nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) nicht nur in einer grundlegenden Akzeptanzkrise, sondern ebenfalls am Beginn jahrelanger ökonomischer Verwerfungen. Die Warnungen von Professor Windhorst (Uni Vechta) vor einem Zusammenbruch ganzer Wertschöpfungsketten seien nun Realität geworden. Ursache sei der Verdrängungskampf alter und neu eingestiegener Geflügelkonzerne um die Vorherrschaft, der sich in einer gigantischen Überproduktion ausdrücke, die voraussichtlich für die nächsten zehn Jahre keine rentable Mast mehr möglich machen werde und dem Unternehmen wie Stolle bereits zum Opfer gefallen seien. Der Rothkötter-Konzern versuche derzeit sogar, seine in Wietze bei Celle aufgebauten und hoch subventionierten Schlacht-Überkapazitäten durch den kostspieligen Import dänischer Hähnchen auszulasten.  


AbL-Agrarindustrie-Experte Eckehard Niemann verwies auf Berechnungen, die auf offiziellen Betriebszweig-Auswertungen beruhten, wonach selbst das obere Viertel der Hähnchenmäster bereits jetzt bei einem Maststall mit 40.000 Plätzen etwa 9.000 Euro Verlust machten und der Durchschnitt der Mäster sogar circa 27.000 Euro. Während diese Realitäten in den Medien von Agrarindustrie und Bauernverband weitgehend ausgeblendet blieben, habe die die Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Marion Dorn, kürzlich im Nordkurier eingestanden, dass bereist jetzt „eine ganze Reihe von Betrieben über Winter einen Teil ihrer Ställe gar nicht belegt“ habe.

Die AbL warnte erneut alle Landwirte vor dem Einstieg in die ruinöse Vertragsmäster-Abhängigkeit von Geflügelkonzernen wie Wesjohann („Wiesenhof“), Rothkötter, Sprehe, Plukon-Friki oder Kalvelage. Stattdessen biete der Markt für artgerecht bzw. ökologisch gehaltenes Geflügel neue Marktchancen. Dafür träten auch die mehr als 200 Bürgerinitiativen und Verbände des bundesweiten Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ ein, deren Aktivitäten sich mittlerweile auch in politischen Maßnahmen wie dem Verbot von Mega-Agrarfabriken oder der Auflistung von Fristen und Maßnahmen zur Beseitigung von Tierhaltungs- Missständen im Niedersächsischen Tierschutzplan niederschlagen würden.   

AbL-Sprecher Niemann wertete es ebenfalls als Ausdruck der tiefen Akzeptanzkrise der agrarindustriellen Geflügelwirtschaft, dass diese nunmehr sogar teure Großanzeigen zum  Versuch der Image-Rettung schalten müsse. Leider habe man den nichtssagenden Floskeln von „Verantwortung, Qualität, Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz“ keine Bilder von eng gehaltenen, qualgezüchteten Tieren auf eigenem Kot und mit massiven Fußballen-Entzündungen beigefügt und auch keine Zahlen über den Einsatz von Antibiotika und dadurch gezüchtete resistente Keime. Anstelle der Geflügelhalter, die man für diese Agrarindustrie-Reklame habe posieren lassen, hätten ehrlicherweise die Verantwortlichen der Geflügelkonzerne ihr Gesicht zeigen sollen. Dass diese Anzeige auch noch mit „Wir, die Geflügelwirtschaft für Deutschland“ unterzeichnet sei, würden viele Menschen als Hohn empfinden – angesichts ihrer Sorge um Schäden und Risiken für Gesundheit, Umwelt, Tierwohl, Welternährung und mittelständisch-bäuerliche Strukturen. 

  3.362 Zeichen – 21.5.2012

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