2 Mails von Prof. Dr. med. Klaus Hamper an den SV Werder Bremen: „…schäm Dich, Werder“

1.) 

Von: Klaus Hamper [mailto:k.hamper@t-online.de]
Gesendet: Mittwoch, 8. August 2012 20:13
An: ‚info@werder.de‘
Betreff: Wiesenhof-Werbung auf Werder-Trikots?

Sehr geehrter Herr Filbry,

mit einer gewissen Erschütterung habe ich zur Kenntnis genommen, dass sich Ihr Verein in Verhandlungen mit der Firma Wiesenhof als Trikotsponsor befindet. Abgesehen davon, dass die Firma Wiesenhof in den vergangenen Monaten und Jahren von einem Tierquälerei- und Hygieneskandal zum nächsten gestolpert ist und allein aus diesem Grund bereits als „Sponsor“ eigentlich nicht in Frage kommen dürfte, ist der gerade im Aufdecken befindliche Skandal des exzessiven Antibiotika-Missbrauchs in der industriellen Geflügelmast auch ein gutes gesundheitliches Argument, solch eine Firma von Ihren Trikots fernzuhalten.

Wollen Sie Ihre Spieler allen Ernstes dafür Werbung laufen lassen, dass die Entwicklung resistenter Keime (das heißt Bakterien, die man mit Antibiotika nicht mehr behandeln kann) durch die unzulässigen und geradezu skandalösen Mast-Methoden in den Pachtställen Ihres Sponsors gefördert wird und damit langfristig und nachhaltig eine Entwicklung in Gang gesetzt wird, deren gravierende medizinische Folgen jetzt noch niemand in ihrer vollen Tragweite absehen kann? Wollen Sie tatsächlich vielleicht in drei oder fünf Jahren damit in Zusammenhang gebracht werden, dass dann noch mehr Patienten in den Kliniken an unbehandelbar gewordenen bakteriellen Infektionen versterben (bereits bislang gehen realistische Schätzungen von ca. 40.000 Todesfällen allein in Deutschland aus, die in einem Zusammenhang mit resistenten Bakterien stehen) – und Sie haben von einem der grundsätzlich Hauptverantwortlichen für diese Entwicklung Geld angenommen?

Das kann weder im sportlichen noch im moralischen Interesse Ihres Vereins liegen. Ich darf Ihnen versichern, dass die abgehängte Nachricht im Bremer Anzeiger in meinem Fußball-begeisterten Freundes- und Kollegenkreis ausschließlich Kopfschütteln hervorgerufen hat. Und ich bin sicher, dass Ihrem Verein eine Welle an negativer publizistischer Aufmerksamkeit zuteil werden wird, da die Presse und das Fernsehen bereits jetzt laufend über die Problematik berichten.

Natürlich ist es verlockend, Geld von einem Sponsor zu bekommen. Aber auch und besonders im Sport sollte man sich immer fragen, ob das auch ethisch sauber und vertretbar ist. Ich würde mich freuen, wenn Sie der Versuchung der Firma Wiesenhof widerstehen könnten. Ich glaube, Sie würden sich und Ihrem traditionsreichen Verein damit den besseren Dienst erweisen, einen Dienst, den man mit Geld gar nicht aufwiegen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Klaus Hamper – Am Schützenplatz 6 – D-21261 Welle – k.hamper@t-online.de

PS: Wir befinden uns mitten in einer Periode des großen Artensterbens, dennoch sind die meisten Menschen blind dafür. Sie sind so beschäftigt mit ihrem trivialen Zirkus, den anthropozentrischen Zeitvertreiben, Sport, Kunst, Klatsch, Politik, Wein, Essen und Unterhaltung. Die Menschen fiedeln, während die Erde brennt. Captain Paul Watson, www.seashepherd.de

PPS: An allem Unrecht, das geschieht, ist nicht nur der Schuld, der es begeht, sondern auch der, der es nicht verhindert. Erich Kästner, Das fliegende Klassenzimmer

2.)

Von: Klaus Hamper [mailto:k.hamper@t-online.de]
Gesendet: Sonntag, 12. August 2012 16:16
An: ‚info@werder.de‘; ‚peter.taenzer@emsn.de‘; ‚marc.bode@bremer-anzeiger.de‘
Betreff: Wiesenhof-Werbung auf Werder-Trikots!!!

Nun, Herr Allofs und Herr Filbry, haben Sie es also gemacht und die Katze aus dem Sack gelassen. Ich hätte Sie für intelligenter gehalten. Aber wahrscheinlich sind sie intelligent und spielen nur ein hintertriebenes Spiel. Denn wenn Sie sich tatsächlich über Wiesenhof informiert haben (wovon ich ausgehe), hätten Sie diesen „Sponsor“ zum Teufel jagen müssen.

Mit diesem Zitat (aus der Rheinischen Post)

Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs betonte indes, dass der Sponsor, der jährlich rund 5 Millionen Euro zahlen soll, „anders als oft in der öffentlichen Wahrnehmung“, ein bodenständiges Familienunternehmen sei, das mit Kritikern der modernen Nutztierhaltung „offen über alle Themen diskutiert und kontinuierlich an Verbesserungen des Tierwohls arbeitet.“

outen Sie sich, Herr Allofs, als gut dressierter Pudel der Agrarindustrielobby. Wiesenhof ist ein verlogenes, ausschließllich am Profit interessiertes Milliarden-Umsatz-Unternehmen und schert sich einen Scheißdreck um so etwas wie „Tierwohl“. Ihre Aussage übernimmt exakt und kritiklos (oder vorsätzlich) die schamlose Diktion der Tierqual-Industrie.

Schämen Sie sich, Herr Allofs, schämen Sie sich, Herr Filbry, schäm Dich, Werder Bremen!

Ohne freundliche Grüße

Prof. Dr. Klaus Hamper – Am Schützenplatz 6 – D-21261 Welle – k.hamper@t-online.de

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Gefahren, Gesundheit, Keime / Bioaerosole / Antibiotika, Lebensqualität, Naturschutz, Tierschutz abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf 2 Mails von Prof. Dr. med. Klaus Hamper an den SV Werder Bremen: „…schäm Dich, Werder“

  1. jens sagt:

    Besser hätte man das ganze nicht zusammenfassen können. Bin morgen auf die Pressekonferenz gespannt, mal sehen was noch zum Thema Wiesenhof kommt.

  2. Rosi sagt:

    Das ist wirklich einsame Spitze! Aber wer trägt das vor? Die Herren Allofs und Filbry werden doch nie freiwillig den Brief zeigen!
    Sind Sie, Herr Dr. Hamper, selbst vor Ort? Das wäre ja wichtiger als alles andere …

  3. Gadke sagt:

    Bitte unterstützen Sie uns: Petition gegen des Engagement der Firma Wiesenhof als Hauptsponsor des SV werder Bremen!

    http://www.petitiononline.de/petition/petition-gegen-des-engagement-der-firma-wiesenhof-als-hauptsponsor-des-sv-werder-bremen/1070

    DANKE!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.